Was kann man außer KI noch kaufen?
Da das Interesse am Thema AI weiter zunimmt und der Bewertungsvorteil sich verringert, sucht das globale Kapital nach der nächsten strategischen Ausrichtung. Der neueste quantitative Themenrahmen REVS von UBS zeigt, dass der Sektor Gesundheitswesen – insbesondere Aktien, die vom GLP-1-Boom profitieren – vom Mittelfeld auf den ersten Platz der globalen Themenskala aufgestiegen ist. Gleichzeitig verbessert die Ausbreitung der wirtschaftlichen Dynamik in den USA die Signale für industrielle Themen und bildet so die aktuell attraktivsten "Non-AI"-Anlageoptionen.
Wie von der Trading-Plattform "Chasing the Wind" berichtet, ergab ein am 17. Juni von UBS veröffentlichter Bericht, dass im REVS-Bewertungssystem, das weltweit mehr als 50 Themen abdeckt, Aktien, die vom GLP-1-Trend profitieren, mit ihrem gewichteten Gesamtscore an die Spitze gerückt sind, wobei die Anpassung der Gewinnerwartungen nach oben und die gestiegene Bewertungsattraktivität die Haupttreiber sind. Gleichzeitig sind die Themen US Reshoring (Rückverlagerung der Produktion in die USA) und Short Cycle Industrials (Kurzzyklische Industrie), die die Ausbreitung der amerikanischen Wachstumsdynamik widerspiegeln, jeweils deutlich in den positiven Bereich aufgerückt.

In Bezug auf die Auswirkungen auf den Markt besteht die Hauptbedeutung dieser Rotationen darin, dass der Einstiegspunkt für die genannten Gelegenheiten relativ günstiger ist – günstigere Bewertungen, geringere Positionsgrößen und die Gewinnerwartungen befinden sich an einem Wendepunkt ins Positive. Im Gegensatz dazu ist der Bewertungsscore bei den Themen AI Winners und AI-Exposed Semis bereits ins Negative gerutscht. Die hohe Marktdurchdringung drückt weiterhin das Gesamtsignal, was darauf hinweist, dass im AI-Bereich selektivere Strategien erforderlich sind.
Das REVS-Rahmenwerk von UBS kombiniert vier Dimensionen: Makromechanismen (R), Gewinnerwartungstrends (E), Bewertungsniveaus (V) und Sentimentveränderungen (S). Es umfasst 11 Submodelle und ist für eine taktische relative Präferenzbewertung über einen Zeitraum von zwei bis sechs Monaten ausgelegt. Die aktuellen Bewertungsdaten beziehen sich auf den Stand vom 11. Juni 2026.
GLP-1-Thema steigt an die Spitze, Gesundheitswesen-Signale erwärmen sich deutlich
Die auffälligste Signalveränderung in diesem Monat fand im Gesundheitswesen statt. Laut UBS-Daten erreichte das GLP-1-Thema im REVS-System einen gewichteten Gesamtscore von 0,41 und ist damit das derzeit am besten platzierte Thema, nachdem es in den Vormonaten meist im Mittelfeld rangierte. Haupttreiber für den Sprung nach vorne sind deutliche Anstiege im Score der Makromechanismen (0,62) und der Gewinne (0,54). Auch die Bewertung (0,34) bleibt relativ positiv, was auf eine noch geringe Marktdurchdringung hinweist.
Eli Lilly (Marktkapitalisierung ca. 97,2 Mrd. Dollar, REVS-Score 0,51) und Cardinal Health (etwa 5,2 Mrd. Dollar, Score 0,51) liefern im GLP-1-Thema die stärksten Signale; auch Amgen (Score 0,43) und Novo Nordisk (Score 0,19) werden als empfehlenswert eingestuft. Auf Branchenebene liegt der gewichtete Score für den Healthcare-Sektor im S&P 500 insgesamt bei 0,31, für Pharma- und Biotechnologie-Unterbranchen bei 0,33, für Medizintechnik und -dienstleistungen bei 0,28; auf globaler ACWI-Basis erreicht Healthcare 0,29 und gehört damit zu den besten Sektoren. UBS betont, dass der Sektor in den meisten Regionen eine anhaltende Signalverbesserung zeigt und überall zu den führenden Branchen zählt.
AI-Themen bleiben gestützt, aber Bewertung und Marktdurchdringung wirken limitierend
AI-bezogene Themen sind noch immer präsent. US AI Winners erreichen einen Gesamtscore von 0,34, US AI-Exposed Semis kommen auf 0,36, EU AI Winners auf 0,33 – alle weiterhin getragen von positiven Gewinnkorrekturen und vorteilhaften Makromechanismen. Seit Jahresbeginn stiegen US AI-Exposed Semis um satte 88,37 %, US AI Winners um 54,43 %, EU AI Winners erzielten ebenfalls eine Steigerung von 43,89 % – die Outperformance hält an.
Aber Bewertung und Marktdurchdringung setzen dem Limitierungen. Der Bewertungsscore der US AI Winners fiel auf -0,09, der der US AI-Exposed Semis auf -0,07, beide ins Negative – dies zeigt, dass ein Großteil der Markterwartungen bereits eingepreist ist. Deshalb empfiehlt UBS, innerhalb des AI-Themas selektiver vorzugehen statt breit zu streuen. Amphenol (APH, Score 0,54), Alphabet (GOOGL, Score 0,49), Applied Materials (AMAT, Score 0,47), Broadcom (AVGO, Score 0,46) und Teradyne (TER, Score 0,51) – letzteres sowohl bei US AI Winners als auch US AI-Exposed Semis vertreten – schneiden besonders hoch ab.
Ausbreitung der US-Wachstumsdynamik: Industrie- und Softwarewerte mit kräftigen Signalen
Stärkere US-Konjunkturdaten übertragen sich auf die Themen-Signale. Das bisher von AI getriebene Marktbild weitet sich zunehmend auf zyklischere Sektoren aus. UBS zufolge stieg der Score von US Reshoring auf 0,28, Short Cycle Industrials erreichten 0,27, beide nun klar im positiven Bereich. Nach Ansicht von UBS zeigt dies, dass die seit längerem enge Marktführerschaft in den US-Aktien einen Ausbreitungseffekt auf zyklische Sektoren erfährt.
Zusätzlich kletterte der Gesamtscore des US Software AI Resilient-Themas (Softwareunternehmen, die mit AI umgehen können) deutlich auf 0,25, getrieben durch die spürbaren Verbesserungen bei den Gewinnerwartungen. UBS hebt hervor, dass wachstumsstarke Themen am US-Markt inzwischen genauso attraktiv für Anleger sind wie die lang favorisierten AI-Investment-Gewinner – vor allem aufgrund günstigerer Bewertung und geringerer Positionsgrößen sowie der gewinnseitigen Trendwende ins Positive, sodass sie einen überlegenen Einstiegspunkt darstellen.

Konsumthemen bleiben zurück, Stabilisierungs-Signale – eher Kapitalquelle statt Short-Kandidat
Der Konsumsektor bleibt das Themenfeld mit den schwächsten Signalen. EU Consumer Cyclicals erzielen einen gewichteten Score von lediglich -0,16, UK Consumer von -0,18, UK Homebuilders von -0,22 – jeweils am unteren Ende der Themenskala. Branchenspezifisch fallen im S&P 500 speziell Verbraucherdienstleistungen (-0,25) und Baustoffe (-0,47) ins Gewicht. Auf Einzeltitelebene stechen besonders negativ hervor: Wizz Air (WIZZ, Score -0,59), Bellway (BWY, -0,54), TUI AG (TUI1, -0,44), Domino’s Pizza Group (DOM, -0,41) sowie bei UK Homebuilders Barratt Redrow (BTRW, -0,17) und Persimmon (PSN, -0,16).
UBS stellt fest, dass Konsumthemen zwar zuletzt leicht aufholen konnten und auf günstigerem Bewertungsniveau mit kleiner Positionierung sind, doch sowohl erwartungsbasierte Gewinnkorrekturen als auch makroökonomische Signalscores bleiben negativ und begrenzen somit weiteres Erholungspotenzial. Bemerkenswert ist, dass sich diese Themen derzeit eher "stabilisieren" als weiter verschlechtern – was bedeutet, dass sie als Kapitalquelle, also als Positionen, die zugunsten attraktiverer Chancen abgebaut werden, wohl eher dienen werden als als naheliegende Short-Kandidaten.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Der Ausverkauf von Chip-Aktien breitet sich in Asien aus: Japanische Aktien fallen um mehr als 2 %, südkoreanische Aktien brechen um 6 % ein und algorithmische Verkaufsaufträge werden für 5 Minuten ausgesetzt.
Der Abwärtstrend der US-Halbleiterwerte setzte sich über Nacht auf die asiatischen Märkte fort. Der MSCI Asien-Pazifik-Index fiel um über 1 %, der Topix-Index in Japan weitete seine Verluste auf 2,4 % aus, und auch der Nikkei 225 rutschte um mehr als 2 % ab. Der südkoreanische Kospi verlor über 6 %, woraufhin die Korean Exchange das SIDECAR-System aktivierte und algorithmische Verkaufsaufträge aussetzte, um den Abwärtsdruck einzudämmen.
Goldman Sachs: Mutig US-Aktien kaufen!

Anthropic-Milliarden-Eintrittskarte

Die japanische Börse verabschiedet sich vom „KI-Einzelauftritt“! Siebzig Prozent der Unternehmen übertreffen die Gewinnerwartungen, und das Zusammenspiel von „KI-Rechenkapazitätsengpässen + hochwertigem Cashflow“ bereitet einen umfassenden Bullenmarkt vor.
Die Gewinne japanischer Unternehmen haben die Erwartungen deutlich übertroffen, was dazu führt, dass der Markt auf einen umfassenden Anstieg der Aktienkurse im Land setzt. Trotz steigender Ölpreise meldeten japanische Unternehmen das stärkste Gewinnwachstum der letzten fünf Jahre, was die Hoffnung stärkt, dass ein kräftiges Gewinnwachstum den Aufwärtstrend des Marktes weiter vorantreiben kann. Etwa 71 % der lokalen Unternehmen berichteten von Gewinnen, die über den Prognosen der Analysten lagen, und der Gesamtjahresüberschuss der 500 größten Unternehmen überstieg 21 Billionen Yen, was eine deutliche Steigerung der Rentabilität darstellt.

