Je mehr man verdient, desto mehr verliert man! Im Rausch der KI-Rechenleistung – wie groß ist der "Schuldenberg", der sich hinter CoreWeave (CRWV.US) verbirgt?
Die Investoren von CoreWeave (CRWV.US) feiern den explosionsartigen Anstieg der Nachfrage nach Rechenleistung, übersehen dabei jedoch möglicherweise die auf der Bilanz lauernden „versteckten Risiken“, die das Überleben des Unternehmens gefährden könnten.
Das APP von Smart Finance erfuhr, dass Michael Levitt, Kolumnist im Bereich Credit Strategist, davor warnt, dass Investoren des aufstrebenden Cloud-Anbieters CoreWeave (CRWV.US) zwar über den explosionsartigen Anstieg der Nachfrage nach Rechenleistung begeistert sind, dabei jedoch mögliche, existenzbedrohende „tickende Zeitbomben“ in der Bilanz übersehen.
Verdoppelter Umsatz birgt Risiken: Je mehr verdient wird, desto größer die Verluste
CoreWeave präsentierte zuletzt einen überraschend starken Quartalsbericht für das zweite Quartal. Die Daten zeigen: Der Q2-Umsatz stieg im Jahresvergleich um 112% auf 2,58 Milliarden US-Dollar, der Umfang der Auftragsbestände überschritt die Marke von 100 Milliarden US-Dollar, und aufgrund der Quartalszahlen sprang der Aktienkurs um 20%, womit sich das Wachstum im laufenden Jahr auf 47% erhöhte. Der Markt konzentriert sich deutlich mehr auf die stetig wachsenden Auftragsbestände und die optimistischen Prognosen des Managements zur Nachfrageentwicklung.
Allerdings übersieht der Markt auch die ebenfalls verdoppelten Nettoverluste – im Q2 stiegen die Verluste von 290 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal auf 626 Millionen US-Dollar. Levitt ist der Ansicht, dass das rasante Wachstum des Unternehmens die hochgradig verschuldeten Finanzstrukturen verdeckt, die zunehmend auf externes Kapital angewiesen sind.
Levitt schrieb in seinem Artikel vom 13. August: „Diese Zahlen zeigen ein erstaunlich hoch verschuldetes Unternehmen, das ein Wunder benötigt, um seine Situation zu wenden und zu überleben.“
Schuldenlast überwältigend
Laut öffentlichen Finanzdaten von CoreWeave beträgt das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital über 800% (einschließlich langfristiger Schulden und Betriebsmietverträge), das offene Betriebskapital liegt bei über 10 Milliarden US-Dollar, während die Zinszahlungen pro Quartal etwa 640 Millionen US-Dollar ausmachen. Der Abschnitt über Risikofaktoren in den Quartalsberichten ist ganze 50 Seiten lang, was die Vielzahl an betrieblichen Problemen verdeutlicht.
CoreWeave steht vor enormen Tilgungsanforderungen: Bis 2030 müssen 20,6 Milliarden US-Dollar Schulden zurückgezahlt werden, darunter bleiben 4,4 Milliarden US-Dollar für den Rest von 2026, 6,2 Milliarden US-Dollar in 2027, 4,4 Milliarden US-Dollar in 2028, 2,4 Milliarden US-Dollar in 2029 und 3,2 Milliarden US-Dollar in 2030.
Noch alarmierender ist, dass CoreWeave in diesem Zeitraum mindestens 10 Milliarden US-Dollar an Betriebsmietverpflichtungen hat. Die jährlichen Zinszahlungen des Unternehmens überschreiten bereits 2,5 Milliarden US-Dollar – und das, bevor die im August abgeschlossene frische Finanzierung von 2,6 Milliarden US-Dollar und die Entnahme von 1,2 Milliarden US-Dollar aus den revolvierenden Kreditlinien berücksichtigt wurden.
Levitt schätzt, dass CoreWeave jährlich mindestens 10 Milliarden US-Dollar erwirtschaften oder beschaffen muss, um seine Finanzierungspflichten zu erfüllen – ohne Berücksichtigung der laufenden Betriebskosten und erheblichen Investitionen.
Finanzierungskosten explodieren – Ratings unter Kritik
Der Zinssatz für die zuletzt aufgenommenen 2,6 Milliarden US-Dollar liegt bei etwa 9,875%, was ein deutlich gestiegenes Kapitalniveau signalisiert. Levitt warnt, dass die Finanzierungskosten künftig bis auf 10% oder mehr steigen könnten, wenn CoreWeave im Wettstreit mit wesentlich größeren und besser bewerteten Tech-Giganten steht.
Levitt kritisiert außerdem, dass Ratings-Agenturen CoreWeave zu großzügig einstufen und dessen finanzielle Risiken unterschätzen. Standard & Poor's vergibt aktuell ein B+, Moody’s Ba3 und Fitch ein BB-, einzelne durch spezifische Assets und Kunden abgesicherte Transaktionen erreichen sogar bessere Ratings.
Levitt meint, dass, solange CoreWeave nicht beweist, profitabel zu sein und seine Schuldenlast zu reduzieren, ein angemessenes Rating zwischen B- und CCC+ liegen sollte. Er schreibt: „Dieses Unternehmen ist weit von einem Rating wie B+/Ba3/BB- entfernt. Sein Börsenwert könnte über Nacht komplett verschwinden.“
Levitt betont, dass Investoren den Fokus zu sehr auf die Gewinn- und Verlustrechnung und das Umsatzwachstum von CoreWeave legen, statt sich mit der Bilanz, dem Cashflow und den Anhängen zu den Finanzberichten zu beschäftigen. Diese Informationen zeigen Risiken auf, die von den rasanten Umsätzen verdeckt werden.
Der Anleihemarkt hat bereits Ernst gemacht: Der Spread von CoreWeaves Credit Default Swap (CDS) erreichte im Juli kurzfristig 855 Basispunkte, was eine implizierte Fünfjahresausfallwahrscheinlichkeit von 50% bedeutet.
Eigenkapitalfinanzierung könnte Ausweg bieten
Levitt schlägt vor, dass CoreWeave seinen hohen Aktienkurs nutzen und so viele Aktien wie möglich ausgeben sollte. Zwar würde dies die Anteile der bestehenden Investoren verwässern, jedoch könnte das Unternehmen so Schulden tilgen und seine Abhängigkeit von teuren Krediten verringern.
Er beschreibt CoreWeave als ein Produkt der Finanzierung im Hype um Investitionen in AI-Infrastruktur. Trotz Unterstützung von Nvidia und der Investmentfirma Magnetar setzt das Unternehmen primär auf Schuldenfinanzierung statt Eigenkapitalfinanzierung bei der Expansion. Das macht CoreWeave deutlich angreifbarer als Tech-Giganten, die ihre Datacenter mit eigenem Cashflow finanzieren und zu viel günstigerem Zinssatz Kredit aufnehmen können.
Levitt warnt: Sollte die Investitionswelle in AI-Infrastruktur abflachen oder die Branche mehr Rechenkapazität als echte Kundennachfrage schaffen, steigen die Risiken weiter. In so einem Szenario müsste CoreWeave für teure Datacenter und Finanzierungsverpflichtungen aufkommen und gleichzeitig gegen Unternehmen mit viel robusteren Bilanzen konkurrieren.
Er sagt: „Das letzte, was ein Unternehmen erleben will, ist der Spieler mit der höchsten Hebelwirkung in einer übermäßig expandierten Branche zu sein – genau das ist aktuell die Situation von CoreWeave.“
Wall-Street-Analysten bleiben vorsichtig optimistisch
Während Levitt klar warnt, bleibt auch Morgan Stanley, eine Investmentbank an der Wall Street, bei CoreWeave vorsichtig.
Morgan Stanley behält sein „Equal Weight“-Rating und das Kursziel von 99 US-Dollar bei, sieht starke Nachfrage nach GenAI-Datacentern, bemängelt aber hohe Schulden und Kundenkonzentration als zentrale Bewertungshindernisse. Die Bank erwartet, dass CoreWeaves Free Cashflow bis 2028 negativ bleibt und die Schulden bis Ende 2026 auf etwa 38 Milliarden US-Dollar ansteigen.
Insgesamt bewerten Wall-Street-Analysten CoreWeave mit „Moderatem Kauf“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 136,48 US-Dollar und damit 30% über dem letzten Schlusskurs.

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