Die Zinserhöhungserwartungen der Fed kühlen ab, der Dollar fällt drei Mal in Folge auf das niedrigste Niveau seit Mai und der Währungsindex der Schwellenländer steigt auf ein Allzeithoch.
Da Händler ihre Erwartungen an eine Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank verringern, setzt der Dollar seinen Abwärtstrend fort und Währungen aus Schwellenländern erreichen neue Rekordhöhen.
GermanFinance APP hat erfahren, dass eine Reihe von schwachen US-Wirtschaftsdaten die Erwartungen auf eine Zinserhöhung der Fed im September vollständig zunichte gemacht hat und das globale Kapital nun mit der schnellsten Geschwindigkeit der letzten Monate neu bewertet wird. Am 17. August fiel der Bloomberg Dollar Spot Index den dritten Handelstag in Folge und erreichte den tiefsten Stand seit dem 15. Mai. Gleichzeitig stieg der MSCI Emerging Markets Currency Index im Tagesverlauf um 0,2% auf 1906,98 und erreichte damit ein Allzeithoch; auch der Emerging Markets Stock Index stieg synchron um 0,6%, was auf eine deutliche Rückkehr der Risikobereitschaft hindeutet.

Drei aufeinanderfolgende Daten: Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September fällt von 75% auf 30%
Die anhaltende Schwäche des US-Dollar ist kein Zufall. Innerhalb von nur zwei Wochen erschütterten drei Gruppen von wichtigen Wirtschaftsdaten das Vertrauen des Marktes in weitere Zinserhöhungen durch die Fed.
Erster Schlag: Unerwarteter Rückgang der Nicht-Farm-Beschäftigung im Juli. Die am 7. August veröffentlichten Daten zeigen, dass die US-Nicht-Farm-Beschäftigung im Juli um 23.000 zurückging, während der Markt einen Anstieg von 80.000 erwartet hatte. Die Daten für Mai und Juni wurden stark nach unten korrigiert, insgesamt um 103.000. Der US-Arbeitsmarkt zeigt deutliche Anzeichen einer Abkühlung.
Zweiter Schlag: CPI und PPI kühlen gleichzeitig ab. Die CPI- und PPI-Daten für Juli zeigen Schwäche. Die Inflationsdaten gehen wieder zurück und schwächen die Dringlichkeit einer Zinserhöhung der Fed weiter.
Dritter Schlag: Überraschend schwacher Einzelhandel beendet neunmonatiges Wachstum. Die am 14. August veröffentlichten US-Einzelhandelsdaten für Juli fielen im Monatsvergleich um 0,6%, weit unter der Markterwartung eines Anstiegs von 0,1% und beendeten damit die neunmonatige Wachstumsserie. Auch die für das BIP relevante Einzelhandels-Kontrollgruppe verzeichnete einen Rückgang um 0,4%. Der Verbraucherindex hat sich aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten verschlechtert.
Die kombinierten Effekte dieser drei Datengruppen zeigen sofort Wirkung. Laut CME FedWatch Tool ist die implizite Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im September von etwa 75% Ende Juli auf 30% gefallen. Der US-Swaps-Markt preist derzeit nur eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte für Januar nächsten Jahres vollständig ein, was einen deutlichen Gegensatz zur Situation vor einer Woche darstellt, in der der Markt erwartet hatte, dass die Zinserhöhung noch vor Jahresende kommen würde. Die verbleibende Zinserhöhung im gesamten Straffungszyklus ist auf etwa 36 Basispunkte zusammengeschrumpft.

US-Dollar verliert an Geschwindigkeit, Emerging Markets im Freudentaumel
Die unmittelbare Folge der Schwäche des US-Dollar ist ein umfassender Boom der Emerging Market Assets. Wee Khoon Chong, Senior Strategist Asia-Pacific bei der New York Mellon Bank, sagte: "Emerging Markets Währungen werden heute unterstützt, vor allem durch einen schwächeren Dollar und die zunehmende Risikobereitschaft an den Aktienmärkten. Wir sehen, dass Auslandsinvestitionen wieder kräftig in die Emerging Markets zurückkehren, insbesondere in die asiatischen Märkte."
Carry-Trades beleben sich. Mit dem moderateren Zinserhöhungspfad der Fed tritt der relative Zinsvorteil der Emerging Markets wieder hervor und zieht weltweit Kapital auf der Suche nach Rendite an.
Der geopolitische Risikoaufschlag sinkt. Galvin Chia, Emerging Asia Strategist bei Société Générale, weist darauf hin, dass die Stärke asiatischer Währungen das Ergebnis mehrerer Faktoren ist: "Asiatische Währungen profitieren offenbar von den schwachen US-Daten aus der vergangenen Woche und dem Abwärtstrend des Dollar zu Wochenbeginn. Die fehlenden geopolitischen Nachrichten am Wochenende und der Brent-Ölpreis unter 90 Dollar könnten dem Markt ebenfalls Unterstützung bieten."

Der Dollarindex DXY ist auf etwa 99,50 gefallen und bewegt sich damit auf einem Zweimonatstief. Der Euro hat gegenüber dem Dollar die Schlüsselmarke von 1,1577 überschritten und liegt nun über dem 100-Tage-Durchschnitt. Der Yen zum Dollar steigt ebenfalls auf etwa 159. Aus quantitativer Sicht beträgt der 20-Tage-Korrelationskoeffizient zwischen dem Citi US Economic Surprise Index und dem Dollarindex 0,85 – unerwartete Veränderungen in den Wirtschaftsdaten sind mittlerweile der Kernfaktor, der die Dollar-Entwicklung bestimmt.
Signale vom Optionsmarkt sind noch klarer: Einmonatsoptionen wetten zum ersten Mal seit Ende Februar wieder auf eine Dollar-Abwertung, während längerfristige Kontrakte weiterhin den Dollar bevorzugen.
Schlüsselvariable dieser Woche: Können die FOMC-Protokolle mit einem "Hawkish"-Ton den Dollar retten?
Ob die Abwertung des Dollar anhält, werden diese Woche zwei wichtige Ereignisse zeigen.
Mittwoch (20. August): FOMC-Protokolle der Juli-Sitzung. Bei der Fed-Sitzung am 29. Juli hielt sie die Zinsen zum fünften Mal in Folge im Bereich von 3,5%-3,75% – allerdings gab es drei Gegenstimmen: Die Präsidenten der Fed von Dallas (Logan), Cleveland (Harker) und Minneapolis (Kashkari) plädierten alle für eine Zinserhöhung.
Chris Turner, Global Head of Markets bei ING, sagt: "Wenn die Protokolle Signale enthalten, dass die Entscheidung, die Zinsen nicht zu erhöhen, näher an einer Zinserhöhung war als viele erwarten, kann sich der Markt vermutlich nicht vollständig wieder in eine 'hawkish' Haltung drehen."
Wie Chong von der New York Mellon Bank betonte, "Auslandsinvestitionen springen kräftig in die Emerging Markets zurück". Chia von Société Générale mahnt, dass das Ende der Sommerflaute, gepaart mit dem Mangel an geopolitischen Nachrichten, die aktuelle Volatilität verstärken könnte.
Die dieswöchigen FOMC-Protokolle werden ein entscheidender Test dafür sein, ob dieser Trend anhalten kann. Falls die Protokolle einen Hinweis auf die "Reaktionsfunktion" der Fed unter Walsh liefern, könnte dies die Markteinschätzung zur Zinserhöhungswahrscheinlichkeit verändern.
Freitag: PMI-Daten. Falls die US-PMI-Daten eine Erweiterung des Wachstumsvorteils zeigen, könnte dies dem Dollar etwas Unterstützung bieten. Elias Haddad, Global Head of Market Strategy bei Brown Brothers Harriman, sagt: "Wenn starke US-Wirtschaftsdaten den US-Wachstumsvorteil konsolidieren können, könnte das den Dollar stärken."
Der Emerging Markets Currency Index auf einem Allzeithoch, der Dollar drei Monate auf dem Tiefpunkt, ausländisches Kapital fließt erneut in die asiatischen Märkte – hinter diesen Veränderungen scheint das Vertrauen des Marktes in die "US-Ausnahmestellung" zu bröckeln.
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