Deutsche Bank: Zentralbank-Goldkäufe und ETF-Zuflüsse treiben Gold in eine "explosive" Aufwärtsphase
Die Zentralbanken erhöhen weiterhin ihre Goldbestände, ETF-Gelder fließen zurück; die Deutsche Bank ist der Ansicht, dass die „explosive“ Phase des Goldpreisanstiegs noch nicht vorbei ist.
Laut dem Bericht von WindTradingDesk veröffentlichte Michael Hsueh, Rohstoffstratege der Deutschen Bank, am 14. August den aktuellen Research-Bericht „Commodities: Gold explosive phase“. Hsueh betont, dass die fünfte „explosive“ Aufwärtsphase des Goldes, die im Jahr 2024 begonnen hat, weiterhin anhält; sowohl Zentralbankkäufe als auch ETF-Geldzuflüsse ergeben eine doppelte, unelastische Nachfrageunterstützung. Das Jahresendziel für den Goldpreis liegt zwischen 4.700 und 5.100 US-Dollar pro Unze.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts lag der Goldspotpreis bereits bei über 4.300 US-Dollar pro Unze. Die Deutsche Bank weist darauf hin, dass der Nettozufluss der ETFs in den vergangenen 30 Tagen bereits 1,5 Millionen Unzen erreicht hat. Die weltweiten ETF-Bestände sind seit Jahresbeginn um etwa 4 Millionen Unzen gestiegen und der Kapitalfluss ist wieder positiv. Gleichzeitig setzte die Nachfrage nach Zentralbank-Goldkäufen im ersten Quartal 2026, gemessen in realen US-Dollar, einen historischen Höchstwert und erreichte 38,88 Milliarden US-Dollar.

„Explosive“ Phase: Seit 1979 das fünfte Mal, noch andauernd
Die Deutsche Bank verwendet die statistische BSADF-Testmethode, um die „explosiven“ Phasen des Goldpreises zu identifizieren. Seit 1979 hat Gold fünf solcher Phasen erlebt, die derzeit laufende fünfte begann im Jahr 2024 und die Teststatistik liegt weiterhin im Auslösebereich.


Historische Daten zeigen: Nach Eintritt in eine „explosive“ Phase für Gold ist die Wahrscheinlichkeit eines positiven Durchschnittsertrags über die nächsten fünf Jahre höher (ca. 80 % gegenüber 68 % außerhalb „explosiver“ Phasen), und die durchschnittlichen Anstiege sind ebenfalls größer. Konkret liegt bei einem Anstieg von 10–15 % in zwei Wochen die Chance für weiteres Wachstum nach zwölf Monaten bei 67 %; und im Falle eines Anstiegs beträgt der durchschnittliche Zuwachs 31 %.
Aktuell ist das Preisintervall des Goldes gemäß der BSADF-Statistik komprimiert – Das Modell zeigt, dass Gold „eigentlich“ bis 6.400 US-Dollar steigen sollte, aber auch „möglich“ auf 3.700 US-Dollar fallen könnte; der aktuelle Preis liegt in einem komprimierten Bereich dazwischen.
Zentralbank-Goldkäufe: Nachfrage auf Rekordhoch, Hälfte nicht gemeldet
Zentralbanken sind derzeit die wichtigsten strukturellen Käufer am Goldmarkt. Die Daten zeigen, dass die Käufe der Zentralbanken im ersten Halbjahr 2026 nach annualisierter IMF-Statistik 203,1 Tonnen erreichten. Die Zentralbanknachfrage ist preisunempfindlich – selbst bei steigenden Goldpreisen bleibt das Kauftempo unverändert.

Besonders bemerkenswert: Der Bericht hebt hervor, dass etwa die Hälfte der Zentralbank-Goldnachfrage nicht über den IWF gemeldet wird. Laut Metals Focus stieg das Quartalsvolumen der nicht gemeldeten Nachfrage seit dem dritten Quartal 2022 von zuvor durchschnittlich 95 Tonnen auf 286 Tonnen pro Quartal.

Die Daten zeigen außerdem, dass Polen, Türkei und China zuletzt die Goldbestände ihrer Zentralbanken am stärksten erhöht haben.
ETF-Gelder: Asien kauft, entwickelte Märkte verkaufen, Gesamttendenz positiv
Der ETF-Kapitalfluss ist die sensitivste marginale Variable für den Goldpreis. Daten der Deutschen Bank zeigen, dass in den fünf Hauptmärkten (USA, Europa, China, Japan, Indien) die Nettozuflüsse in ETFs seit Jahresbeginn 2026 insgesamt rund 4 Millionen Unzen ausmachen – damit ist der Gesamtwert wieder positiv.

Aus regionaler Sicht ist Asien (China, Japan, Indien) Netto-Käufer, während entwickelte Märkte (DM) Netto-Verkäufer sind. Die ETF-Bestände in China sind seit 2020 erstmals im Jahresvergleich gestiegen, zudem hat sich das Kauftempo seit Ende Juli deutlich beschleunigt.
Die quantitative Analyse der Deutschen Bank zeigt: Für je 1 Million Unzen mehr in ETF-Beständen steigt der Goldpreis nominell um etwa 14 US-Dollar pro Unze, was einer Preiselastizität von etwa 1 % entspricht. Gegenwärtig kompensieren ETF- und Zentralbanknachfrage gemeinsam den Netto-Verkaufsdruck aus spekulativen Futures-Positionen.

Preismodell: Jahresendziel 4.700–5.100 US-Dollar, Haupttreiber ist die US-Staatsverschuldung
Das langfristige Goldpreis-Bewertungsmodell der Deutschen Bank nimmt die Expansion der US-Staatsverschuldung als Kernvariable, ergänzt durch Wechselkurs des US-Dollars, die reale Rendite von 10-jährigen TIPS und den Aktienmarktrisikoaufschlag.

Die Daten zeigen: Das Wachstum der US-Öffentlichen Schulden beträgt 2026 voraussichtlich 15 %, 2027 10 % – weit über dem Niveau Anfang der 2000er Jahre. Das Modell prognostiziert den Goldpreis bis Jahresende in einem Intervall von 4.700–5.100 US-Dollar pro Unze; aktuell hat sich der Preis an den Modellfairwert angenähert, die Residuen sind fast null.
Die Deutsche Bank verweist darauf, dass größere Goldpreisrückgänge historisch meist mit zwei Szenarien einhergehen: Erstens mit einer extremen Dollarstärke (z. B. Anstieg des Dollar-Index um 77 % von 1981–1984); zweitens mit unerwartet aggressiver Fed-Politik (z. B. Taper-Tantrum 2013, Zinserhöhungen 2021–2022). Beide Risiken sind derzeit nicht dominant.
Nachfragestruktur: Schmucknachfrage auf niedrigstem Stand seit Pandemie, Gesamtbild bleibt stabil
Die Struktur der Goldnachfrage unterliegt einem tiefgreifenden Wandel. Der Bericht zeigt, dass die globale Schmucknachfrage im zweiten Quartal 2026 auf 278,2 Tonnen gesunken ist – dem niedrigsten Wert seit Pandemie-Beginn. Indien und China machen zusammen 73 % der Schmucknachfrage aus; hohe Goldpreise hemmen die Verbrauchernachfrage in beiden Ländern spürbar.

Die Deutsche Bank sieht den Nachfragerückgang im Schmucksegment jedoch nicht als systemisches Risiko. Ursache: Zentralbank- und ETF-Nachfrage sind „unelastisch“ und preisunempfindlich, Schmuck- und Recyclinggold-Angebot hingegen „elastisch“ und passen sich automatisch dem Preis an. Diese gegenseitige Absicherung sorgt für stabile physische Investitionsnachfrage.

Marktstimmung und Positionierung: Call-Optionsprämien steigen wieder, Future-Positionen bleiben niedrig
Den Marktstimmungsindikatoren zufolge ist der 25-Delta-Three-Month Risk Reversal für Gold wieder im bullishen Prämienbereich, nachdem er am 19. März 2026 kurzfristig negativ war.

Doch die Future-Positionen bleiben weiterhin niedrig. Daten der Deutschen Bank zeigen, dass die offenen Interest-Kontrakte im Gold-Future zwischenzeitlich auf den niedrigsten Stand seit 2009 gefallen sind, was darauf hindeutet, dass die Marktpositionierung nicht überfüllt ist – weiteres Kapital könnte noch Preisanstieg ermöglichen.
Die Deutsche Bank hebt zudem hervor, dass die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar im zweiten Quartal 2026 vorübergehend verstärkt war – das 60-Tage-Rolling-Beta erreichte -7,12, liegt aber inzwischen wieder nahe am langfristigen Durchschnitt (-1,18). Die Kopplung von Gold an Fed-Zinssenkungserwartungen bleibt relevant; die Zinssatzfestlegung bei der Fed-Sitzung im Dezember 2026 ist momentan der wichtigste kurzfristige Ankerpunkt.
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