Meta (META.US) und BlackRock (BLK.US): 14-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum in einer „Versicherungsfalle“ – nur 3,2 % abgedeckt, Kreditgeber könnten Risiken in Milliardenhöhe tragen
Berichten zufolge sind das von Meta und BlackRock mit 14 Milliarden US-Dollar in Texas errichtete Rechenzentrum versicherungsgefährdet.
German Finanzen APP stellt fest, dass bei dem größten globalen KI-Datenzentrum-Projekt – dem 1-Gigawatt-Leistungspark El Paso, gemeinsam von Meta (META.US) und BlackRock (BLK.US) mit Entwicklungskosten von 14 Milliarden US-Dollar und einer Anleihefinanzierung von 12,55 Milliarden US-Dollar – ein strukturelles Defizit, das durch die hohe Rendite verdeckt wird, langsam ans Licht kommt. Berichten zufolge hat diese rund 1000 Acres große Mega-Anlage lediglich eine Versicherungsobergrenze von 427 Millionen US-Dollar während der Bauphase und 450 Millionen US-Dollar während des Betriebs. Das bedeutet: Bei einem katastrophalen Ereignis müssten offene Milliardensummen direkt von den Kreditgebern getragen werden.
14 Milliarden US-Dollar Projekt, nur 450 Millionen US-Dollar versichert: Versicherungsdeckung von weniger als 3,2 %
Das Sopaipilla Data Center in El Paso, Texas, hält durch einen BlackRock-Fonds einen Anteil von 80 %; Meta hält die restlichen 20 %. Meta brachte etwa 2,3 Milliarden US-Dollar an Grundstücks- und Bauvermögen ein, BlackRock investierte 4,9 Milliarden US-Dollar in bar, der Rest – 12,55 Milliarden US-Dollar – wird durch Anleihen über die spezielle Zweckgesellschaft Sopaipilla Investor LLC finanziert. Meta ist der einzige Mieter und übernimmt eine 20-jährige Mietverpflichtung.
Doch die Versicherungsausstattung dieses Großprojekts steht in keinem Verhältnis zu seiner Größe. Laut Insiderberichten wurde im Auftrag von Marsh, einer Versicherungsmaklerfirma, lediglich folgende Versicherung abgeschlossen:
Umfassende Sachversicherung während der Bauphase: Obergrenze von 427 Millionen US-Dollar, jährliche Prämie ca. 5 Millionen US-Dollar;
Umfassende Sachversicherung während des Betriebs: Obergrenze von 450 Millionen US-Dollar, jährlicher Anstieg um 2 %;
Versicherung zur Mietminderung (Bauverzögerungen): 218 Millionen US-Dollar;
Terrorversicherung: 645 Millionen US-Dollar;
Gewerbliche Gesamthaftpflicht: Einzel- und kumulierte Schadensbegrenzung jeweils 50 Millionen US-Dollar, jährliche Prämie ca. 1 Million US-Dollar.
Setzt man die 450 Millionen US-Dollar Versicherungsobergrenze nach Betriebsbeginn ins Verhältnis zu den Gesamtprojektkosten von 14 Milliarden US-Dollar, ergibt sich eine Deckungsrate von weniger als 3,2 %. Jeder Schaden, der über diese Obergrenze hinausgeht, muss vom Projekt selbst getragen werden und schlägt letztlich auf die Kreditgeber durch.
13 Milliarden US-Dollar „Restwertgarantie“ als Versicherungsersatz: Meta’s Bonität als einziger Schutzwall
Angesichts der Begrenzungen des Versicherungsmarktes wurde die Transaktionsstruktur unkonventionell angelegt. Meta stellt eine Restwertgarantie über insgesamt ca. 13 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, die sich innerhalb der ersten 16 Jahre des Mietvertrags schrittweise verringert. Dieses System verlangt im Kern: Wenn der Wert der Projektvermögen unter einen bestimmten Schwellenwert fällt, muss Meta die Differenz aus eigenen Mitteln ausgleichen.
Standard & Poor’s bewertet die Sopaipilla-Anleihe mit A+, nur eine Stufe niedriger als Meta’s AA-. Die Analystin Viviane Gosselin von S&P merkt an, dass Meta für jeden Betrag innerhalb der Versicherungslücke bis maximal 450 Millionen US-Dollar aufkommen muss. Die Rating-Agentur warnt jedoch zugleich: Die Bond-Inhaber haben keinen direkten Anspruch auf das physische Projektvermögen, und falls durch eine schwere Katastrophe eine Verzögerung von über 18 Monaten entsteht, darf Meta den Mietvertrag ohne Strafzahlung kündigen.
Moody’s Analysten legen offen, was das KI-Data-Center-Risiko betrifft: „Der schnelle Fortschritt bei KI, Halbleitertechnologie und Kühlsystemen könnte dazu führen, dass die Vermögenswerte veralten, bevor sie vollständig monetarisiert werden.“
Der „Superzyklus“ im Versicherungsmarkt: Billionenprojekte stoßen an Limits der Versicherungskapazität
Das Versicherungsproblem des El Paso-Projekts ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem der gesamten Branche. Branchenkommentatoren bezeichnen die aktuelle Phase als „Superzyklus der Data Center Versicherungen“. Es wird prognostiziert, dass die weltweiten Investitionen in Datenzentren bis zu 3 Billionen US-Dollar über die nächsten fünf Jahre erreichen. Allein 2025 werden die sechs größten US-Data-Center-Betreiber (inklusive Meta) nahezu 400 Milliarden US-Dollar ausgeben.
Gleichzeitig explodeirt das Volumen einzelner Projekte. Branchenbeobachter betonen, dass die Versicherungskapazität für Parks im Wert von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar oder mehr, von „nahezu unmöglich“ im Jahr 2023 zu „wöchentlichem Routinethema“ im Jahr 2026 geworden ist. Aber, die Versicherungsunternehmen können mit dem Wachstum nicht Schritt halten – das Risiko eines Einzelstandorts mit Werten in Milliardenhöhe übersteigt die traditionellen Grundlagen der Versicherungsbewertung und -kapazität.
Zur Schließung der Lücke hat Marsh die Nimbus-Produkte eingeführt, mit einer maximalen Kapazität von 2,7 Milliarden US-Dollar; Aon hat seine Datenzentrumspolicen auf 2,5 Milliarden US-Dollar erweitert. Selbst diese maßgeschneiderten Lösungen liegen jedoch weit hinter dem Volumen des El Paso-Projekts von 14 Milliarden US-Dollar.
Risiko texanischer Stromnetze: Die „versteckte Bombe“ des ERCOT-Insel-Effekts
Die geographische Lage von El Paso vergrößert das Versicherungsproblem noch einmal. Texas’ ERCOT-Stromnetz ist nahezu vollständig vom Rest der USA isoliert, was die Stromimportmöglichkeiten im Notfall einschränkt. Der Wintersturm Uri 2021 zeigte, wie zerstörerisch der Island-Effekt sein kann – tagelange Stromausfälle, Kettenreaktionen und wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.
Für ein Rechenzentrum mit einem Stromverbrauch von 1 Gigawatt bedeutet mehrtägiger Blackout nicht bloß Unannehmlichkeit, sondern eine katastrophale Geschäftsstörung. Versicherungen gegen nicht-physische Schäden durch Netzfehler zählen zu den schwierigsten Bereichen – weil die Schäden nicht als Sachwerte mit klarem Betrag zu beziffern sind.
Die „Bonitätsfalle“ der Kreditgeber: Hohe Renditen, hohes Risiko
Im Juli wurde die 12,55 Milliarden US-Dollar Anleihe von Sopaipilla Investor LLC mit einer Rendite von 7,534 % ausgegeben, fast auf Junk-Bond-Niveau. Trotz der A+/AA- Bewertungen von S&P und Fitch lag das Ordervolumen nur bei etwa 17 Milliarden US-Dollar, deutlich weniger als bei üblichen Mega-Data-Center-Projekten.
Diese verhältnismäßig kühle Marktreaktion zeigt die vorsichtige Risikobewertung der Investoren. Beim „Off-Balance-Sheet Finanzierung“-Modell hängt der Anspruch der Kreditgeber faktisch von Meta’s Bonität und der Restwertgarantie ab, nicht von den physischen Vermögenswerten des Projekts. Tritt ein katastrophales Ereignis ein, das die Versicherungslimits übersteigt, stehen Kreditgeber vor möglichen Milliardenschäden.
Besonders bedenklich: Marsh war als Versicherungsmakler sowohl für Meta als auch für BlackRock tätig. Rechtliche Berater warnen: Wenn der Makler gleichzeitig für mehrere Parteien im Deal die Risikostruktur entwirft und die Versicherungen verkauft, kann ein Interessenkonflikt entstehen.
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