150 Milliarden Umsatz als "Wendepunkt" für KI-Geschäft! Morgan Stanley behält das "Overweight"-Rating für Broadcom (AVGO.US) bei und warnt, dass Erfolg oder Misserfolg allein von den unterschiedlichen Erwartungen abhängt.
Broadcom (AVGO.US) wird seinen Finanzbericht für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 am 2. September nach US-Börsenschluss (am Morgen des 3. September Pekinger Zeit) veröffentlichen.
German von Finanznachrichten weist darauf hin, dass Broadcom (AVGO.US) am 2. September nach Börsenschluss in den USA (am Morgen des 3. September in Beijing-Zeit) die Ergebnisse des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2026 veröffentlichen wird. Die Geschäftszahlen werden aller Wahrscheinlichkeit nach beeindruckend ausfallen. Morgan Stanley hat bereits klar gemacht, dass die eigentliche Frage ist, ob “beeindruckend” überhaupt genug ist.
Dies ist die Lage vor dem Eintritt ins dritte Quartal. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob Broadcom gute Ergebnisse vorlegen kann, sondern ob das Unternehmen die hohe Messlatte, die einige Investoren im Stillen gesetzt haben – die Prognose der AI-Einnahmen für das Geschäftsjahr 2027 auf über 150 Milliarden US-Dollar zu heben – überschreiten kann. Zum Vergleich: Morgan Stanley prognostiziert 120 Milliarden US-Dollar.
Das Risiko kurzfristiger Schwankungen liegt genau in der Differenz zwischen diesen beiden Zahlen. Merke: Die Erfahrungen im zweiten Quartal sind eine gute Warnung – wenn die Markterwartungen zu hoch sind, kann selbst ein starkes Ergebnis den Markt nicht zufriedenstellen.
Morgan Stanley hält an der “Overweight”-Bewertung von Broadcom fest. Das Titelthema des Berichts ist jedoch bemerkenswert: „Das Hauptrisiko vor der Veröffentlichung des Quartalsberichts liegt in den Markterwartungen, nicht in den Fundamentaldaten.“
Der Bericht zeigt, dass Morgan Stanley für das Quartal bis Juli sehr detaillierte Prognosen erstellt hat, die größtenteils den Konsenserwartungen der Wall Street entsprechen:
Umsatzprognose: 29,4 Milliarden US-Dollar; ein Anstieg von 84,3 % gegenüber dem Vorjahr und eine Steigerung von 32,5 % gegenüber dem Vorquartal.
Prognose der AI-Sondereinnahmen: 16 Milliarden US-Dollar (48 % Anstieg gegenüber dem Vorquartal), darunter 10,8 Milliarden US-Dollar aus dem Custom-ASIC-Bereich und 5,2 Milliarden US-Dollar aus dem AI-Netzwerkbereich.
Bruttomargenprognose: 74,0 %, leicht über dem allgemeinen Wall-Street-Konsens von 73,5 %.
Gewinn je Aktie: 3,24 US-Dollar, leicht über der Konsenserwartung von 3,22 US-Dollar.
Nach jedem historischen Maßstab ist dies ein bemerkenswertes Quartal. Morgan Stanley empfiehlt jedoch, dass Investoren noch etwas länger auf die folgenden Zahlen schauen sollten.
Broadcom erzielte bereits im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 AI-Chip-Einnahmen von 10,8 Milliarden US-Dollar; eine Steigerung von 143 % gegenüber dem Vorjahr. Laut dem Quartalsbericht von Broadcom und CEO Hock Tan lag die Prognose für das dritte Quartal damals bei: Die AI-Einnahmen werden „im Jahresvergleich um über 200 % steigen und 16 Milliarden US-Dollar erreichen“.
Daher sind 16 Milliarden US-Dollar AI-Einnahmen im dritten Quartal keine große Überraschung; das ist nur das von der Unternehmensleitung festgelegte Minimum.
Der Bericht stellt fest, dass Morgan Stanley für die Prognose des vierten Quartals bis Oktober einen Umsatz von 34,8 Milliarden US-Dollar (ein Anstieg von 93,4 % gegenüber dem Vorjahr) erwartet, wobei die AI-Einnahmen weiter um 32 % steigen sollen und 21,2 Milliarden US-Dollar erreichen.
Diese Zahl könnte tatsächlich eine positive Überraschung bringen, die über die Erwartungen hinausgeht.
Die Kontroverse um die Bewertung von Broadcom im Jahr 2027
Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt ist komplett unabhängig von den aktuellen Quartalszahlen.
Broadcom hatte für das Geschäftsjahr 2027 die AI-Einnahmen “weit über” 100 Milliarden US-Dollar angesetzt. Im letzten Quartal zeigte das Management zunehmendes Vertrauen und signalisierte, dass der Wachstumstrend “bis ins Jahr 2028 hinein” anhalten wird.
Laut Bericht prognostiziert Morgan Stanley für 2027 AI-Einnahmen von etwa 120 Milliarden US-Dollar. Einige Investoren sind jedoch schon bei 150 Milliarden US-Dollar oder sogar noch höher angelangt.
Die Differenz zwischen 120 Milliarden und 150 Milliarden US-Dollar ist nicht nur eine Debatte über Prognosemethoden, sondern spiegelt unterschiedliche Bewertungslogiken wider. Bei 120 Milliarden US-Dollar erscheint Broadcom angesichts der aktuellen Aktienkurse angemessen bewertet; bei 150 Milliarden US-Dollar wirkt die Aktie sehr günstig.
Wenn der am 2. September präsentierte Ausblick auf 120 Milliarden US-Dollar hinausläuft, werden Investoren, die auf 150 Milliarden US-Dollar gehofft haben, unabhängig von den Quartalszahlen enttäuscht sein.
Sogar Morgan Stanley erwähnt diese Dynamik im Bericht: „Das zugrunde liegende Geschäft kann weiterhin außergewöhnlich stark performen, wird aber möglicherweise nicht die eifrigsten Erwartungen übertreffen.“
Das ist eine freundlich formulierte Warnung an Investoren, sich der Abwärtsrisiken in dieser Marktsituation bewusst zu sein.
Der Wettbewerb unter TPU-Anbietern
Eine weitere offene Frage: Diversifiziert Google seine Lieferanten für kundenspezifische Chips, also strebt das Unternehmen aktuell eine breitere Streuung abseits von Broadcom an?
Mehrere kürzlich veröffentlichte Berichte legen nahe, dass MediaTek am Tensor Processing Unit (TPU)-Projekt beteiligt ist, AMD arbeitet am TPU v10 und Marvell Technology hat eine Optionsvereinbarung mit Google getroffen. Dies sind Anzeichen dafür, dass dieser Hyperscale-Cloud-Gigant sein Ökosystem erweitert.
Der Bericht besagt, dass Morgan Stanleys Position unverändert ist. Die Lieferanten- Diversifikation existiert tatsächlich, aber die Vorreiterrolle und bestehende Vorteile von Broadcom sind sehr stabil. Die Analysten erwarten, dass Broadcom langfristig etwa 80 % seiner TPU-Marktchancen behält, selbst wenn Google andere Optionen einführt.
Die Rahmenerkenntnis der Analysten: „Die Tatsache, dass mehrere Halbleiterfirmen das TPU-Geschäft anstreben, zeigt genau das enorme Potenzial dieses Marktes.“
Das ist eine sehr wichtige Perspektivänderung. Wenn mehrere führende Chip-Unternehmen um kundenspezifische Projekte für denselben Kunden konkurrieren, bedeutet das nicht, dass der Markt schrumpft – im Gegenteil: Der Markt ist so groß, dass jeder ein Stück vom Kuchen möchte.
Der Bericht zeigt: Im Ranking der KI-Computing-Aktien von Morgan Stanley liegt Broadcom (AVGO.US) auf Platz zwei, direkt hinter dem Favoriten Nvidia (NVDA.US).
Die Bedeutung des dritten Quartalsberichts geht über Broadcom hinaus und betrifft das gesamte Branchengeschehen
Ein weiterer Hintergrund ist erwähnenswert. Basierend auf FactSet-Daten bis zum 28. August 2026: Die Halbleiterbranche hat soeben eine Gewinnsteigerung von 142 % im zweiten Quartal verzeichnet. Tatsächlich ist dieser Sektor der größte Performance-Treiber für das Gewinnwachstum im gesamten IT-Sektor.
Würde man das Halbleitersegment aus den IT-Berechnungen herausnehmen, würde die Wachstumsrate der IT-Branche von 75,3 % auf 38,3 % einbrechen. Die dominante Rolle des Chipzyklus ist damit offensichtlich.
Broadcom steht dabei im Zentrum dieses Zyklus. Gemäß den Daten per August-Schlusskurs ist der Aktienkurs von Broadcom seit Jahresbeginn um 7,40 % gestiegen, während der S&P 500 im selben Zeitraum um 12,28 % zulegte.
Im letzten Jahr betrug die Rendite des Titels 25,44 %, in den letzten drei Jahren 316,02 %. Der Rückstand gegenüber dem Markt in diesem Jahr spiegelt die Verkaufswelle nach dem besser als erwarteten Quartalsbericht im zweiten Quartal wider. Dies illustriert perfekt das von Morgan Stanley erneut vor dem dritten Quartalsbericht angesprochene “Erwartungsrisiko”.
Das Geschäft ist hervorragend, die Messlatte aber auch sehr hoch. Beide Dinge können gleichzeitig zutreffen. Am 2. September werden Investoren erfahren, welche Seite sich durchgesetzt hat.
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