BofA-Stratege: Optimistisch für einzelne US-Aktien, aber nicht für den Index
Quelle: Globaler Marktbericht
Savita Subramanian, Leiterin für US-Aktien und quantitative Strategien bei Bank of America, bekräftigte in einem Interview am 28. Mai erneut ihre seit Monaten andauernde vorsichtige Haltung. Sie erklärte, dass sie Einzelaktien positiv einschätzt, jedoch nicht die aktuellen Indizes.
Subramanian sagte: „Ich bin optimistisch bei Einzelaktien, sehe aber momentan nicht positiv auf die Indizes.“
Subramanians Bedenken resultieren nicht aus makroökonomischen Gründen, sondern aus strukturellen Veränderungen bei den Indizes selbst. Heute werden der S&P 500 Index von führenden Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz dominiert. Der Markt favorisiert diese Unternehmen aufgrund ihrer zukünftigen Wachstumsaussichten und nicht wegen ihrer aktuellen Gewinne. Sie erwartet, dass die Marktbewertungen im Jahr 2026 eine Korrektur erfahren und die Bewertungsprämien dieser Aktien entsprechend schrumpfen werden.
Die Konzentration auf einzelne Aktien im Markt ist besonders auffällig. Daten von First Trust zeigen, dass die sieben größten US-Techgiganten im dritten Quartal 2025 etwa 54 % des Anstiegs des S&P 500 Index beitragen. Das bedeutet, dass die Geschäftsentwicklung einiger Unternehmen in Kalifornien inzwischen nahezu die Rendite der Altersvorsorgekonten der gesamten US-Bevölkerung bestimmt.
Früher in diesem Jahr hat die Bank of America ihre negative Einschätzung detailliert dargelegt: Von den 20 Bewertungskennzahlen, die die Bank verfolgt, befinden sich 18 für den S&P 500 Index im überkauften Bereich.
Subramanian empfiehlt daher Investoren, überlaufene Sektoren zu meiden und sich auf Bereiche mit niedrigeren Bewertungen und stabilerem Verlauf zu konzentrieren. Sie rät insbesondere zu Engagements im Gesundheitswesen und in der Immobilienbranche und präferiert bei Konsumgütern Basiskonsumgüter statt zyklischer Konsumgüter.
Neben Bewertungsfragen gibt es noch eine weitere Sorge. Sie ist der Ansicht, dass eine vollständige Implementierung von KI-Technologien und deren erwartete Entwicklung zahlreiche Arbeitsplätze ersetzen könnte. Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen würde auch der private Konsum, der die Wirtschaft stützt, schwächer werden. Anleger stehen nun vor einer Entscheidung.
Investieren in Indizes birgt Risiken und betrifft US-Rentenfonds
Abseits der professionellen Analyse ist diese Einschätzung auch für Privatanleger relevant. Dutzende Millionen Amerikaner haben S&P 500-Indexfonds in ihre 401(k)-Rentenfonds aufgenommen, doch mittlerweile bedeutet das Halten dieses Indexfonds nicht mehr, dass man in den Gesamtmarkt investiert, sondern dass man passiv stark auf einige wenige KI-Schwergewichte setzt.
Ein Beispiel: Hält ein Anleger 100.000 US-Dollar in einem S&P 500-Indexfonds, sind davon über 30.000 Dollar auf einige wenige KI-Giganten konzentriert – diese Unternehmen haben ein extrem hohes Gewicht im Index. Kommt es bei diesen Schwergewichten zu Kursschwankungen, können die restlichen Indexmitglieder Verluste kaum ausgleichen.
Dies ist der Kernpunkt von Subramanians Sichtweise. Sie empfiehlt die gezielte Auswahl von Einzelaktien und rät zur Vorsicht bei Indizes; im Wesentlichen erinnert sie Investoren daran, ihr Risiko zu streuen: Viele haben ihre Investitionen unbewusst auf einige wenige Aktien konzentriert – stattdessen sollten sie sich marktmäßig rationaleren Sektoren zuwenden.
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