Die Federal Reserve im Zeitalter von Walsh ist kaum vorhersehbar! Kurz vor dem FOMC kann der Markt immer noch nicht klar die geldpolitische Richtung der nächsten Woche bestimmen.
Nur wenige Tage bleiben bis zur nächsten Sitzung der US-Notenbank, doch die Marktbewertungen zur zukünftigen Politik sind weiterhin stark gespalten – ein in den letzten Jahren äußerst seltenes Phänomen. Der neue Vorsitzende Walsh hat das übliche Vorgehen der Forward Guidance seines Vorgängers vollständig aufgegeben und stellt die Informationsspielregeln zwischen Händlern und der Federal Reserve damit grundlegend neu auf.
Der Markt für Zinsswaps zeigt, dass Händler derzeit die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte durch die Federal Reserve am 29. Juli auf etwa 30% schätzen, während die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinssätze etwa 70% beträgt. Dass kurz vor dem Sitzungstermin eine so große Unsicherheit besteht, ist in den letzten Jahren äußerst ungewöhnlich.
Laut einem Bericht von Bloomberg am Donnerstag äußerte Jim Bianco, Präsident und Makrostratege von Bianco Research: „Ohne Forward Guidance werden wir häufiger Wahrscheinlichkeitsverteilungen von 20%, 30%, 40% sehen. Der Markt passt sich dieser neuen Denkweise an.“
Die unmittelbare Auswirkung dieser Unsicherheit zeigt sich bereits am Anleihemarkt. Für Händler, die auf Entscheidungen der Federal Reserve setzen, bedeutet das: Richtige Prognosen bringen höhere Gewinne, falsche Einschätzungen führen zu größeren Verlusten. Der Zinsswapmarkt preist derzeit eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September vollständig ein und impliziert bis März nächsten Jahres insgesamt über zwei Zinserhöhungen.
Walsh bricht mit Tradition, Forward Guidance wird Geschichte
Seit seinem Amtsantritt im Mai dieses Jahres hat Walsh klar zum Ausdruck gebracht, dass er die langjährige Praxis der Federal Reserve, dem Markt frühzeitig Signale zum weiteren Zinspfad zu geben, abschaffen wird. Er ist der Ansicht, dass Forward Guidance die Entscheidungsträger bei wirtschaftlichen Veränderungen unnötig einschränke.
Dieser Ansatz steht im deutlichen Kontrast zum Stil seines Vorgängers Powell. Während Powells Amtszeit gaben die Federal Reserve-Funktionäre in der Regel im Vorfeld der Sitzungen durch Reden oder Medien deutliche Signale an die Märkte weiter. Das letzte Mal, dass der Markt bei einer Sitzung ähnlich unsicher war, war im September 2024 – damals stritten Händler darüber, ob die Federal Reserve die Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte senkt; Powell entschied sich letztlich für die größere Zinssenkung zur Unterstützung des schwächelnden Arbeitsmarktes.
Inflationsdruck und geopolitische Risiken: Zinserwartungen bleiben volatil
Walsh lehnt zwar Forward Guidance ab, hat aber seine besondere Wachsamkeit gegenüber Inflation klar deutlich gemacht. Seit der Pandemie liegt die Inflation in den USA konstant über dem 2%-Ziel der Federal Reserve, was den Markt überzeugt, dass Zinserhöhungen in diesem Jahr unvermeidlich sind – strittig bleibt nur das Timing.
Anleihehändler tendierten zu Wochenbeginn dazu, die Zinssätze unverändert zu lassen – der US-Verbraucherpreisindex verzeichnete im Juni erstmals seit sechs Jahren einen Rückgang, was die Erwartungen für eine baldige Zinserhöhung dämpfte. Doch mit einer erneuten Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran stieg der Ölpreis, woraufhin die Zinserwartungen wieder zunahmen.
Ungewöhnliche Meinungsverschiedenheit zwischen Ökonomen und Händlern
Bemerkenswert ist, dass die Gruppe der Ökonomen die Ergebnisse der kommenden Sitzung deutlich sicherer einschätzt als die Händler. Laut einer Bloomberg-Umfrage unter 76 Ökonomen erwarten alle Befragten, dass die Federal Reserve auf der Sitzung am 28. bis 29. Juli die Leitzinsen im Bereich von 3,5% bis 3,75% unverändert belassen wird.
Die Einschätzungen der Händler sind dagegen deutlich uneinheitlicher. John Brady, Managing Director von RJ O'Brien, sagt: „Ich glaube immer noch nicht, dass die Federal Reserve nächste Woche die Zinsen erhöhen wird, aber der Markt zeigt mir, dass das Abstimmungsergebnis enger ausfallen könnte, als ich gedacht hatte.“
Diese seltene Divergenz zwischen Ökonomen und dem Markt ist selbst ein Spiegelbild des neuen Stils von Walsh, der das Marktumfeld verändert hat – in Zeiten ohne Forward Guidance wird das Rauschen im Preissignal deutlich größer, Unsicherheit könnte zur neuen Normalität werden.
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