Das größte Lithium-Bergwerk der USA steht kurz vor der Inbetriebnahme, die Umgestaltung der Lithium-Lieferkette steht bevor
Eine bisher nie im großen Maßstab ausgebeutete Tonerde-Lithiumlagerstätte entwickelt sich zum entscheidenden Trumpf der USA für die Neugestaltung der heimischen Metall-Lieferkette.
Laut einem aktuellen Bericht von The Information wird die Thacker Pass Mine in Nevada von der Firma Lithium Americas entwickelt und ist das größte bekannte Lithiumvorkommen in den Vereinigten Staaten. Die Produktion in der ersten Phase der Mine soll voraussichtlich Ende nächsten Jahres beginnen. Dann wird die Jahresproduktion das Zehnfache der aktuellen US-Lithiumproduktion erreichen.
General Motors (GM) hat sich bereits die gesamte Produktion der ersten Phase für 20 Jahre gesichert. Dies entspricht dem Batteriebedarf für etwa 850.000 Elektrofahrzeuge oder einer gleichwertigen Menge, die für Batterien in KI-Rechenzentren, Drohnen, Roboter und Militärausrüstung verwendet werden kann. Gleichzeitig hält die US-Regierung 5 % der Anteile an Lithium Americas sowie einen unabhängigen Anteil von 5 % an der Thacker Pass Mine. Über das Energieministerium der USA wurden zudem 2,2 Milliarden US-Dollar an zinsgünstigen Krediten vergeben, um das Projekt gemeinsam mit GM zu finanzieren.
Allerdings ist der Aktienkurs von Lithium Americas seit dem Höchststand von rund 10 US-Dollar im Oktober letzten Jahres insgesamt um 56 % gefallen, in diesem Jahr beträgt das Minus 8,3 %. Die Zweifel des Marktes richten sich alle auf das gleiche Problem: Die Lithiumvorkommen dieser Mine sind im Ton gebunden, und ein solcher Abbauprozess wurde bislang nie im kommerziellen Maßstab getestet.

US-Regierung steigt ein: Rohstoffe werden nationale Strategie
Die Trump-Regierung hatte den Bedarf der Verteidigung und von KI-Rechenzentren an Metallen als neue strategische Priorität definiert und eine Reihe ungewöhnlicher Maßnahmen ergriffen – darunter den direkten Erwerb von Anteilen an Metallunternehmen.
Neben Thacker Pass hält die Regierung auch 15 % der Anteile an MP Materials, einem Entwickler für seltene Erden aus Nevada. Jon Evans, CEO von Lithium Americas, erklärt, dass dieser politische Kontext den Markt grundlegend verändert habe: "Von letztem Sommer bis diesen Sommer ist die gesamte Situation völlig anders geworden. Jetzt herrscht ein Gleichgewicht, weil es nicht mehr nur um Elektrofahrzeuge geht – wir sind Teil der Energieversorgungsstrategie geworden."
Die Investition von GM beträgt 625 Millionen US-Dollar und sichert 38 % der Anteile an der Mine. Die Mittel werden hauptsächlich für die Anschaffung von Anlagen zur Verarbeitung von Erz zu Lithiumcarbonat verwendet – Lithiumcarbonat ist der zentrale Rohstoff für Lithium-Eisenphosphat (LFP)-Batterien, die weitverbreitet in Rechenzentren zur Energiespeicherung und als Notfallreserve im Stromnetz eingesetzt werden. Evans statte die Fabrik zudem mit einer Dampfturbine aus, die etwa die Hälfte des Strombedarfs decken soll.
Lithiumgewinnung aus Ton: Technologische Unsicherheit bleibt
Derzeit stammt nahezu die gesamte weltweite Lithiumförderung aus zwei Quellen: Hartgestein (Spodumen) und aus Sole von Salzseen. Das Lithium von Thacker Pass ist jedoch im Ton gebunden – ein dritter Ansatz, der aber noch nie im industriellen Maßstab erprobt wurde.
Das ist die größte Sorge der Investoren. Zum Vergleich: Die australischen Lithiumanbieter Mineral Resources, PLS Group und Liontown Resources sind in diesem Jahr um 25 %, 36 % beziehungsweise 22 % gestiegen – allesamt traditionelle Spodumen-Lithiumförderer. Die Kursentwicklung von Lithium Americas verläuft jedoch entgegengesetzt.
Evans räumt ein, dass diese Unsicherheit das Bewertungsniveau des Unternehmens weiter drücken werde, bis tatsächlich Produktion stattfindet. Er sagt offen: "Sobald ich die erste Tonne Lithium fördere, wird der Wert neu bewertet, da der Markt immer die Frage bleibt: 'Könnt ihr das wirklich schaffen?'
Auch Chris Berry, Präsident des Metall-Forschungsunternehmens House Mountain Partners, teilt diese Einschätzung: "Der Markt wartet ab, ob es zu Verzögerungen oder Anlaufschwierigkeiten kommt."
Bemerkenswert ist, dass Evans angibt, mehrere unabhängige Due-Diligence-Experten, darunter Vertreter des Energieministeriums, hätten die Abbaupläne geprüft und die technologische Umsetzbarkeit bestätigt.
Phase Zwei: Die Nachfrage steht Schlange
Über die erste Phase von Thacker Pass hinaus ist in der zweiten Phase geplant, innerhalb der kommenden zehn Jahre weitere 40.000 Tonnen Lithium zu extrahieren und zu verarbeiten. GM besitzt das Vorkaufsrecht für 38 % der Produktion dieser Phase und eine Option zum Erwerb der restlichen Menge.
Doch bei Weitem ist GM nicht der einzige Interessent. Evans berichtet, dass bereits mehrere Unternehmen ihr Interesse an der Versorgung in Phase zwei bekundet haben, ein Unternehmen habe sogar eine Vorauszahlung von 100 Millionen US-Dollar angeboten.
Berry erklärt: "In Washington gibt es viele Menschen, die Lithium Americas genau beobachten. Ich denke, die Liste potenzieller Kunden wird sehr lang sein."
Darüber hinaus zeigt eine Studie von Bloomberg New Energy Finance, dass kontinuierlich sinkende Batteriekosten dazu geführt haben, dass die Kosten für Batteriespeichersysteme in Stromnetzen und KI-Rechenzentren inzwischen niedriger liegen als bei Gasturbinen und aktuell ungefähr auf dem Niveau von günstigem Kohlekraftstrom liegen. Dieser Trend unterstreicht den strategischen Wert von Lithium zusätzlich.
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