Gold: Trendwende oder Bereichsimpuls?
Am Abend des 2. Juli, nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten für Juni, stieg Gold in London um fast 2%. Die Wochenbilanz beendete vier aufeinanderfolgende Rückgänge und schloss bei 4174 US-Dollar pro Unze. Wir müssen eine Frage nüchtern beantworten: Ist dieser Anstieg des Goldpreises der Beginn einer Trendwende oder lediglich ein Impuls am oberen Rand des Preisbereichs?
1. Unterstützung am Boden: Notenbanken kaufen Gold, stützen aber treiben nicht
Das Kaufverhalten der Zentralbanken ist nach wie vor das Fundament des Goldpreises. Der World Gold Council (WGC) veröffentlichte Mitte Juni die „Umfrage zu Goldreserven der Zentralbanken 2026“, in der 45 % der befragten Zentralbanken ankündigten, in den nächsten 12 Monaten mehr Gold kaufen zu wollen – ein historischer Höchstwert. 89 % der Zentralbanken erwarten, dass der Anteil der globalen Goldreserven weiter steigt. Seit 2022 kaufen die Zentralbanken weltweit im Schnitt etwa 1000 Tonnen Gold pro Jahr und haben damit das Niveau der vergangenen zehn Jahre (500 Tonnen) verdoppelt. Gold hat aktuell die US-Staatsanleihen (27 % vs. 22 %) als weltweit größte Reserveposition abgelöst.
WGC Zentralbank-Reserveumfrage Juni
Der WGC hat selbst berechnet: Bei einer jährlichen Basis von 600 Tonnen würde ein zusätzlicher Kauf von 20–30 Tonnen den Goldpreis lediglich um etwa 1 % steigen lassen. Die Signalwirkung des Goldkaufs durch Notenbanken ist viel größer als die marginale Preiswirkung. Er kann den Goldpreis im Bereich von 3800–3900 US-Dollar halten, aber allein durch Käufe kann der Preis nicht durchbrechen. Entscheidend ist die Erwartung an die Zinsen und die Risikobereitschaft.
2. Fundamentale Seite: Drei große Katalysatoren entfalten keine nachhaltige Wirkung
Die zentrale Frage, ob der Anstieg zur Trendwende führt, hängt von den Katalysatoren ab, die den Goldpreis beeinflussen. Im „Goldausblick zur Jahresmitte 2026“ vom WGC, veröffentlicht am 1. Juli, wird das Basisszenario für den Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte bei 4100 ± 5 % (entspricht etwa 3895–4305 US-Dollar pro Unze) angesetzt. Es wird klar betont: Damit Gold wieder einen Aufwärtstrend einschlägt, muss mindestens einer der drei großen Katalysatoren nachhaltig wirken:
① Wesentliche Verschärfung geopolitischer Risiken; ② Trendwende bei den Zinserwartungen; ③ Rückfluss von langfristigen Anlagegeldern.
Im aktuellen Markt hat die jüngste Reaktion auf die US-Arbeitsmarktdaten lediglich eine Abschwächung des zweiten Katalysators bewirkt: Die Erwartung weiterer Zinserhöhungen wurde durch die schwachen Monatsdaten leicht gesenkt, aber Daten von CME FedWatch zeigen, dass eine Zinsanhebung durch die Federal Reserve im Dezember weiterhin mit etwa 77 % Wahrscheinlichkeit erwartet wird, was bei weitem keine „Trendwende“ bedeutet. Geopolitik und Kapitalflüsse bleiben nachteilig: Der Schiffsverkehr in der Straße von Hormuz ist wieder auf Vorkriegsniveau und die Realzinsen sind weiterhin hoch. Der SPDR Gold ETF verweilt auf niedrigen Niveau und zeigt keine anhaltenden Nettozuflüsse.
CME FedWatch zeigtdie Veränderungen der Zinserwartungen für die FOMC-Sitzung im September
3. Technische Perspektive: Erholung nach Überverkauf, keine Trendwende
Indikatoren zeigen: Der RSI (14 Tage) hat sich vom extrem überverkauften Bereich Mitte Juni auf etwa 40 erholt und ist damit aus der Panikverkaufszone heraus, befindet sich aber noch nicht im bullischen Bereich (dazu müsste er über 50–55 liegen). Auch die MACD-Linien bewegen sich weiterhin unterhalb der Nulllinie. Beides deutet darauf hin: Die Bullen haben die Kontrolle noch nicht zurückerobert.
Spotmarktentwicklung von Gold in London und MACD, RSI in den letzten 3 Monaten
4. Fazit: Range-Trading bleibt die angemessene Preisbildung für Gold
Zurück zur eingangs gestellten Frage: Die Kernaussage ist:Der Goldpreis wird in den kommenden Wochen voraussichtlich weiterhin in einer Preisspanne schwanken. Mittel- und langfristig profitiert Gold von den Käufen der Zentralbanken, Überliquidität und der Neugestaltung globaler Reservestrukturen – die langfristige Wertentwicklung ist gesichert.
Kurzfristig gilt das Augenmerk dem US-CPI für Juni und der Federal-Reserve-Sitzung im Juli: Wenn der Kern-CPI sinkt und die Sitzung eher dovish ausfällt, könnte im WGC-Rahmen die „Umkehr der Zinserwartungen“ wirklich einsetzen. Bleibt der CPI stark und die Sitzung hawkish, ist die durch die Arbeitsmarktdaten ausgelöste Erholung widerlegt. Bis CPI und Zinsentscheidungen eine Richtung vorgeben, ist das Rahmenwerk von 3900 bis 4300 US-Dollar breiter aufgestellt und wahrscheinlich effektiver als einseitige Durchbruchwetten.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Die „Erleuchtung“ im Ausland: Didi hat endlich seinen „Durchbruchstag“ erlebt

Das 500-Milliarden-Finanzierungsprogramm von Nvidia für KI birgt versteckte Risiken, Trump-Berater warnen vor Überangebot an "dunklen GPUs"
Trumps Technologieberater David Sacks warnte in einem Podcast, dass das größte Risiko beim 500-Milliarden-Dollar-AI-Finanzierungsplan von Nvidia eine Überkapazität an Rechenleistung sei. Er verglich dies mit der „dunklen Glasfaser“-Krise nach der Internetblase – sollten GPUs in großem Umfang ungenutzt bleiben und die Preise zusammenbrechen, würde dies die gesamte Investitionskette der AI-Infrastruktur schwer treffen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass politischer Widerstand beim Bau von Rechenzentren Überkapazitäten vielleicht verhindern könnte.
Nvidia plant, 3 Milliarden US-Dollar in SB Energy von Softbank zu investieren und setzt dabei auf das OpenAI-Datenzentrum-Projekt in Ohio.
Nvidia soll Berichten zufolge Gespräche führen, um bis zu 3 Milliarden US-Dollar in SB Energy, eine Tochtergesellschaft von SoftBank, zu investieren. Dies ist Teil einer unterstützenden Maßnahme für eine Kreditfazilität in Höhe von rund 100 Milliarden US-Dollar für das OpenAI-Datenzentrumprojekt in Ohio. Die Investition soll in zwei Schritten erfolgen: Bei Vertragsunterzeichnung werden 1,5 Milliarden US-Dollar investiert, weitere 1,5 Milliarden US-Dollar fließen bei dem Börsengang von SB Energy, der bereits nächsten Monat beginnen und mindestens 5 Milliarden US-Dollar einbringen soll.
Der „Aktienauswahl-Mythos“ an der Wall Street verblasst weiter: In den vergangenen zehn Jahren haben nur 13 % den Index übertroffen.
Laut den neuesten Daten von Morningstar haben in den zehn Jahren bis Ende Juni 2026 nur 13 % der aktiv verwalteten US-amerikanischen Large-Cap-Aktienfonds nach Abzug der Gebühren ihren Benchmark-Index übertroffen; selbst im vergangenen Jahr lag dieser Anteil nur bei 27 %. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Nettozuflüsse in passive ETF in diesem Jahr erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten, und das verwaltete Vermögen passiver Fonds ist inzwischen fast doppelt so groß wie das der aktiven Fonds.
