AWS beschleunigt erneut, Amazons (AMZN.US) KI-Investitionen treten in die Phase der Renditevalidierung ein
Bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftsergebnisse von Amazon sollte man sich vor allem auf vier Hauptaspekte konzentrieren: das operative Ergebnis, das Wachstum von AWS, das Werbewachstum sowie den Druck auf den Cashflow.
Am 31. Juli, nach Börsenschluss der US-Märkte, veröffentlichte Amazon den Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026. Das wichtigste Signal dieses Berichts ist nicht nur, dass Umsatz und Gewinn die Erwartungen übertreffen, sondern dass AWS erneut in den Beschleunigungsmodus eintritt und die Bereiche KI sowie Eigenentwicklungen im Chipgeschäft mit quantifizierbaren Einnahmen auf die Kritik am hohen Kapitalaufwand reagieren.
Laut offiziellem Quartalsbericht von Amazon erzielte das Unternehmen im zweiten Quartal einen Nettoumsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 20 % gegenüber dem Vorjahr entspricht; das operative Ergebnis betrug 27,5 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 43 %. Der Nettogewinn lag bei 62,6 Milliarden US-Dollar, das verwässerte Ergebnis pro Aktie bei 5,75 US-Dollar, wobei hierin 53,4 Milliarden US-Dollar nicht-operativer Gewinn vor Steuern aus der Anthropic-Investition enthalten sind. Daher sollte die Qualität der aktuellen Amazon-Ergebnisse eher anhand von operativem Gewinn, AWS-Wachstum, Werbeumsatz und Cashflow betrachtet werden.
1. Highlights des Quartalsberichts: Wachstum nicht nur im Einzelhandel, AWS als Kernvariable
Die Geschäftsstruktur zeigt, dass Amazon im zweiten Quartal eine Kombination aus „stabilem Einzelhandel, starkem Werbegeschäft und beschleunigtem Cloud-Bereich“ aufweist. Der Umsatz des Nordamerika-Geschäfts betrug 116,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 16 %, das operative Ergebnis 9,1 Milliarden US-Dollar; das internationale Geschäft erzielte einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar (plus 15 %) und einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden US-Dollar. Der Einzelhandel hat die Konzerngewinne nicht belastet; der auf das zweite Quartal vorverlegte Prime Day, gesteigerte Lieferfähigkeit sowie das Wachstum im Frische- und Alltagsbedarf stützten die Performance auf der Verbraucherseite.
Das Werbegeschäft bleibt ebenfalls auf hohem Niveau. Laut Amazon stieg der Werbeumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 26 %. Getrieben durch E-Commerce-Traffic, Prime Video Werbung und KI-Werbetools ist die Werbung zu einer wichtigen Kraft geworden, die die Bruttomarge im Einzelhandel verbessert. Für Anleger bedeutet dies, dass Amazons Einzelhandel nicht mehr nur eine Plattform mit geringer Marge ist, sondern sich in Richtung „Handel + Medien + Daten“-Modell für vielfältige Monetarisierung bewegt.
Doch der wahre Game-Changer des Quartals ist AWS. AWS erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 42,232 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 37 %, und damit die höchste Wachstumsrate der letzten 18 Quartale; das operative Ergebnis beträgt 16,621 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 64 % entspricht, die operative Gewinnmarge erreichte 39,4 %. Das deutet darauf hin, dass Amazon im KI-Cloud-Wettbewerb nicht nur investiert, sondern auch eine gleichzeitige Beschleunigung von Umsatz und Margenverbesserung zeigt.

2. Kommerzialisierung von KI nimmt Fahrt auf: AWS, Anthropic und Eigenentwicklungen im Chipbereich schließen den Kreislauf
In den vergangenen Quartalen lag die zentrale Marktkritik gegen Amazon darin, dass Microsoft Azure und Google Cloud im KI-Narrativ deutlich hervorstechen und AWS möglicherweise seine Führungsposition verliert. Der Quartalsbericht gibt darauf eine klare Antwort: Amazon gibt bekannt, dass die jährliche Umsatzrate von AWS derzeit bei 169 Milliarden US-Dollar liegt, die offenen Aufträge 496 Milliarden US-Dollar betragen und KI- sowie Chipgeschäft jeweils eine jährlich laufende Umsatzrate von über 25 Milliarden US-Dollar erreichen, jeweils mit dreistelligem Wachstum im Vergleich zum Vorjahr.
Diese Daten verändern den Bewertungsrahmen für Amazons KI-Investitionen. Bislang sah der Markt nur steigende Kapitalausgaben, nun gibt es Beweise auch auf der Nachfrageseite. Die KI-Aktivitäten von AWS entfesseln Nachfrage in den Bereichen Training, Inferenz, Datenspeicherung, Vektordatenbanken, Sicherheitsmanagement und CPU-Workloads; die Eigenentwicklungen Trainium und Graviton reduzieren Kundenausgaben und verbessern die Effizienz der Amazon-Infrastruktur. Amazon berichtet im Quartalsbericht, dass Anthropic und OpenAI als führende KI-Labore langfristige, mehrgigawattgroße Zusagen für Trainium gemacht haben, was die Sichtbarkeit späterer Umsätze von AWS erhöht.
Aus Sicht der Branche liegt Amazons Vorteil nicht in einzelnen Modellen, sondern im Zusammenspiel von Cloud-Infrastruktur, Modellplattform, Unternehmensdaten, Chips und Applikationsdiensten. Amazon Bedrock hat im zweiten Quartal die Kundenausgaben aller bisherigen Quartale übertroffen, was auf wachsende Nachfrage nach einer „multimodellen, vorhersagbaren und einsetzbaren“ KI-Plattform hinweist. Im Inferenz-Zeitalter verbrauchen Anwendungen wie Agent-Systeme, Code-Generierung und Workflow-Automation gleichzeitig GPU-, CPU-, Speicher- und Datenbankressourcen – das ist genau der Wert der AWS-Infrastruktur.
3. Kapitalausgaben als Streitpunkt: kurzfristig belastet das den Cashflow, langfristig zählen die Auftragsumsätze
Die größte Kontroverse im Quartal ist weiterhin der Kapitalaufwand. Das Unternehmen hob die Prognose der Cash-Kapitalausgaben für 2026 von etwa 200 Milliarden US-Dollar auf etwa 220 Milliarden US-Dollar an. Die Associated Press berichtet, CEO Andy Jassy habe im Conference Call gesagt, selbst mit 220 Milliarden könne Amazon für 2026 nicht die gesamte Nachfrage decken und er erwartet, dass dieses Missverhältnis auch 2027 bestehen bleibt, wobei bereits starke Nachfrage für 2028 ersichtlich sei.
Hohe Kapitalausgaben drücken direkt auf den freien Cashflow. Laut Amazon-Quartalsbericht betrug der operative Cashflow der letzten 12 Monate bis zum 30. Juni 2026 161,4 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 33 %; der freie Cashflow allerdings eine Abfluss von 7,6 Milliarden US-Dollar, während im Vorjahr ein Zufluss von 18,2 Milliarden US-Dollar verzeichnet wurde – hauptsächlich wegen um 66,1 Milliarden US-Dollar gestiegener Investitionen in Immobilien und Anlagen, vor allem für KI-Infrastruktur.
Dies ist aktuell eine Herausforderung für alle Tech-Giganten: KI-Infrastruktur erfordert zuerst Ausgaben, Umsätze werden später bestätigt – dazwischen gibt es Produktionszyklen und Abschreibungsdruck. Der Unterschied: Amazon liefert mit beschleunigtem AWS-Wachstum, 496 Milliarden US-Dollar Auftragsbestand sowie jährlich laufenden Umsätzen in KI und Chipbereich von je über 25 Milliarden US-Dollar eine klarere Rendite-Erklärung. Der Markt akzeptiert diese Logik kurzfristig, muss aber weiter beobachten, ob die KI-Umsätze langfristig das Wachstum der Kapitalausgaben und Abschreibungsdruck übertreffen.
4. Marktreaktion: vom „Angst vor Geldverbrennen“ zum „Bestätigen der Rendite“
Nach Veröffentlichung des Quartalsberichts zog die Amazon-Aktie deutlich an. MarketWatch meldet, dass die Aktie intraday um über 13 % zulegte und einen der besten Tagesgewinne seit Jahren erzielen könnte; Investopedia zitiert Marktbeobachter, wonach das überraschende AWS-Wachstum und Anzeichen für KI-Investitionserträge die wichtigsten Treiber sind. Zudem erhöhte die JPMorgan ihren Amazon-Preisziel auf 365 US-Dollar wegen beschleunigtem AWS-Wachstum und verbesserten KI-Investitionsrenditen.
Der Ausblick für das dritte Quartal bleibt jedoch kurzfristig eine „Bremse“: Amazon erwartet für Q3 einen Nettoumsatz von 197 bis 202 Milliarden US-Dollar, ein Wachstum von 9 bis 12 %, sowie einen operativen Gewinn von 22,5 bis 26,5 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erklärt, dass der vorgezogene Prime Day den Jahresvergleich beeinflusst; ohne diesen Effekt wäre das Umsatzwachstum im dritten Quartal etwa 400 Basispunkte höher, zudem erwartet man einen negativen Währungseinfluss von ca. 80 Basispunkten.
Daher sollten Investoren Amazon auf zwei Ebenen bewerten: kurzfristig spiegelte der Aktienkurs die überraschend guten Q2-Zahlen bereits wider, das Q3-Prognose und Cashflow-Engpässe könnten zu Schwankungen führen; mittelfristig gilt: wenn AWS weiter beschleunigt und KI sowie Chip-Umsätze wachsen, könnte sich Amazons Bewertungsanker von „Einzelhandelsplattform + Cloud-Gewinnzentrum“ zu „KI-Infrastrukturplattform + globale Verbrauchsökosystem“ verschieben.
5. Investment-Fazit: Amazon zurück auf der KI-Cloud-Hauptspur
Zusammengefasst liegen die Highlights von Amazons Q2-Bericht darin, dass AWS nicht mehr nur eine Cashcow für Profite ist, sondern erneut zum stärksten und verlässlichsten Wachstumsmotor des Konzerns wird. Einzelhandel stabilisiert das Fundament, Werbung verbessert die Rentabilität, und AWS belegt mit Umsatzwachstum, Gewinnmarge und Auftragsbestand, dass die KI-Nachfrage in die Umsetzungsphase tritt.
Risiken sind ebenfalls klar: Das Ausmaß der Kapitalausgaben liegt auf einem historischen Höchststand, freier Cashflow negativ, Abschreibungsdruck könnte zukünftig expliziter werden. Sollte die KI-Nachfrage oder das Wachstum in Enterprise-Inferenz geringer ausfallen als erwartet, wird der Markt die Angemessenheit der hohen Investitionen neu bewerten. Doch zumindest für dieses Quartal liefert Amazon einen Bericht, der die „KI-Geldverbrennungsangst“ mildert. Für Langfrist-Investoren sind die wichtigsten Indikatoren AWS-Wachstum, jährliche KI- und Chip-Umsätze, Veränderungen beim Auftragsbestand, Tempo der Investitionen und Fortschritte bei der Cashflow-Erholung.
6. Zusammenfassung der Telefonkonferenz: Wichtige Signale des Managements
• AWS-Wachstum beschleunigt erneut. Das Management berichtet ein AWS-Wachstum von 36,7 % im zweiten Quartal – fünfter Quartal in Folge mit Beschleunigung, schnellstes Wachstum seit 18 Quartalen, Umsatzzuwachs im Quartalsvergleich über 4,6 Milliarden US-Dollar.
• KI- und Chipgeschäft als neue Wachstumstreiber. Amazon berichtet, dass AWS-KI- und Chipgeschäft jeweils über 25 Milliarden US-Dollar jährliche Umsatzrate erreichen, jeweils mit dreistelligem Wachstum gegenüber Vorjahr.
• Auftragsbestand sichert Umsatzsichtbarkeit. AWS-Auftragsbestand erreicht 496 Milliarden US-Dollar mit zweistelligem Wachstum; das Management sieht darin langfristige Zusagen der Kunden für zukünftige Rechenleistung und Cloud-Dienste.
• Kapitalaufwand steigt weiter. Die Prognose für Cash-Kapitalausgaben 2026 wurde auf etwa 220 Milliarden US-Dollar erhöht – hauptsächlich für AWS, generative KI-Infrastruktur, sowie Bereiche wie Robotik, Halbleiter und Satelliten.
• Angebot bleibt unzureichend. Andy Jassy erklärt im Conference Call, dass selbst mit erhöhten Investitionen das Unternehmen 2026 nicht die gesamte Nachfrage bedienen kann und erwartet ähnliches Missverhältnis für 2027; für 2028 ist bereits starke Nachfrage absehbar.
• Die Renditezyklen der Investitionen werden besonders erläutert. Das Management betont, dass für langfristige Assets wie Rechenzentren, Grundstücke, Energie und Bau Maßnahmen im Voraus nötig sind, während kurzfristige Assets wie Server und Netzwerkausrüstung je nach Kundennachfrage in Betrieb gehen – Einnahmen folgen auf Investitionen zeitlich verzögert.
• Einzelhandelsseite bleibt stabil. Die Prime-Mitgliederversorgung erreicht Rekordgeschwindigkeit, Wachstum bei Frischwaren und Alltagsbedarf übertrifft das gesamte Geschäft, Nordamerika und internationales Geschäft bleiben profitabel.
• Werbegeschäft wächst weiter stark. Werbeumsatz legt um 26 % zu; Prime Video-Werbung, Live-Sport und KI-Werbetools sind zentrale Treiber.
• Q3-Prognose bleibt vorsichtig. Amazon erwartet im dritten Quartal Umsätze von 197 bis 202 Milliarden US-Dollar, operativer Gewinn 22,5 bis 26,5 Milliarden US-Dollar; das Management weist auf Auswirkungen vom vorgezogenen Prime Day und Wechselkurse auf das Jahresvergleich hin.
• Kernbeobachtungspunkte. Die Telefonkonferenz betont, dass KI-Investitionen keine kurzfristigen Ausgaben sind, sondern vorausschauende Maßnahmen für klare Aufträge und langfristige Rechenbedarfe; der Markt muss jedoch Cashflow-Erholung und Kapitalrendite in den kommenden Quartalen weiter beobachten.
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