Ethereum-Entwickler haben mit EIP-8184, genannt LUCID, einen Vorschlag veröffentlicht, der Transaktionen vor Front-Running und anderen MEV-Angriffen schützen soll. Der am 4. März 2026 eingereichte Entwurf stammt von den Autoren Anders Elowsson, Justin Florentine und Julian Ma und trägt aktuell den Status „Draft Standards Track: Core“.
Konkret geht es um ein grundlegendes Problem: Wer eine Transaktion in den öffentlichen Mempool von Ethereum sendet, macht ihren Inhalt für andere sichtbar, bevor sie ausgeführt wird. Dieses Zeitfenster können Akteure nutzen, um Trades vorwegzunehmen, mit Sandwich-Angriffen einzurahmen oder profitable Strategien zu kopieren.
Wie LUCID verschlüsselte Transaktionen absichern soll
Der Kern von LUCID ist ein Prinzip namens Commit-before-Reveal. Nutzer senden statt einer lesbaren Transaktion eine sogenannte Sealed Transaction. Sie besteht aus einem signierten ST-Ticket und einem verschlüsselten Ciphertext-Envelope.
Builder verpflichten sich laut EIP-Text zur Aufnahme dieser verschlüsselten Transaktion, bevor sie deren Inhalt kennen. Erst nachdem die Planungsentscheidung feststeht, werden die für die Entschlüsselung benötigten Schlüssel veröffentlicht, sodass die Transaktion ausgeführt werden kann. Das soll die vor der Ausführung verfügbaren Informationen verringern und probabilistisches Front-Running begrenzen.
Wichtig ist dabei: LUCID schreibt kein bestimmtes Verschlüsselungsverfahren fest. Laut dem EIP-Dokument gibt es derzeit keine bekannte kryptografische Konstruktion, die alle Anforderungen von Ethereum gleichzeitig erfüllt, darunter kleine öffentliche Schlüssel, kein Trusted Setup, nicht-interaktive Entschlüsselung, praktikable Ciphertext-Größen, CCA2-Sicherheit und einen glaubwürdigen Weg zu Quantensicherheit. Das Feld für Header-Metadaten bleibt daher offen, damit unterschiedliche Entschlüsselungsschemata integriert werden können.
Warum private Order-Flow-Dienste zum Problem wurden
Die Motivation hinter LUCID beschreibt der EIP-Text deutlich: Der öffentliche Mempool sei für einen großen Teil wirtschaftlich relevanter Transaktionen praktisch unbrauchbar geworden. Als Reaktion darauf leiten Nutzer, Wallets, Sucher und Anwendungen Transaktionen zunehmend über private Relays, Builder-Mempools und Order-Flow-Auktionen. Diese Konstruktionen können Transaktionsinhalte bis zur Aufnahme schützen, ersetzen aber einen öffentlichen und erlaubnisfreien Weg zur Aufnahme durch vertrauensbasierte Beziehungen.
LUCID baut auf EIP-7805 (FOCIL) auf. Der Entwurf argumentiert, dass offene Weitergabe allein keinen Schutz vor MEV-Extraktion bietet, wenn der Inhalt einer Transaktion vorab sichtbar bleibt. Ein öffentlicher verschlüsselter Mempool soll diese Lücke schließen und die praktische Zensurresistenz von Inclusion Lists erweitern.
Was Anleger jetzt einordnen sollten
Für DeFi-Trader, die regelmäßig auf dezentralen Börsen handeln, wäre ein funktionierender verschlüsselter Mempool langfristig relevant. Wenn weniger Informationen vor der Ausführung offengelegt werden, könnten Sandwich-Angriffe und andere Formen des Front-Running begrenzt werden.
LUCID befindet sich jedoch ausdrücklich noch im Entwurfsstadium. Der Vorschlag beschreibt Erweiterungen der Ausführungs- und Konsensabläufe von Ethereum, einschließlich Änderungen an Schnittstellen für die Engine API und die Beacon Chain RPC API. Ein konkreter Aktivierungstermin ist im vorliegenden EIP-Entwurf nicht genannt.
Zuletzt aktualisiert am 19. August 2026




