Apple gibt Zugeständnisse an EU-Regulierungsbehörden: Wegfall der Gebühr für Kerntechnologien, umfassende Senkung der Provisionen im europäischen App Store
Apple hat eine umfassende Anpassung der Geschäftsregeln für den europäischen App Store angekündigt, um den langanhaltenden wettbewerbsrechtlichen Streit mit der EU beizulegen. Die bisherige „Core Technology Fee“ pro Installation wird abgeschafft und stattdessen eine 5%ige Provision auf digitale Transaktionen innerhalb von Apps außerhalb der Plattform erhoben. Die Provision für In-App-Käufe wird von 30% auf 26% gesenkt, außerdem dürfen Entwickler Drittanbieter-Zahlungssysteme integrieren.
Apple hat den Regulierungsbehörden der EU ein bedeutendes Zugeständnis gemacht und sich bereit erklärt, seine kommerziellen Bedingungen für den europäischen App Store umfassend anzupassen, darunter die Senkung der Provisionssätze und die Abschaffung umstrittener Gebührenmechanismen. Damit soll der langjährige Wettbewerbskonflikt mit der EU entschärft werden.
Apple kündigte am Dienstag an, dass die bislang für EU-Entwickler fällige „Core Technology Fee“ (Kerntechnologiegebühr), die das Umgehen des App Stores sanktionierte, abgeschafft wird. Stattdessen wird künftig für digitale Transaktionen außerhalb der Plattform eine neue Provision von 5 % erhoben. Die neue Regelung tritt am 1. Oktober in Kraft.
Apple erklärte in seinem Statement, dass diese Anpassungen „die Differenzen mit der Europäischen Kommission hinsichtlich kommerzieller Bedingungen und alternativen Vertriebswegen beigelegt“ haben.
Ein Sprecher der Europäischen Kommission begrüßte Apples Initiative zur Überarbeitung der Geschäftsbedingungen und bezeichnete dies als Ergebnis des „engen Dialogs“ zwischen beiden Parteien. Gleichzeitig betonte die Kommission, dass sie die Umsetzung der neuen Regelungen weiterhin überwachen werde.
Das Abkommen bedeutet für Apple eine substanzielle politische Niederlage – noch Anfang dieses Jahres verhängte die EU wegen Verstößen gegen das Digital Markets Act eine Geldstrafe von 500 Millionen Euro (ca. 579 Millionen USD) gegen das Unternehmen.
Abschaffung der „Core Technology Fee“, Neudefinition der Regeln für externe Distribution
Zentraler Bestandteil der Reform ist, dass Apple das bei Entwicklern stark umstrittene System der „Core Technology Fee“ vollständig aufgibt.
Diese Gebühr wurde nach der Anzahl der App-Installationen berechnet und gegenüber EU-Entwicklern erhoben, die ihre Apps außerhalb des App Stores vertreiben wollten. Kritiker sahen darin eine von Apple künstlich geschaffene Hürde, um die Attraktivität alternativer Vertriebswege zu schmälern.
Mit dem neuen Mechanismus wird Apple stattdessen 5 % Provision auf digitale In-App-Transaktionen außerhalb der Plattform erheben.
Apple verspricht zudem, den Kreis qualifizierter europäischer Unternehmen zu erweitern, sodass diese ihre iPhone-Apps außerhalb des App Stores vertreiben und kommerzialisieren können. Entwickler dürfen künftig neben Apples eigenen Zahlungsmitteln auch alternative Bezahloptionen anbieten.
Synchronisierte Senkung der In-App-Kauf-Provisionen, zusätzliche Vorteile für Abonnements
Auch bei Transaktionen innerhalb der Plattform kommt Apple den Entwicklern entgegen.
Laut der neuen Regelung sinkt die Provision für In-App-Käufe im europäischen Raum von den Standard-30 % auf 26 %; Entwickler, die an Apples verschiedenen Partnerprogrammen teilnehmen oder automatische Verlängerungsabonnements anbieten, zahlen nur 15 %.
Die Anpassungen gelten für alle Entwickler, die Apps innerhalb der EU vertreiben. Apple betont, dass dies hilft, die „Komplexität zu reduzieren“ und alle Beteiligten in ein einheitliches kommerzielles Regelwerk zu integrieren.
Fortdauernder DMA-Druck, regulatorisches Ringen bleibt bestehen
Das Abkommen stellt einen wichtigen Meilenstein im Streit zwischen Apple und der Europäischen Kommission um das Digital Markets Act (DMA) dar. Diese Vorschrift ist seit über zwei Jahren in Kraft und verpflichtet Technologiekonzerne wie Apple, ihre Ökosysteme für Dritte zu öffnen.
Im Jahr 2025 verhängte die Kommission eine Geldstrafe von 500 Millionen Euro gegen Apple, weil das Unternehmen Entwicklern keine externen Kauf-Links innerhalb des App Stores erlaubte. Apple scheiterte im Juli mit dem Versuch, diese Strafe vor Gericht anzufechten.
Die aktuelle Untersuchung der Kommission betrifft ein separates Verfahren, das 2024 eingeleitet wurde und überprüft, ob Apples Änderungen zur Erfüllung der DMA-Vorgaben tatsächlich konform sind.
Seit Jahren werfen App-Entwickler Apple und Google vor, mit hohen Gebühren und geschlossenen Zahlungssystemen die Vertriebskanäle für Smartphone-Apps zu monopolisieren. Apple verteidigt das bestehende System aus finanziellen Interessen – der App Store ist im Vergleich zum externen Vertrieb deutlich profitabler.
Strukturen alternativer App-Stores in der EU nehmen Gestalt an
Der regulatorische Druck der EU hat für eine gewisse Öffnung des Apple-Ökosystems gesorgt.
Im Rahmen des Digital Markets Act ist Apple verpflichtet, Drittanbieter-App-Stores auf EU-Geräten zuzulassen. Inzwischen haben mehrere unabhängige Plattformen den Markt betreten – darunter ein von Epic Games unterstützter App Store, der sich auf die Popularität des Spiels „Fortnite“ stützt.
Apple kündigte zudem an, neue Kinderschutzmaßnahmen einzuführen: Für Nutzer unter 18 Jahren muss vor der Nutzung alternativer Zahlungswege oder Web-Kauf-Links die Zustimmung der Eltern eingeholt werden.
Die Europäische Kommission will die Umsetzung der neuen Geschäftsbedingungen genau beobachten, was eine fortdauernde Kontrolle durch die Regulierungsbehörden bedeutet.
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