Ondo hat eine Entscheidung getroffen
Wenn ein Projekt kein Geld mehr hat oder die Technik völlig zusammenbricht, ist die Entscheidung längst gefallen.
Autorin: Thejaswini M A
Übersetzung: Block unicorn
Als jemand, der es hasst, Entscheidungen zu treffen, verstehe ich Ondos Dilemma.
Das Schwierigste ist der dauerhafte Verlust durch den nicht gewählten Weg, die Akzeptanz der Tatsache, dass Zeit linear ist, und der Schmerz über das unerfüllte Potenzial.
Ich habe 20 Minuten vor dem Regal im Supermarkt verbracht, eine Dose Proteinpulver in der Hand, während ich auf Google den Unterschied zwischen Isolat und Konzentrat recherchierte, dazu den Preis pro Messlöffel berechnete und die 5-Pfund-Packungen auf Amazon mit anderen Proteinen verglich. Hinzu kam die Qual der Wahl beim Geschmack, das war einfach Kopfschmerzen! Am Ende, an der Kasse, habe ich einfach einen Snickers genommen und die Entscheidungsangst vorerst aufgeschoben.
Ebenso lassen sich offensichtliche Entscheidungen einfach treffen. Wenn ein Projekt kein Geld mehr hat oder technisch völlig zusammenbricht, ist die Entscheidung längst gefallen.
Zeit ist die einzige Ressource, die man nicht kaufen kann: Jeder Monat, den man an der falschen Sache verschwendet, ist ein verlorener Monat. Wenn alles umsonst war, bedeutet das, dass sämtliche Investitionen vergebens waren.
Ondo musste eineinhalb Jahre Arbeit aufgeben. Sie hatten ein funktionierendes Testnet und ein tokenisiertes Treasury Settlement System, das von JPMorgan getestet wurde. Das ist keine leichte Aufgabe, deshalb gehen wir ins Detail.
Am 27. Juli veröffentlichte Ondo Finance einen Blogartikel über das Ondo Network. Das ist ganz anders als das, was sie vor 17 Monaten angekündigt hatten.
Ondo kündigte die Einführung der Ondo Chain an, ein Layer-1-Netzwerk zur Tokenisierung von Real World Assets mit erlaubten Validatoren, passiven Staking-Möglichkeiten und nativen Bridge-Funktionen. Zu den wichtigsten Unterstützern zählen Franklin Templeton, WisdomTree und Wellington. JPMorgans Tochter Kinexys hat mithilfe von Chainlink auf dem Testnet tokenisierte Staatsanleihen abgewickelt.
Doch nun bestätigte CEO Ian de Borde, dass das Unternehmen nicht beide Systeme parallel betreiben wird. Sie geben das Blockchainprojekt auf.
Sie haben Ausführungs- und Validierungsschritte entfernt und Ethereum als Settlement Layer beibehalten.
Der Code wird in einem Hardware-Isolationsbereich (auch Trusted Execution Environment genannt) ausgeführt. Diese Isolationsbereiche sind versiegelte Module auf einem Server-Chip. Der Code läuft darin, ohne dass Betreiber den Code lesen oder verändern können. Jeder Isolationsbereich erstellt einen Hardware-Fingerabdruck für den laufenden Code. Schon eine Änderung eines Bytes verändert den Fingerabdruck und führt zum Fehlschlagen der Verifizierung.
Die Verifizierung hängt von einer Anzahl unabhängiger Validatoren ab. Vor dem Start des sicheren Bereichs vergleichen sie dessen Fingerabdruck mit dem freigegebenen Code. Sie besitzen auch geteilte Schlüssel-Fragmente, sodass kein einzelner Betreiber (auch nicht Ondo) den vollständigen Schlüssel hat. Der Schlüssel kann nur im geprüften, sicheren Bereich neu zusammengebaut werden.
Settlement erfolgt weiterhin auf Ethereum. Asset-Transfers finden wie bisher auf der öffentlichen Chain statt.
Ondo meint, dass Blockchains vier unabhängige Funktionen bündeln: Konsens, Replikation, Transparenz und finalen Settlement. Konsens und Replikation machen das System langsamer, Transparenz offenbart sämtliche Informationen. Diese Kompromisse sind für das Order Matching eine unnötige Last. Daher verlagert Ondo die Ausführung Off-Chain und belässt Settlement auf der Blockchain.
Sie sagen: „Die Matching-Engine braucht einen deterministischen Sequencer, und Replikation führt zu Verzögerungen bei jedem Order.“

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich erinnere mich, dass Accenture 2022 diesen Satz sagte.
Die Australian Securities Exchange arbeitete über sieben Jahre daran, ihr Settlement-System CHESS zu ersetzen. Sie versuchte, das System durch das Distributed Ledger von Digital Asset zu ersetzen und kaufte 2016 sogar 8,5% der Firma. Der Launch wurde ständig verschoben, bis eine Entscheidung nach 2021 getroffen wurde. Ende 2022 ergab Accentures Prüfung, dass die Entwicklung des Softwares erst zu 63% abgeschlossen war und der Launch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
Es hieß: „Distributed Systems verursachen mehr Verzögerungen.“
Durch das Scheitern erfasste die Australian Securities Exchange (ASX) Verluste von bis zu 255 Millionen Australischen Dollar und die Australian Securities and Investments Commission (ASIC) verklagte die Börse wegen irreführender Marktupdates. Auch Market Broker verloren durch die Anbindung an nie gestartete Systeme Dutzende Millionen Dollar.
Die New York Stock Exchange und Nasdaq verwenden einen privaten Matching-Engine, betrieben von einem einzelnen Unternehmen. Sie replizieren kein Orderbuch auf hunderten Rechnern und Händler wollen nicht, dass ihre Orders für den gesamten Markt sichtbar sind. Danach werden Trades an die DTCC übergeben, die zwar langsam, aber als Service für die ganze Branche mystisch hohe Summen abwickelt. Die DTCC Tochtergesellschaften haben 2025 Wertpapiertransaktionen im Wert von 47 Billionen US-Dollar abgewickelt.
Sie sagen, dass derzeit keine Blockchain in der Lage ist, solche Mengen zu verarbeiten. DTCC wird ohnehin tokenisieren, weil Settlement nur an Werktagen erfolgt. DTCC hat am 15. Juli offiziell den Handel gestartet und plant eine Skalierung im Oktober. Die Token werden auf existierende Post-Trade-Mechanismen aufgesetzt.
Kryptowährungen haben versprochen, Ausführung und Settlement auf einer Maschine zu kombinieren und die Vorteile beider Welten zu erhalten. Rollups erfüllen teilweise Ondos Vision.
Geschwindigkeit ist kein verlässlicher Indikator, ob man eine Blockchain braucht. Jeder Marktplatz will Geschwindigkeit, und die meisten Plattformen können sich Geschwindigkeit erkaufen. Besser ist die Frage: Gibt es andere als dich, die in dieses Ledger schreiben wollen?
Ondo betreibt eine Handelsplattform. Sie matched Perpetual Futures auf Nvidia, Rohöl und S&P 500 – diese Kontrakte tracken Preise und werden cash-settled, also bekommt niemand echte Aktien. Der tokenisierte Teil ist das Collateral. Du nutzt tokenisierte Treasury Bonds als Margin. Sie haben das Orderbuch, und niemand von außerhalb braucht Schreibzugriff auf die Margin-Engine. Eine Blockchain würde bedeuten, mehrere Kopien der Datenbank zu betreiben (sie brauchen nur eine), das Orderbuch öffentlich zu machen (Market Maker würden das hassen), und Validatoren zu verwalten.
Stattdessen hat die Plattform — ganz ohne Blockchaintechnik — in drei Wochen einen Vertragswert von sechs Milliarden Dollar erreicht, mit täglich über 300 Millionen Dollar.

Ondo bestand diesen Test nicht, also macht Blockchain keinen Sinn für sie. Manche Firmen bestehen diesen Test. Der Unterschied ist ihre Zielgruppe. Wenn die Nutzer deiner Plattform die einzigen sind, die Zugriff auf das Ledger haben, betreibst du eine Handelsplattform. Wenn Fremde ohne Erlaubnis Inhalte auf deine Ledger schreiben können, betreibst du einen Marktplatz – Märkte brauchen Blockchains, weil du keinen Einfluss auf einen Teil des Produkts hast.
Bei Base ist das Gegenteil der Fall. Coinbase verkauft Blockspace, damit andere darauf bauen. Daher spiegeln die Statistiken von Coinbase die Aktivitäten anderer wider. Im zweiten Quartal 2026 liefen über 90% aller Proxy-Stablecoin-Transaktionen auf Base, 97% der On-Chain-Proxy-Transaktionen laufen über das x402-Protokoll, das in vergangenen Jahr 160 Millionen Zahlungen verarbeitet hat. Das Stablecoin-Volumen auf Base hat sich im Vergleich zum Vorjahr versiebenfacht und erreichte 19 Billionen Dollar in 2026, fast komplett von Drittnutzern.
Wenn Coinbase die Ausführung von Base in eine private Off-Chain-Region verlagern würde, gäbe es das eigentliche Produkt nicht mehr.
Robinhood hat eine schwierige Position — zwischen den Stühlen. The Chain ging am 1. Juli live. Als Produktintegration von Arbitrum Orbit sind Aktie-Token in über 120 Ländern im Umlauf. Die Aktie-Token sind jedoch in jedem Besitzfall ein von Robinhood Assets Jersey Limited begebenes Schuldinstrument, kein tatsächlicher Aktienanteil. Das bedeutet, Robinhood verstößt gegen die Guidance der US Securities and Exchange Commission (SEC) von Januar 2026, die eine Linie zugunsten Emittenten-unterstützter tokenisierter Aktien und gegen Drittanbieter-Synth-Aktien zieht. Selbstverwahrung schützt dich vor dem Verlust deiner Token durch Robinhood, aber nicht vor der Insolvenz von Robinhood.
Robinhood gewinnt durch die Blockchain vor allem Vertriebskanäle. Uniswap hat am 5. August seine Token-Launch-Plattform pools.trade auf Robinhood Chain gebracht. Andere Apps als Partner deiner 23 Millionen Nutzer zu etablieren, ist immer noch ein gutes Geschäft.
In den letzten drei Jahren haben Firmen eigene Supply Chains aufgebaut, aber mit begrenztem Erfolg.
dYdX hat das Konzept der App-Chains groß getestet. Ende 2023 verließ das Protokoll StarkEx und launchte eine eigene Cosmos-Chain, mit Order Matching direkt auf einem dezentralen Validatorenet. Architektonisch gesehen gewann dYdX die Debatte, aber der Marktanteil sieht ganz anders aus.
Anfang 2023 hielt dYdX 73% des Volumens im dezentralen Perpetuals-Markt. 2026 fiel der Marktanteil unter 3%. Die Plattform hat derzeit rund 25 bis 30 Milliarden Dollar monatliches Volumen, Hyperliquid hingegen 180 bis 208 Milliarden Dollar. Der Total Value Locked (TVL) von dYdX beträgt 100 bis 150 Millionen Dollar, Hyperliquid hat 6.2 Milliarden Dollar.
Hyperliquid ist wohl das beste Argument für eine eigene Blockchain. Die Matching-Engine HyperCore läuft direkt die Konsensus-Schicht. Es nutzt 27 Validatoren (zum Start waren es nur fünf), ohne Strafen. Das Projekt macht den Source-Code nicht öffentlich, liefert nur das finale Programm aus. Du kannst es laufen lassen, aber nicht sehen, wie es funktioniert. Für aktive Validatoren brauchst du mehr als eine Million HYPE.
Angenommen, 27 Validatoren betreiben nicht lesbaren Code und verarbeiten monatlich 200 Milliarden Dollar — die Alternative wäre ein Secure Enclave mit geprüftem Code, kontrolliert durch unabhängige Prüfstellen. Beide Modelle setzen auf einen Kreis von Betreibern und Krypto-Technik. Auch wenn das eine „Blockchain“ und das andere „offchain“ genannt wird, sind sie faktisch gar nicht so unterschiedlich.
Unichain existiert, um das Trading-Volumen von Uniswap zu gewinnen und Sequencer-Gebühren an UNI-Halter weiterzugeben. Uniswap verarbeitet wöchentlich rund 15 Milliarden Dollar über bestehende Netze, Unichain hält im Vergleich nur 532 Millionen Dollar von insgesamt 5.76 Milliarden TVL. Außerdem verbraucht das aktuelle Fee-Swap-Programm jährlich schon 90 Millionen Dollar UNI, ohne eine eigene Chain aufzubauen.
Im größeren Bild halten drei Player bei den sekundären Collaterals 91% des Gesamt-TVL, nur zwanzig Player haben überhaupt TVL. Ethereum hält 65% aller primären Collaterals (L1), Base 53% der sekundären (L2).


Die Geschwindigkeit, mit der Blockchains schließen, nimmt zu: Swell beendete im Juni sein Swellchain-Projekt, Mint Blockchain scheiterte im April, Polygon schloss am 1. Juli seinen zkEVM-Sequencer. Laut RootData sind bis Anfang 2026 rund 100 Krypto-Projekte verschwunden, ein Großteil davon Netzwerke.
Warum veröffentlicht jeder Produkte?
Bis vor kurzem wurden Apps nach Umsatz bewertet, Chains nach Potenzial.
Als Ondo die Blockchain mit Staking Rewards ankündigte, stieg der Tokenpreis um 11%. Aber nach dem eigentlichen Launch änderte sich nichts. ONDO-Tokens bringen keine Rendite, und mehr Protokollvolumen erzeugt keinen direkten Bedarf. Das Management sagt, der Token erhalte seine Funktion erst mit späteren Proof-of-Stake- und Slashing-Mechanismen.
Aber Secure Enclaves sind nicht leicht zu bekommen. Das letzte Jahr war hart für Hardware Security Chips. Hacker haben mit günstigem Equipment Intel- und AMD-Sicherheiten umgangen. Zuerst mit einem 50-Dollar-Tool die Speicherabsicherung geknackt, dann mit einem 1000-Dollar-Gerät Intels Master-Schlüssel entwendet. Im Oktober veröffentlichte die Forschung den TEE.fail-Angriff – benannt nach dem Trusted Execution Environment. Secure Enclaves funktionieren, weil Chips garantieren, dass niemand hineinsieht. Die Forscher schlossen eine 1000-Dollar-Platine ans RAM und belauschten Klartext zwischen Speicher und Prozessor – das bricht das Sicherheitsversprechen vollständig.
Sie entwendeten Intels Signatur-Schlüssel, das digitale Zertifikat zur Code-Sicherheit im echten Secure Environment. Mit dem gestohlenen Schlüssel erzeugten sie auf BuilderNet (ein Ethereum-System zur Organisation ausstehender Krypto-Trades) ein gefälschtes Secure-Zertifikat. So konnten sie im System heimlich geheime Trade-Anweisungen sehen, selbst wenn die automatische Prüfung alles als sicher meldete.
Solche Angriffe erfordern physischen Zugriff. Ondos beste Sicherheitsmaßnahmen sind daher vor allem physische Sicherheit: Wer installiert das Gerät, in welchem Lager werden sie aufbewahrt, wer transportiert sie? Ist das schlechter als Vertrauen in 27 Validatoren ohne Strafen? Vielleicht nicht. Aber es ist physische Sicherheit und damit reales Risiko – das sollte im Preis reflektiert werden.
Ondo stellt sich der Realität: Sie wollen Proof-of-Operator-Zertifikate öffnen und Codeprüfung, Schlüssel-Aufbewahrung und Server-Hosting auf verschiedene Entitäten verteilen. Final Settlements werden On-Chain veröffentlicht, damit Außenstehende fragwürdige Trades erkennen können; Proof-of-Stake und Slashing kommen später dazu.
Vielleicht wäre es doch besser, einfach eine Ondo-Chain zu bauen…
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