Steigende Kosten für Kaffee und Kakao belasten! Nestlé senkt Gewinnerwartungen, Aktienkurs bricht so stark ein wie seit 2020 nicht mehr
Hohe Preise für Kaffee und Kakao beeinträchtigen die Rentabilität von Nestlé.
Der Schweizer Lebensmittelriese hat am Donnerstag seine Gewinnmargenprognose für das zweite Halbjahr gesenkt. Hinzu kommt, dass das Umsatzwachstum hinter den Erwartungen einiger Investoren zurückblieb, was zu einem Tagesverlust der Aktien von fast 7 % führte – dem größten Rückgang seit 2020.

Nestlé erklärte, dass die gestiegenen Rohstoffkosten für Kaffee und Kakao das Unternehmen belasteten und die Betriebsgewinnmarge im ersten Halbjahr um 0,1 Prozentpunkte auf 16,4 % sank. Der Betriebsgewinn fiel um 2,8 % auf 7,1 Milliarden Schweizer Franken (rund 8,7 Milliarden US-Dollar). Das Unternehmen korrigierte daraufhin seine Gewinnmargenprognose für das zweite Halbjahr von einer „Verbesserung gegenüber dem ersten Halbjahr“ auf „weitgehend unverändert gegenüber dem ersten Halbjahr“, was die Erwartungen des Marktes enttäuschte.
Diese Ergebnisbelastung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, an dem das neue Führungsteam von Nestlé umfassende Transformationen vorantreibt. Der neue CEO Philipp Navratil und der Vorsitzende Pablo Isla – letzterer war früher CEO von Inditex – setzen sich dafür ein, die komplexe Konzernstruktur zu verschlanken und gewisse Geschäftsbereiche abzustoßen. Die Aktie war vor der Quartalsberichterstattung gestiegen, da der Markt optimistisch war. Doch die enttäuschenden Zahlen ließen sämtliche Gewinne wieder verschwinden.
Umsatzwachstum bleibt hinter Erwartungen, Kostendruck auf mehreren Ebenen
Das Umsatzwachstum im zweiten Quartal war für Nestlé das zentrale Enttäuschungsmoment dieser Ergebnisveröffentlichung. Der Markt erwartete im Vorfeld allgemein ein Wachstum von 2 %, veröffentlicht wurden aber lediglich 1,8 %, was zwar den Prognosen der Analysten entsprach, aber einigen Investoren zu wenig war.
Barclays-Analyst Warren Ackerman kommentierte: "Angesichts der bisherigen Kursgewinne ist diese Zahl nicht gut genug."
Neben den Rohstoffkosten sieht sich Nestlé mit mehreren weiteren Herausforderungen konfrontiert. Das Unternehmen erklärte, dass die Betriebsgewinnmarge auch durch höhere Marketingausgaben, Zollbelastungen sowie den weltweiten Rückruf von Babynahrung Anfang des Jahres beeinträchtigt wurde. Der Rückruf betraf Produkte, die möglicherweise mit Cereulide kontaminiert waren – ein Toxin, das Übelkeit und Erbrechen auslösen kann.
Umsatz übertrifft Erwartungen, Preiserhöhungsstrategie unterstützt Topline-Wachstum
Trotz des Margendrucks konnte Nestlé im zweiten Quartal einen Umsatz erzielen, der die Erwartungen übertraf. Der Umsatz stieg um 3,7 %, wobei Preissteigerungen 1,9 Prozentpunkte beitrugen und damit die Auswirkungen der gestiegenen Kosten teilweise ausglichen.
Dennoch überwogen die Sorgen der Analysten hinsichtlich der Margenentwicklung die positiven Umsatzergebnisse. Bernstein-Analyst Callum Elliott meinte, die gesenkte Marge für das zweite Halbjahr „lasse das Nestlé-Geschäftsergebnis deutlich weniger glänzen“.
Wasser-Geschäft: Joint Venture bringt Private Equity ins Boot
Im Zuge der Veröffentlichung der Ergebnisse gab Nestlé bekannt, gemeinsam mit der Private-Equity-Firma Platinum Equity ein Joint Venture im Wassergeschäft im Milliardenbereich zu gründen, was Nestlé 3 Milliarden Euro einbringt.
Das neue Joint Venture trägt den Namen Peranel, beide Seiten halten jeweils 50 %. Der Gesamtwert beträgt 4,9 Milliarden Euro und umfasst 30 Marken, die in 120 Ländern verkauft werden, darunter San Pellegrino, Perrier und Acqua Panna. Dieser Deal wird als Teil von Nestlés fortlaufender Strategie zur Portfolio-Optimierung und Konzentration auf das Kerngeschäft angesehen.
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