KI-Schulden-Tsunami trifft auf Ölpreisschock: Technologische Anleihen stehen unter „Mehrfachbeschuss“ und erleben einen umfassenden Rückzug
Die Sorge über die durch den Investitionsboom im Bereich Künstliche Intelligenz verursachte, weiter wachsende Verschuldung ist erneut aufgeflammt. Hinzu kommt die Eskalation der Konflikte im Nahen Osten, wodurch die Anleihen einiger großer US-Technologiekonzerne am Donnerstag insgesamt nachgegeben haben.
German Finanznachrichten APP berichtet, dass die Sorge über die durch den KI-Investment-Boom ausgelöste, weiter wachsende Verschuldung wieder aufgeflammt ist und, verstärkt durch die Eskalation im Nahen Osten, die Anleihen einiger großer US-Technologieunternehmen am Donnerstag kollektiv nachgegeben haben.
Da der Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel ansteigt, steigen die Inflationsängste und die Renditen langlaufender Staatsanleihen erhöhen sich, was die Finanzierungskosten für Unternehmen weiter erhöht, die bereits Hunderte Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investiert haben.
Die Alphabet Inc. (GOOGL.US), Muttergesellschaft von Google, veröffentlichte am Mittwoch nach Börsenschluss Quartalszahlen, die die Kursverluste weiter verstärkten – das Unternehmen erhöhte die Jahresprognose für Investitionsausgaben, was darauf hindeutet, dass die Emission neuer Anleihen zur Finanzierung des Investment-Booms weiter anhalten wird.
Der Verkaufsdruck trieb die Rendite der 2046 fälligen Alphabet-Anleihe mit einem Coupon von 5.5% um etwa 9 Basispunkte auf 6.11% nach oben und erweiterte den Spread gegenüber dem Top-Benchmark-Rating auf rund 91 Basispunkte, ein Anstieg um 6 Basispunkte gegenüber Mittwoch.
Bei Oracle Corp. (ORCL.US), einem weiteren Schlüsselunternehmer für Rechenzentrum-Bau, stieg die Rendite einiger bis 2030 laufender Anleihen um 17 Basispunkte auf etwa 6.09%. Gleichzeitig stiegen die Preise für Credit Default Swaps (CDS) auf die Schulden von Microsoft, Amazon und anderen Unternehmen, was die zunehmenden Sorgen der Investoren widerspiegelt.
Tony Trzcinka, Portfoliomanager bei Impax Asset Management, erklärt: „Der Markt steht aktuell unter dreifachem Druck: KI-Investitionsangst, Ölpreisschock und Neupreisung der Zinsen.“
Die heftigen Schwankungen am Anleihemarkt gingen einher mit einem breiten Absturz an den Aktienmärkten, der Nasdaq 100 fiel an diesem Tag um fast 2% und die „Big Seven Tech“ verzeichneten den größten Tagesverlust seit der Zollangst im April 2025.
Die massiven Kreditaufnahmen für KI-Investitionen – allein in diesem Jahr bislang ca. 350 Milliarden Dollar – haben den Anleihemarkt weiterhin unter Druck gesetzt; es mehren sich Anzeichen, dass Investoren die Flut neuer Anleihen nicht mehr absorbieren können. Zugleich zweifeln viele, ob KI genug Gewinn abwerfen kann, um die hohen Kosten zu decken.
Ein weiteres Zeichen für steigende Risikoaversion: Anleger haben laut LSEG Lipper-Daten in der Woche bis Mittwoch 7,1 Milliarden Dollar aus US-High-Grade-Anleihefonds abgezogen – das größte Wochenminus seit Beginn der Corona-Pandemie im April 2020.
Mark Clegg, Senior Fixed Income Trader bei Allspring Global Investments, betont: „Der Technologiesektor war einst ein sicherer Hafen für Anleger, nun sind die Riesenunternehmen im Begriff, die sechs großen Banken beim Volumen zu überholen und zum größten Emittenten am Investment-Grade-Markt zu werden. Schon das Gerücht um weitere 20 Milliarden Dollar neue Anleihen treibt das Pricing im gesamten Sektor massiv auseinander. Das ist Angebotsermüdung – und sie nimmt jede Woche weiter zu.“
Weitere große Emissionspläne stehen an. BlackRock plant die Emission von über 12 Milliarden Dollar Anleihen zur Finanzierung des Meta Platforms Inc. Rechenzentrumsprojekts in El Paso, Texas. Barclays hat seine Schätzung für diesjährige US-Investment-Grade-Anleiheemissionen von zuvor 1,6 auf 1,9 Billionen Dollar angehoben, um dem KI-bedingten Schuldenanstieg Rechnung zu tragen.
John Lloyd, Global Head of Multi-Sector Credit und Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors, sagt: „Der Markt realisiert inzwischen ernsthaft, dass es in keiner Anlageklasse Anzeichen für eine Angebotsdämpfung gibt.“
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