Hartnett von Bank of America warnt: Wenn Bessent die langfristigen Zinssätze nicht kontrollieren kann, werden ein Einbruch des US-Dollars und der Ausverkauf von Vermögenswerten folgen.
Hartnett warnt: Wenn Bessent es nicht schafft, die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen unter 5% zu senken, wird der US-Dollar stark fallen. Der Markt wird dann auf das Shorten von Risikoanlagen, das Shorten von Hebel (KI-Extremcompute, privater Kredit) und das Shorten von zyklischen Anlagen (Finanzaktien) umschwenken. Hartnett ist gegenüber Gold und weniger bekannten langlaufenden Anlagen bullish und beschreibt die aktuelle politische Wette als “Erfolg ist erwartet, Scheitern unvorstellbar” – ein Ausdruck für die Extreme der laufenden Politik.
Die US-Finanzministerin Besant kündigte letzte Woche an, das Volumen der Rückkäufe von langfristigen US-Staatsanleihen zu verdoppeln. Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege der Bank of America, bezeichnete diesen Schritt in seinem aktuellen Flow Show-Bericht als „quasi-QE“. Gleichzeitig überschritt das Gesamtvolumen der US-Staatsanleihen erstmals 40 Billionen US-Dollar und steigt weiterhin quartalsweise um eine weitere Billion US-Dollar.
Hartnett stellt klar, dass sämtliche drei Kennzahlen des „3-3-3“-Wirtschaftsrahmens von Besant aktuell verfehlt werden. Die Glaubwürdigkeit der Politik wird durch die gleichzeitige Schwäche am Anleihe- und Währungsmarkt deutlich—„Steigende Renditen und eine schwache Währung zeigen, dass die Glaubwürdigkeit abnimmt.“
Er urteilt: Diese Runde der „quasi-QE“ dürfte kurzfristig die Zinssätze drücken, kann die Renditen von US-Staatsanleihen aber nicht nachhaltig senken. Fällt die Rendite der 30-jährigen US-Anleihen nicht unter 5%, droht dem US-Dollar ein rapider Wertverfall und der Markt eine systematische Risk-Asset-Verkaufswelle. Der Fokus verschiebt sich dann auf Short-Strategien mit Risikoassets, Short-Positionen bei AI-Hyperscaler, Private Credit sowie Finanzaktien. Hartnett bleibt hingegen bullish für Gold und für weniger beachtete Long-Duration-Assets.
„3-3-3“-Plan: Drei Pfeile, drei Fehlschüsse
Besant stellte zu ihrem Amtsantritt Ende 2024 das „3-3-3“-Wirtschaftsmodell für 2028 als Zieljahr vor. Die drei Kernziele: ein reales BIP-Wachstum von durchschnittlich 3% pro Jahr, Senkung des Bundeshaushaltsdefizits auf 3% des BIP und eine Steigerung der nationalen Ölproduktion um 3 Millionen Barrel pro Tag.
Laut den im Bericht veröffentlichten Daten von Hartnett werden alle drei Ziele derzeit verfehlt:
- BIP-Wachstum: Im Durchschnitt der letzten sechs Quartale unter 2%
- Haushaltsdefizit: Der Anteil am BIP liegt aktuell bei ca. 6%, doppelt so hoch wie das Ziel
- Ölproduktion: Seit 2024 nur um etwa 300.000 Barrel/Tag gestiegen, lediglich ein Zehntel des Ziels
Hartnett führt aus, dass die Glaubwürdigkeit politischen Handelns stets vom Anleihe- und FX-Markt bestimmt wird. Das Verfehlen aller drei Ziele ist die tieferliegende Ursache für die hohen US-Renditen und den unter Druck stehenden Dollar.
Drei „Maginot-Linien“: 4$ Benzinpreis, 160 USD/JPY, 5% US-Anleiherendite
Hartnett beschreibt die aktuelle Politik als Verteidigung dreier „Maginot-Linien“: Benzinpreis nicht über 4 USD/Gallone, der US-Dollar nicht über 160 gegenüber dem Yen, sowie 10- und 30-jährige US-Renditen nicht über 5%. Werden diese Linien überschritten, sieht er direkte Gefahren für das Wirtschaftswachstum, den AI-Investmentboom und die Asset-Blase.

Die Realität ist jedoch wenig optimistisch. Hartnett stellt im Bericht fest, dass der Benzinpreis in den USA erneut über 4 USD/Gallone gestiegen ist (deutlich höher als die 3 USD/Gallone vor dem Krieg). Im Kontext des andauernden wirtschaftlichen Konfliktes zwischen den USA und Iran sowie rekordniedrigen Ölbeständen und strategischen Reserven (Tiefstände von 40 bis 50 Jahren), bleibt das Rückschlagspotenzial bei Ölpreisen äußerst gering.
Im Bereich Währungskurs meint Hartnett, dass die Interventionen am Markt für USD/JPY eine Zinserhöhung der Bank of Japan am 18. September erfordern, um die langfristigen Zinsen in Japan zu stabilisieren und das Risiko japanischer Verkäufe von US-Staatsanleihen zu verringern.
Die entscheidende Verteidigungslinie ist die Begrenzung der langfristigen US-Anleiherendite auf unter 5%—das ist unmittelbar relevant für die Vermeidung von US-Kreditereignissen (zuerst Herabstufung der Ratings, dann eventueller Misserfolg bei Auktionen), ebenso wie für tragbare Finanzierungskosten im Bereich AI.
Warum „quasi-QE“: Doppelter Druck durch 40 Billionen Schulden und AI-Finanzierung
Hartnett zeigt in seinem Bericht die dreifache Logik des eingreifenden Finanzministeriums auf:
Erstens: Die Schuldensumme erreicht einen historischen Wendepunkt. Das Gesamtvolumen der US-Staatsanleihen hat soeben die 40 Billionen Dollar überschritten und wächst weiterhin um etwa eine Billion Dollar pro Quartal.
Zweitens: Nettoneuemission von Staatsanleihen drängt Unternehmensfinanzierung ab. 2026 und 2027 werden die Nettoemissionen für US-Staatsanleihen jeweils voraussichtlich 2 Billionen Dollar betragen—dies verdrängt unmittelbar den Markt für Unternehmensanleihen. Gleichzeitig beläuft sich das Volumen AI-bezogener Anleiheemissionen bisher in diesem Jahr auf 200 bis 300 Milliarden Dollar; das „AI-Wettrüsten“ ist das oberste Thema der US-Regierung im Bereich nationale Sicherheit und Makro.
Drittens: Diskrepanz zwischen Daten und Markt löst Vertrauenskrise aus. Hartnett erklärt, dass selbst bei Nullwachstum im Non-Farm-Bereich und Null-Inflation die Rendite für 30-jährige US-Anleihen auf ein 20-Jahreshoch steigt—das signalisiert einen Vertrauensverlust in die fiskalische Nachhaltigkeit: „Die Glaubwürdigkeit muss umgehend wiederhergestellt werden.“

Vor diesem Hintergrund greift Besant mit einer Reihe von Politikmaßnahmen vom Typ „Put-Option“ ein: Unterzeichnung von Dollar-Swap-Abkommen mit Asien und den Golfstaaten, Intervention am Yen-Markt, und jetzt die Verdopplung des Umfangs von Rückkäufen von langfristigen US-Staatsanleihen, stillschweigend unterstützt von der Federal Reserve. Hartnett nennt diese Eingriffe „eine von Panik getriebene Reparatur des Fixed-Income-Marktes“.
Zugleich mahnt er, dass die panisch motivierten fiskalischen Eingriffe ein perfektes „Hawkish“-Statement von Fed-Präsident Walsh auf der Jackson Hole-Tagung am 28. August benötigen—weder zu dovish, damit der Dollar nicht weiter unter Druck gerät, noch zu hawkish, damit die Märkte nicht einbrechen.
„Erfolg wird erwartet, Scheitern ist undenkbar“
Hartnett fasst die Extreme der Situation in einem Satz zusammen: „Erfolg wird erwartet, Scheitern ist undenkbar.“
Sein Gedankengang: QE war der Startpunkt des Bullenmarktes nach Lehman und das Fundament der Wall-Street-Narrative „too big to fail“. Der außergewöhnliche monetäre Stimulus der letzten 20 Jahre führte zu überproportionalen Preissteigerungen bei Assets. Deshalb wird eine neue Runde „quasi-QE“ als Erfolg erwartet.

Gleichzeitig liefert er eine klare Roadmap für das Scheiternszenario:
„Wenn Besants 'panikgetriebene Drehung' die Rendite der 30-jährigen Anleihe nicht unter 5% drückt, bedeutet das einen abrupten Absturz des Dollar und eine Umstellung der Asset-Allokation: Short-Strategien mit Risikoassets, Short-Leverage (AI-Hyperscaler, Private Credit), und Short-Zyklen (Finanzaktien)—bis zu den Midterm-Wahlen.“
Vor diesem Hintergrund konzentriert Hartnett seine Long-Positionen auf Gold und marktbenachteiligte Long-Duration-Assets, darunter REITs, Biotechnologie-ETFs, Regionalbanken, SmallCaps und Immobilien in Hongkong.
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