Der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran ist vorbei – Wird der US-Dollar-Index noch ein letztes Mal steigen?
Morning FX
Das Memorandum zum Waffenstillstand zwischen den USA und Iran wurde kaum einen Monat nach Unterzeichnung bereits aufgehoben und hat die internationalen Ölpreise in den letzten zwei Tagen um mehr als 11 % in die Höhe getrieben. Was steckt hinter dem Kernkonflikt? Wie beeinflusst das den Devisenmarkt?
1. Der Streit zwischen den USA und Iran hat nie wirklich ein Ende gefunden
Der aktuelle Bruch scheint auf den iranischen Angriff am Dienstag auf drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus zurückzuführen zu sein. Allerdings liegt das eigentliche Problem darin, dass das Ergebnis des Memorandums für die USA sehr schlecht ist, man kann von einem „taktischen Verlustbegrenzung“ sprechen. Verglichen mit dem Iran-Nuklearabkommen aus der Obama-Zeit 2015 hat das aktuelle Memorandum zwei gravierende Rückschritte:
Nukleare Einschränkungen: Während des Iran-Nuklearabkommens gab es sehr strikte quantitative Standards für Anreicherung, Lagerung und Herstellung von Uran sowie für entsprechende Anlagen, mit automatischer Wiederaufnahme von Sanktionen bei Verstößen. Das aktuelle Memorandum verlangt lediglich „keine Entwicklung von Atomwaffen, Status quo beibehalten“, die schwammige Formulierung macht es wirkungslos.
Rolle der Verhandlungschips umgedreht: Das Nuklearabkommen schrieb vor, dass Iran zuerst die Einschränkungen erfüllen musste, bevor Schritt für Schritt Sanktionen gelöst wurden. Das aktuelle Memorandum hingegen hebt erst die Blockaden auf und verhandelt dann die nuklearen Details, die Chips wurden Iran direkt überlassen, warum sollte Iran weiter verhandeln?
Das Memorandum ist jedoch günstig, weil keine dritte Partei es unterzeichnet oder überwacht, weshalb der Bruch günstig ist. So ist es nachvollziehbar, dass Trump unter Druck zum Waffenstillstand griff und die Marktstimmung beruhigte, um dann bei ruhigem Markt Iran wieder zu attackieren und so die Verhandlungsposition zu stärken.
Oder ganz einfach: Es dient seinen eigenen Positionen.
2. Waffenstillstand beendet – wie sieht die Zukunft aus?
Gesamteinschätzung: Meiner Meinung nach war Trumps Ziel stets „mit Kampf zu Verhandlungen zwingen“. Aufgrund seines tief verwurzelten TACO-Persönlichkeitstyps und des Drucks der nahenden Midterm-Wahlen, wird es selbst bei Ende des Memorandums und leichten Spannungsanstieg im Nahen Osten kaum wieder zu einer so gravierenden Situation wie im März kommen. Die beiden Ölpreise werden sich wohl um die 80 bewegen; die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch über 90 ist gering.
Dollar-Index Einschätzung: Man muss anerkennen, dass der Dollar-Index aktuell gleichzeitig durch Zinsspreads, Handelsbedingungen und Sicherheitsbedürfnis gestützt wird, jedoch dürfte das nicht reichen, um die 102er-Marke zu durchbrechen. Wichtiger für die nächste Entwicklung des Dollar-Index ist der am nächsten Dienstag veröffentlichte US-CPI-Juni-Wert. Der Markt erwartet einen Kern-CPI von 2,9 % (Jahresrate), 0,3 % (Monatsrate), sogar leicht über dem Mai-Niveau. Sollte der Wert enttäuschen, würde ein schnellerer Rückgang der US-Zinsen den Dollar-Index stärker beeinflussen.
3. Fazit
Die USA haben aus dem ersten Memorandum nichts gewonnen – das „Tisch umdrehen“ und Kampf als Weg zur Verhandlung ist nachvollziehbar.
Die neue Spannung dürfte deutlich geringer als im März-April ausfallen und reicht nicht, um den Dollar-Index über 102 steigen zu lassen. Sollte der US-CPI am nächsten Dienstag enttäuschen, könnte ein Rückgang der US-Zinsen den Dollar-Index weiter drücken.
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