Die Angst ist aus dem US-Aktienmarkt verschwunden, es bleibt nur noch FOMO! Wall-Street-Institutionen: Diese Szene erinnert sehr an 1998.
Die US-Technologieaktien befinden sich in einem historisch überkauften Zustand, die Angststimmung am Markt ist nahezu verschwunden und die einzige Sorge der Investoren hat sich von "Kursrückgängen" zu "den Einstieg verpassen" gewandelt. Technische Analysten an der Wall Street warnen, dass die aktuelle Entwicklung großen Ähnlichkeiten mit mehreren historischen Extremphasen aufweist – die beunruhigendste Parallele deutet dabei auf die über 20% tiefe Korrektur im Jahr 1998 hin.
Jonathan Krinsky, Chief Technical Strategist bei BTIG, weist darauf hin, dass der S&P 500-Technologiesektor in dieser Woche – sofern das aktuelle Niveau gehalten wird – den stärksten 10-Wochen-Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen 1990 verzeichnen wird, mit einem kumulierten Plus von 44,6%. Gleichzeitig fiel der tägliche VIX-Stimmungsindex in der vergangenen Nacht auf 13 und erreichte damit ein Jahrestief; die Absicherungsnachfrage gegen Abwärtsrisiken ist auf ein extrem niedriges Niveau gesunken.

Die Gefährlichkeit der aktuellen Signale liegt nicht nur im Ausmaß der Kursgewinne, sondern auch darin, dass sich eine strukturelle Divergenz leise abzeichnet – der Technologiesektor als Ganzes steigt weiter, doch die "Mag7"-Gruppe der sieben größten Tech-Aktien hat seit Mitte Mai insgesamt 2,3% verloren. Dies zeigt, dass der Aufwärtsimpuls schwindet. Auch das makroökonomische Umfeld dreht sich allmählich: US-Anleiherenditen steigen, Ölpreise klettern und der Zinsdruck in Japan entflammt erneut – die Börse ignoriert dies bislang.
Historische Extremsignale: Bisher nur zehn Mal, meist mit schlechtem Ausgang
Laut Krinskys Studie liegt der aktuelle RSI des S&P 500-Technologiesektor-Index (S5INFT) bei 82 und damit 28% über dem 200-Tage-Durchschnitt. Diese "überkaufte und stark abweichende" Kombination gab es seit 1990 in nur zehn unabhängigen Phasen.

Unter diesen zehn historischen Beispielen gab es einige mit positivem Ausgang – etwa im Mai 1995 und Juli 1997. Doch Krinsky betont, dass in der Mehrzahl der anderen Fälle in den folgenden 40 Handelstagen eine deutliche Seitwärtsbewegung oder eine Korrektur einsetzte.
Das letzte Mal, dass dieses Signal auftrat, war im Juni 2024, davor im August 2020 sowie weiter zurück im Dezember 1999 – letzteres war unmittelbar vor dem Platzen der Dotcom-Blase.
Netscape-Analogie: Historische Parallele zeigt auf Juli 1998
Am Markt gibt es viele Diskussionen, die die aktuelle AI-Hausse mit der Internetwelle der 1990er Jahre vergleichen. Üblich ist der Vergleich: Die Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 entspricht dem Launch des Netscape-Browsers im Dezember 1994.
Setzt man diese Zeitachse fort, so entspricht der aktuelle Zeitpunkt exakt Juli 1998. Krinsky stellt fest, dass Juli 1998 der Startpunkt seiner "überkauft und ausgedehnt"-Studie für die massivste Korrektur war – der S5INFT fiel danach um mehr als 20% und fand erst im Oktober 1998 seinen Boden.

Diese Parallele bietet dem aktuellen Markt einen konkreten Risikovergleich: Es handelt sich nicht sofort um das Platzen einer Blase, sondern um eine spürbare mittelfristige Korrektur nach einer extremen Überdehnung.
Mag7 hinkt hinterher, Breite des Anstiegs fraglich
Obwohl der Technologiesektor als Ganzes glänzend abschneidet, gibt es intern eine bemerkenswerte Divergenz. Seit Mitte Mai stieg der S5INFT um etwa 7%, während die Mag7 als Gruppe um 2,3% nachgab.

Das bedeutet, dass der jüngste Anstieg im Technologiesektor nicht von den bisherigen Kernaktien, sondern von einer breiteren Gruppe von Tech-Komponenten getragen wurde. Dieses "Staffelstab-Phänomen" kann kurzfristig als Ausweitung der Marktbreite interpretiert werden, doch vor dem Hintergrund historisch extremer technischer Indikatoren könnte die Schwäche der Führungsaktien auch ein frühes Signal für nachlassenden Schwung sein.
Makrohintergrund kippt, Markt ignoriert Signale
Gleichzeitig zieht das makroökonomische Umfeld, das den jüngsten Anstieg ermöglicht hat, schleichend an. US-Anleiherenditen steigen, Ölpreise bewegen sich nach oben und die geldpolitische Unsicherheit in Japan löst erneut globalen Zinsdruck aus.
Die Aktienmärkte zeigen sich aktuell immun gegen diese Signale, doch die Historie belegt: Höhere Zinsen führen am Ende fast immer zu einer substanziellen Belastung für die Bewertungen. Die gegenwärtige Marktstimmungsstruktur – VIX nahe Jahrestief, geringe Options-Skewness, anhaltender spekulativer Zustrom – bedeutet, dass Anleger massenhaft auf Absicherung verzichten und voll auf steigende Kurse setzen.
Wie Krinsky zusammenfasst: Am Markt gibt es keine echte Angst mehr – übrig bleibt nur die FOMO, die Angst, etwas zu verpassen.
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