Was bedeutet der „Nischenmarkt“ für Gold?
Gold bleibt in US-Anlageportfolios weiterhin untergewichtet, reagiert jedoch äußerst sensibel auf zusätzliche Kapitalzuflüsse.
Verfasserin: Bu Shuqing, Wallstreetcn
Obwohl der Goldmarkt ein enormes Volumen aufweist, bleibt Gold innerhalb der Portfolios westlicher Investoren ein „Nischen-Asset“ – und genau diese Eigenschaft ist der Hauptgrund, warum der Goldpreis so stark auf Kapitalströme reagiert.
Eine Analyse von Goldman Sachs zeigt, dass Gold-ETF im Dezember vergangenen Jahres lediglich 0,17% der privaten US-Finanzportfolios ausmachten – weniger als der Höchststand von 2012. Goldman Sachs schätzt, dass ein Anstieg des Goldanteils in US-Portfolios um 0,01 Prozentpunkte den Goldpreis um etwa 1,4% anhebt. Das bedeutet: Selbst äußerst moderate Zuflüsse genügen, um den Goldpreis deutlich nach oben zu treiben.
Derzeit gehört Gold zu den stärksten Monatsanstiegen der Geschichte. Schätzungen von JPMorgan aus dem Mai 2025 bestätigen die starke Empfindlichkeit des Marktes: Sollten ausländische Investoren 0,5% ihrer US-Asset-Bestände in Gold umschichten – seinerzeit etwa 70 Milliarden US-Dollar pro Jahr –, würde dies den Goldpreis schon unter damaligen Marktbedingungen jährlich um rund 18% steigen lassen.
Trotz großem Volumen – begrenzte echte Liquidität
Nach Gesamtvolumen zählt Gold zu den größten Anlageklassen weltweit.
Schätzungen zufolge liegt der aktuelle Wert des weltweit vorhandenen Goldbestands bei über 30 Billionen US-Dollar, und das Handelsvolumen am Londoner Spotmarkt überschritt Anfang dieses Jahres in einer einzigen Woche 1 Billion US-Dollar. Das tägliche weltweite Handelsvolumen von Gold liegt locker über 300 Milliarden US-Dollar.
Doch dieses beeindruckende Handelsvolumen ist größtenteils eine Illusion.
Bloomberg berichtet, dass der Großteil dieses Volumens auf den Hochfrequenzhandel zwischen Banken, Market Makern, algorithmischen Fonds und Devisenhändlern zurückzuführen ist – und weniger auf neue Anlagegelder, die real um physisches Gold konkurrieren.
Diese strukturelle Besonderheit hat zur Folge, dass der Goldmarkt es kaum schafft, größere Kapitalschichten von Anleiheinvestoren zu absorbieren, ohne dass der Preis stark anzieht. Für Investoren, die angesichts der US-Schuldenprobleme nach Sicherheiten suchen, wird die „Kapazitätsbremse“ des Goldmarkts sogar zum intrinsischen Antrieb für steigende Preise.
Das „Entwertungs-Trade“ gewinnt weiter an Bedeutung
Das Hauptargument für den aktuellen Anstieg des Goldpreises ist die anhaltende Fokussierung des Marktes auf US-amerikanische Langfristfinanzierungskosten. Das sogenannte „Entwertungs-Trade“ bezeichnet die Wette von Investoren darauf, dass Notenbanken und Politik die Schuldenlast durch niedrige Zinsen und das Schwächen der Dollar-Kaufkraft lindern – und dafür Gold zur Absicherung kaufen.
Laut Bloomberg dürfte dieses Anlagemotiv weiter an Stärke gewinnen, sollte die Eindämmung hoher US-Langfristzinsen forciert werden.
Diesen Freitag hält Fed-Präsident Walsh eine Rede in Jackson Hole, Wyoming. Die Märkte werden seine Äußerungen genau verfolgen. Signalisiert Walsh, dass sich der Fiskaldruck zunehmend auf die Geldpolitik überträgt, würde das die Attraktivität von Gold weiter steigern und dem „Entwertungs-Trade“ neue Impulse geben.
Ob es anhält, hängt von der Aufmerksamkeit der Investoren ab
Ob Gold seinen aktuellen Aufwärtstrend beibehalten kann, hängt maßgeblich davon ab, ob Investoren dem US-Schuldenproblem weiterhin Vorrang einräumen – oder sich stattdessen Themen wie dem Iran-Konflikt oder dem neuen Hype rund um Künstliche Intelligenz zuwenden.
Strukturell bleibt Gold in Portfolios westlicher Investoren unterrepräsentiert – vor allem angesichts der jahrelangen Hausse am US-Aktienmarkt leidet die relative Attraktivität von Gold seit langem. Dieser Niedrigstanteil ist nicht nur die Ursache für die hohe Preissensitivität gegenüber zusätzlichem Kapital, sondern bedeutet auch, dass im Falle eines Stimmungsumschwungs das potenzielle Aufwärtspotenzial weiterhin beträchtlich ist.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Salesforce steigt um 23% und löst eine SaaS-Rallye aus, die Wall Street setzt erneut auf traditionelle Software.
Salesforce meldete Quartalsergebnisse, die besser als erwartet ausfielen. Die Aktie stieg an einem Tag um 23 %, was eine kollektive Erholung der SaaS-Branche auslöste. Auch Software- und Cybersicherheitsaktien wie ServiceNow, CrowdStrike und Okta legten deutlich zu. Analysten sind der Ansicht, dass die bisherigen Bedenken des Marktes hinsichtlich einer möglichen Disruption traditioneller Software durch AI übertrieben waren und die Widerstandsfähigkeit der Branche die Erwartungen übertrifft.
CEO von Hynix: Speicherknappheit wird voraussichtlich bis Ende 2030 andauern, danach besteht keine Sorge bezüglich der Nachfrage.
Der CEO von SK Hynix, Kwak Noh-Jung, hat die bisher entschiedenste bullische Einschätzung für die Halbleiterindustrie abgegeben: Der Mangel an Speicherchips wird bis Ende 2030 anhalten, und selbst wenn es dann zu einem Abschwung kommt, wird der Einfluss deutlich geringer ausfallen als in der Vergangenheit. Diese Prognose begründet er mit einem strukturellen Wandel, der durch KI angetrieben wird: Die Nachfrage verlagert sich immer schneller von standardisierten hin zu maßgeschneiderten Produkten, wodurch die zyklischen Muster von Angebot und Nachfrage grundlegend verändert werden könnten.
Der Goldpreis an der New Yorker Börse ist am 27. gestiegen.

