US-Staatsanleihen bieten das beste Einstiegsfenster seit 20 Jahren? BlackRock bleibt trotz Zinserhöhungen optimistisch: „Keine Angst vor höheren Zinsen, hohe Renditen bieten eine Abschwächungspuffer“
BlackRock erklärte, dass die Renditen von US-Staatsanleihen einen soliden Puffer zum Schutz vor Verlusten bieten können.
German Finance Nachrichten erhielt die Information, dass der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock am Donnerstag seinen Ausblick für festverzinsliche Anlagen im dritten Quartal veröffentlichte. Darin wird klar darauf hingewiesen, dass US-Staatsanleihen angesichts der weiterhin hohen Renditen den Investoren den stärksten „Abschirmschutz“ der letzten Jahre bieten. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Inflation und das Wirtschaftswachstum sich von den Höchstständen des ersten Halbjahres allmählich abschwächen. Zusätzlich sorgt der strukturelle Wandel der Wirtschaft durch KI für „reichere Investitionsmöglichkeiten“ im Markt für festverzinsliche Anlagen.
Diese Einschätzung fällt zusammen mit heftigen Verkäufen am US-Staatsanleihemarkt – die Rendite zehnjähriger Anleihen nähert sich mit 4,66 % einem Zwei-Monats-Hoch, die Rendite dreißigjähriger Anleihen liegt mehrere Tage in Folge über 5 %. Der konträre Anlagehinweis von BlackRock verdient daher Aufmerksamkeit.
Rendite als „Sicherheitsnetz“: 70 Basispunkte bei zehnjährigen Anleihen bis zur Verlustschwelle
Chi Chen, Senior Portfolio Manager und Co-Verwalter des 18 Milliarden US-Dollar umfassenden BlackRock Total Return Fund, schrieb im Bericht, dass das aktuelle Renditeniveau einen „substanziellen Puffer“ für weitere Verkäufe auf dem Zinsmarkt bietet. Die Renditen für US-Staatsanleihen mit Laufzeiten unter zehn Jahren liegen deutlich über 4 %, längere Laufzeiten sogar über 5 %. Das bedeutet, die Entschädigung für Investoren durch das Halten von Anleihen ist signifikant gestiegen und die Marktbewertungen werden „immer attraktiver“.

BlackRock schätzt, dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von aktuell nochmals etwa 70 Basispunkte steigen müsste, bevor die Gesamtrendite für ein Jahr negativ wird. Diese „Sicherheitsnetz“-Stärke ist im Markt für festverzinsliche Anlagen in den letzten 20 Jahren extrem selten. Rick Rieder, Global Chief Investment Officer für Fixed Income bei BlackRock, erklärte im Interview: „Wir befinden uns in einer Umgebung mit Realzinsen, die deutlich höher sind als in den letzten zwanzig Jahren. Man genießt die Erträge aus höheren Realzinsen und Renditen und ich glaube, die Volatilität der Zinsen bleibt eher niedrig.“
Rückgang der Inflation und Wachstumsspreizung: BlackRocks zentrale makroökonomische Einschätzung
Die makroökonomische Einschätzung von BlackRock bildet das Fundament für seine optimistische Haltung im Bereich festverzinslicher Anlagen. Der Bericht erwartet, dass die US-Inflation und das Wirtschaftswachstum ab der ersten Jahreshälfte nachlassen. Diese Einschätzung stimmt mit den neuesten Daten überein: Der US-CPI insgesamt fiel im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,4 % – der größte monatliche Rückgang seit April 2020; auf Jahresbasis lag das Wachstum bei 3,5 %, ein deutlicher Rückgang gegenüber 4,2 % im Mai.
Rieder wies jedoch darauf hin, dass die Treiber des US-Wachstums „immer konzentrierter“ werden. KI-Investitionen sind das wesentliche Rückgrat der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit – die Investitionen der großen Cloud-Anbieter sind gegenüber dem Vorjahr um fast 80 % gestiegen und helfen, die Schwäche in zinssensitiven Bereichen wie dem Immobilienmarkt zu kompensieren. Er warnt gleichzeitig, dass das Beschäftigungswachstum durch KI nicht gleichmäßig ist: Branchen mit mittlerer KI-Exponierung wachsen innerhalb von drei Monaten um 1,63 % (annualisiert), Branchen mit geringer Exponierung um 1,55 %, während Bereiche mit hoher Exponierung (wie Versicherung) bereits negatives Wachstum zeigen (-0,29 %).
Dieses makroökonomische Bild einer „Wachstumskonzentration“ bedeutet, dass zukünftige Erträge aus festverzinslichen Anlagen weniger auf breite Markt-Exponierung angewiesen sein werden und stattdessen stärker auf aktive Branchen-Allokation, sorgfältige Wertpapierauswahl und vielfältige Einkommensquellen.
Uneinigkeit bei Zinserwartungen: BlackRock und die Märkte im Streit um „Falken-Bewertung“
Der derzeit größte Unterschied zwischen Markt und BlackRock besteht in der Erwartung der Fed-Politik. Der Bericht erklärt offen: „Die Märkte bewerten den zukünftigen Zinspfad der Fed falkenhafter als wir es erwarten.“
Swap-Kontrakte zeigen, dass Händler eine Zinserhöhung für Oktober vollständig eingepreist haben und bis zum Jahresende ein tightening der Geldpolitik um ungefähr 43 Basispunkte erwarten. Das CME Fed Watch Tool zeigt zum Stichtag 23. Juli, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September bei 54,6 % liegt. Durch die erneut angespannte Lage zwischen USA und Iran sind die US-Anleiherenditen drei Tage in Folge gestiegen und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli stieg auf 37,9 %.

Rieders Grundannahme lautet hingegen: Die Fed bleibt mindestens im Juli und September unverändert, sie wird dieses Jahr keine Zinserhöhung vornehmen und könnte 2027 auf eine Lockerung umstellen. Er geht davon aus, dass die neue Vorsitzende Waller die Fed weniger von Forward Guidance abhängig machen wird und stattdessen stärkere Nutzung von Bilanz, Liquiditätsbedingungen und Geldmengen-Dynamik als breitere Instrumente bevorzugt.
Diese Meinungsverschiedenheit spiegelt sich direkt in den vier potenziellen Ertragsszenarien wider, die BlackRock für den Bloomberg US Treasury Index aufgestellt hat:

Sogar im ungünstigsten Szenario einer Zinserhöhung um 100 Basispunkte bleibt die Anleiherendite positiv – dies ist die quantitative Bestätigung von BlackRocks „Abschirmschutz“-Logik.
Das neue Paradigma der Politik unter Waller: Kürzere Statements, weniger Guidance, mehr Instrumente
BlackRock sieht die Führung der Fed durch Waller als Beginn einer „wirklich neuen Ära“. Der Bericht betont, dass Waller die FOMC-Statements von durchschnittlich über 200 auf weniger als 100 Wörter gekürzt hat und betont, dass das kürzere Format „nur Fakten liefert“. Waller beschreibt dieses Vorgehen als bewusste Distanzierung von Forward Guidance – denn er hält dieses Instrument für „nicht geeignet für die aktuelle politische Krisensituation“.
Zum Inflationsproblem bekräftigte Waller das Commitment der Fed zum 2 %-Ziel, obwohl die Inflation dieses Niveau seit über fünf Jahren überschreitet. BlackRock verfolgt Indikatoren wie Web-Scraping-Preisdaten und Einzelhandels-Benzinkosten als alternative Quellen und stellt fest, dass der Preisdruck von seinem jüngsten Hoch abnimmt.
BlackRock-Manager sagen: „Diese Aussagen müssen letztlich durch Aktionen gestützt werden oder durch eine sinkende Inflation bestätigt werden.“ Das bedeutet, die Glaubwürdigkeit der Politik im Zeitalter Waller wird letztlich von der tatsächlichen Inflationsentwicklung und nicht von Worten bestimmt.
Anlagestrategie: Rendite zuerst, Kupon als König, gezielte Auswahl
Aus obigen Erkenntnissen leitet BlackRock vier zentrale Prinzipien für seine Anlagestrategie im Bereich festverzinslicher Anlagen ab:
Erstens: Rendite statt Richtungswette auf Duration. Der Bericht empfiehlt „zunächst eine renditeorientierte Strategie, bevor man größere Positionen auf Duration eingeht, solange die Daten den Marktwandel nicht klar verifizieren“. Rieder beschreibt dies als „dynamische Geduld“ – also sicherstellen, dass man Kupon erhält und die besten Chancen findet.
Zweitens: Kupon als Kerneinnahme im Kreditmarkt. Der Bericht sieht im Kreditmarkt weiterhin Potenzial für Arbitrage und das relativ geringe Risiko bedeutet, dass „zukünftige Erträge weniger von der Spread-Einengung abhängen, dafür mehr vom Wachstum von Einkommen und Zinseszinserträgen.“
Drittens: Verbriefte Vermögenswerte sind Firmenanleihen überlegen. Rieder stellt klar: „Der Verbriefungsmarkt bietet gegenüber dem Investment-Grade-Kreditmarkt weiterhin Wert. Im US-Investment-Grade gibt es viele Emissionen von Datenzentren und Cloudanbietern. Ich halte US-Investment-Grade für wenig attraktiv.“ Favorisiert werden derzeit Non-Agency-Hypotheken, Commercial Mortgage Backed Securities sowie Agency Mortgage Backed Securities – letztere haben eine niedrigere Zinsvolatilität als Unternehmensanleihen.
Viertens: Globale Diversifikation und taktische Allokation. Rieder diversifiziert in europäische Kreditmärkte – dort gibt es wenig Emissionen aus Rechenzentren und der Markt hat bereits drei Zinserhöhungen der EZB antizipiert. Außerdem setzt er taktisch auf Emerging Markets wie Mexiko, bleibt aber beim Dollar vorsichtig. Er verkauft Zinsvolatilität per Optionsstrategie, um die Rendite zu steigern.
Ein „Einkommensfenster“ im US-Anleihemarkt, das nur alle 20 Jahre entsteht?
Die 15,3 Billionen US-Dollar verwalteten Vermögens BlackRocks machen jeden Quartalsausblick zum „richtungsweisenden Barometer“ für die globalen Finanzmärkte. Angesichts der aktuell heftigen Schwankungen am US-Anleihemarkt ist die Kernbotschaft von BlackRock klar und entschlossen: Die langfristige 5 %-Rendite bietet ein ausreichend dickes „Sicherheitsnetz“, damit auch bei Zinsanstieg Anleihe-Inhaber eine positive Rendite erzielen.
Diese Einschätzung basiert auf drei Säulen: Ein sukzessiver Rückgang der Inflation, konzentrierte aber nicht absterbende Wirtschaftstreiber und die Umgestaltung des Fed-Rahmens im Waller-Zeitalter, welcher die Zinsvolatilität senken könnte. Für Investoren ist BlackRocks Weg klar: Hören Sie auf, jede Zinsbewegung timen zu wollen, konzentrieren Sie sich auf Einkommen durch Kuponzahlungen und selektive Investitionen in Verbriefungen und globale Kredite.
Rieder sagt: „Im Bereich Fixed Income nenne ich das dynamische Geduld – das heißt, sicherstellen, dass man Kupon erhält und die besten Gelegenheiten findet.“ Nach einem der heftigsten Zinszyklen seit Jahrzehnten wird der Anleihemarkt endlich wieder ein Bereich, in dem man mit Kupon verdient – und für BlackRock könnte dies das beste Fenster seit 20 Jahren sein.
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