Die Governance-Struktur von SpaceX (SPCX.US) löst Marktkontroversen aus! Jefferies unterstützt: Investoren könnten aufgrund von „ESG-Korrektheit“ potenzielle langfristige Renditen verpassen
Shah erklärte, dass Investoren, die aufgrund von Elon Musks außergewöhnlicher Kontrolle über SpaceX darauf verzichten, in diesen privaten Raumfahrtgiganten zu investieren, möglicherweise ihre Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung den potenziellen langfristigen Renditen vorziehen.
Nach Informationen von Smart Finance APP erklärte Aniket Shah, der Global Head für Nachhaltigkeit und Transformationsstrategie bei Jefferies, dass Investoren, die aus Sorge um die außergewöhnliche Kontrolle von Elon Musk über SpaceX (SPCX.US) die Investition in diesen kommerziellen Raumfahrtgiganten meiden, möglicherweise Governance-Bedenken höher gewichten als potenzielle langfristige Erträge.
Für Investoren verdeutlicht diese Debatte ein breiteres Problem im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG): Sollten Unternehmen mit einem starken Gründer aufgrund von Governance-Standards automatisch aus dem Investitionsuniversum ausgeschlossen werden, oder sollte die finanzielle Performance ein stärkeres Gewicht haben? Vor dem Hintergrund eines etwa 20%igen Kursrückgangs der SpaceX-Aktien nach dem Börsengang im Juni gewinnt diese Fragestellung zunehmend an Bedeutung.
Die Governance-Klauseln von SpaceX sorgen an der Wall Street und bei institutionellen Investoren für große Besorgnis. SpaceX hat eine Dual-Class-Aktienstruktur, wobei Musk das Recht hat, die Mehrheit des Aufsichtsrats zu ernennen und nicht ohne seine Zustimmung als CEO abgesetzt werden kann. Besonders auffällig ist die Schwelle von 3% Aktienbesitz für Aktionäre, um eine derivative Klage einzureichen – bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 143 Millionen US-Dollar müssten Aktionäre mindestens 42,9 Milliarden US-Dollar in SpaceX investieren, um Klage gegen Vorstand oder Management erheben zu können. Diese extrem managementfreundliche Kontrolle macht Musk praktisch unantastbar.
Institutionelle Investoren von New York bis Kopenhagen äußern erhebliche Bedenken bezüglich der Governance-Struktur von SpaceX. Kritiker weisen darauf hin, dass Musk über 80 % der Stimmrechte hält und gleichzeitig als CEO, CTO und Chairman fungiert – diese bisher nie dagewesene Kontrollstruktur wird von einigen Pensionsfonds als "katastrophal" bezeichnet und SpaceX deshalb auf die Blacklist gesetzt. Institutionelle Investoren argumentieren, dass dieses Setup allein Grund genug sei, die Aktie aus dem Portfolio auszuschließen, da es die Aufsichtsfähigkeit des Boards sowie den Aktionärsschutz schwächt. Der New Yorker Rechnungsprüfer Mark Levine sagte ebenfalls, Musks Kontrolle über SpaceX stelle eine neue Dimension der Missachtung von Rechten der einfachen Aktionäre dar.
SpaceX verschafft sich durch die Wahl des Firmensitzes einen zusätzlichen rechtlichen Schutz. Das Unternehmen ist in Texas registriert und profitiert von den dort kürzlich verabschiedeten, managementfreundlichen Gesetzen – diese erschweren die Anfechtung von Beschlüssen des Boards erheblich. Zudem hat SpaceX eine spezielle "Rechtsforum-Auswahl"-Klausel in seinen Dokumenten verankert, die streitige Fragen in bestimmte, unternehmensfreundliche Gerichtsstände lenkt.
Shah ist der Ansicht, dass viele Investoren zu rigide bei der Anwendung von Governance-Regeln vorgehen. Er sagte: "Die Auffassung, dass es eine 'akzeptable Form guter Unternehmensführung' gibt, halte ich für sehr fragwürdig. Wer versucht, Governance-Standards in ein fixes Raster zu pressen, denkt zu simpel – ehrlich gesagt, sie achten nicht wirklich auf die Daten."
Zum jüngsten Kursrückgang von SpaceX sagt Shah, dies sei kein Beleg dafür, dass die Marktteilnehmer Governance-Bedenken zu Recht hätten. Er erklärt: "Ich glaube nicht, dass die Kursentwicklung von SpaceX in den letzten Wochen etwas mit Governance-Problemen zu tun hat." "Investoren könnten ihre Sicht auf das Gesamtbild von Artificial Intelligence (AI) neu bewerten, aber wenn man den Kursverfall zum Anlass nimmt, eine Governance-Krise zu diagnostizieren, ist das eine sehr weit hergeholte Verbindung."
Shah betont weiterhin, dass zu starre Governance-Kriterien viele Investoren historische Vermögensgelegenheiten verpassen ließen. Als Beispiele nennt er Meta Platforms (META.US) und Tesla (TSLA.US), die zu ihren IPOs ebenfalls wegen Dual-Class-Struktur und ausgeprägter Gründerzentrierung umstritten waren – seitdem stiegen ihre Kurse um über 1.300 % bzw. rund 27.000 %. Shah meint, Investoren, die ausschließlich Checklisten zur Governance als Basis für ihre Investmententscheidung nutzen, könnten Unternehmen mit erheblichen langfristigen Ertragschancen verpassen, insbesondere solche, die von Gründern geführt werden und Entscheidungsbefugnisse auf einen einzelnen Manager konzentriert sind.
Short-Wetten explodieren! Erster Quartalsbericht und Entsperrung von Milliardenaktien – Doppelschlag in dieser Woche erwartet
Erwähnenswert ist, dass SpaceX nach Börsenschluss am Dienstag seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang veröffentlicht. Bei diesem wichtigen Bericht wird der Markt dabei besonders auf die Anzahl der Starlink-Nutzer, Einnahmen aus Satelliteninternet, Häufigkeit von Raketenstarts, Regierungsverträge und Ausgaben für das Starship-Projekt achten. Angesichts der starken Kursschwankungen nach dem IPO hilft dieser Bericht den Investoren, das Geschäftsmodell, die Rentabilität und den Cashflow von SpaceX im Hinblick auf seine Bewertung einzuschätzen.
Neben Umsatz und Gewinn könnten Kommentare des Managements zu Starlink-Wachstum, Fortschritten bei Starship-Tests, Entwicklung von Weltraum-Datenzentren sowie AI-bezogenen Aktivitäten das Marktgefühl beeinflussen. Sollte das Unternehmen stabilen Cashflow und einen klaren Weg zur Kommerzialisierung präsentieren, könnte dies den Kurs stützen. Bei weiterhin schnell steigenden Kapital- und F&E-Ausgaben würden sich die Investoren stärker auf den Finanzierungsbedarf und potenziellen Verkaufsdruck bei Aktien fokussieren.
Kurz vor dem Quartalsbericht strömt eine Rekordzahl von Short-Sellern in das beliebte börsennotierte Unternehmen von Musk. Nach aktuellen Daten von S3 Partners stiegen die Short-Positionen bis zum 29. Juli auf 219,3 Millionen Aktien, rund 34 % des frei handelbaren Bestandes, mit einem Nominalwert von 24,6 Milliarden US-Dollar. Damit hat SpaceX die Short-Positionen von Tesla überholt und zählt zu den am stärksten geshorteten Großunternehmen am US-Markt.
Im Verlauf eines Monats explodierten die Short-Bestände von SpaceX von 23,3 Millionen Aktien beim IPO fast um das Zehnfache. Dahinter steckt ein dreifacher Wettstreit um Quartalsdaten, eine Welle der Entsperrung und Bewertungsblasen. S3-Research-Chef Sam Pearson sagt: "Das größte Risiko derzeit ist die Entsperrung von Aktien – der Markt glaubt, dass der Quartalsbericht keine Nachrichten bringen wird, die den Zustrom der entsperrten Aktien ausgleichen könnten."
Die Short-Seller setzen so aggressiv auf SpaceX, weil sie auf den kommenden Angebotsschock nächste Woche spekulieren. Zwei Tage nach Veröffentlichung des ersten Quartalsberichts (also am 6. August) wird gemäß unternehmensinternen Fristen eine Entsperrung von bis zu 911,5 Millionen Aktien möglich, die in den freien Handel gelangen könnten.
Momentan gibt es nur etwa 640 Millionen handelbare Aktien, circa 5 % des Gesamtkapitals. Die erste Entsperrung erhöht den Anteil der handelbaren Aktien auf mehr als 12 %. Doch das ist erst der Anfang – das Börsenprospekt zeigt, dass die Gesamtzahl der frei handelbaren Aktien bis Ende des Jahres von aktuell 639 Millionen auf 5,33 Milliarden steigen könnte – ein Plus von mehr als dem Siebenfachen.
Besorgniserregend ist auch, dass die Entsperrung von 911,5 Millionen Aktien am 6. August nur die erste Welle ist. An weiteren Terminen wie dem 20. August und dem 9. September werden zusätzliche 7 % des Aktienkapitals freigegeben. Bis zu 455,8 Millionen Aktien könnten unter bestimmten Preisbedingungen sogar vorzeitig entsperrt werden, doch das zuvor gesetzte Kursziel (an fünf von zehn Handelstagen über 175,50 US-Dollar) ist wegen des Kursverfalls unerreichbar. Morgan Stanley warnt im jüngsten Bericht, dass SpaceX vor der "gefährlichsten Phase" steht – Aktien im Wert von etwa 100 Milliarden US-Dollar könnten in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.
Laut Pearson gibt es für SpaceX drei zentrale Treiber im kommenden Jahr. Erstens den Entsperrungsprozess – dies ist das dringlichste kurzfristige Risiko. Nach der ersten Freigabe von 911,5 Millionen Aktien folgen weitere Tranchen, die dauerhaft Angebotsschock für die Aktie verursachen werden.
Zweitens die Aufnahme in den S&P 500 Index. Nach entsprechenden Regeln müssen Börsenneulinge zunächst die sogenannte "seasoning rules" erfüllen (meist mindestens 6 bis 12 Monate gelistet und kontinuierliche Gewinne), sodass SpaceX frühestens Mitte 2027 in den Index aufgenommen wird. Der Markt beginnt jedoch schon, diesen Schritt einzupreisen.
Drittens eine mögliche Fusion mit Tesla. Pearson erklärt: Sollte SpaceX und Tesla irgendwie fusionieren, würde dies den Aufnahmeprozess beschleunigen. Auch wenn dieser Gedanke bisher spekulativ bleibt, erscheint er vor dem Hintergrund von Musks Kontrolle beider Unternehmen nicht völlig ausgeschlossen.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
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