US-Finanzministerin: Fort Knox' Billionen-Goldreserven sind „einwandfrei“, aber der Dollar verlässt sich schon lange nicht mehr auf sie
Im Mai dieses Jahres erklärte der US-Präsident Donald Trump in einem Interview, dass er den Tresor von Fort Knox in Kentucky öffnen wolle, um zu bestätigen, dass die US-Goldreserven noch vollständig intakt sind. Damals führte er das von ihm und dem damaligen Regierungsmitarbeiter Elon Musk im letzten Jahr vorgeschlagene Anliegen fort, nämlich eine Prüfung der Goldreserven zu fördern, um Verschwörungstheorien betreffend einen möglichen Goldraub nachzugehen.
Der US-Finanzminister Scott Bessent äußerte sich kürzlich dazu in einer Fox-News-Sendung. Er erklärte, dass die US-Goldreserven „buchhalterisch exakt“ seien, betonte aber gleichzeitig, dass dieses Gold heute keinen praktischen Bezug mehr zum Wert des Dollars habe.
Bessent sagte: „Die Finanzbeamten waren bereits in Fort Knox. Ich freue mich, allen mitteilen zu können, dass sämtliches Gold vorhanden ist, die Buchhaltung stimmt genau.Die USA besitzen die größten Goldreserven der Welt, deren aktueller Marktwert über eine Billion US-Dollar beträgt.“
Nach Angaben der United States Mint lagern im Goldbarren-Lager von Fort Knox derzeit etwa 147,3 Millionen Unzen Gold. Fort Knox wurde 1918 in Kentucky errichtet und war während des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie des Vietnamkriegs eine wichtige militärische Einrichtung der USA; das Goldlager entstand später und bewahrt seit 1937 den Großteil der US-Goldreserven.
Im Interview bei Fox News berichtete der Moderator Bessent, er habe gehört, dass die USA weiteres Gold aus Venezuela erhalten. Bessent bestätigte dies: „Wir haben viel aus Venezuela bekommen. Wir haben das Gold bekommen“, sagte er.
Der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Peter Schiff hatte Bessents Aussagen im Interview zu alten Goldzertifikaten und Silberzertifikaten zuvor als „fehlerhaft“ kritisiert und dessen Verständnis der US-Währungsgeschichte infrage gestellt.
Schiff postete auf Plattform X, dass Bessent irrtümlich angedeutet habe, Inhaber von alten Goldzertifikaten oder Silberzertifikaten könnten diese weiterhin gegen physische Gold- oder Silberbarren aus Fort Knox eintauschen. Schiff betonte, dass US-Goldzertifikate seit 1933 nicht mehr eingelöst werden können und die Einlösung von Silberzertifikaten 1968 endete.
„Wenn der amtierende Finanzminister so wenig über die Geschichte und den aktuellen Stand der US-Währung weiß, warum sollten wir seinen Zusicherungen zu den Goldreserven von Fort Knox vertrauen?“ fragte Schiff in seinem Beitrag.
Vom Goldstandard zur Fiatwährung
In den vergangenen Jahrzehnten war Fort Knox mit seinem strengen militärischen Sicherheitssystem ein bedeutendes Symbol für die Stabilität des US-Dollars und der US-Wirtschaft. Hintergrund ist das Gold Reserve Act von 1934, das festlegte, dass der Dollar durch Gold gedeckt sein musste.
Dieses System änderte sich grundlegend im Jahr 1971. Der damalige Präsident Richard Nixon hob den Goldstandard auf, woraufhin die US-Goldreserven ihre frühere wichtigste praktische Funktion verloren; Bessent wies in seinem aktuellen Interview ausdrücklich darauf hin.
Er sagte: „Früher haben wir Silber als Deckung genutzt, manchmal Gold. Ab den siebziger Jahren wechselten wir zum sogenannten Fiatgeld, das keine Gold- oder Silberreserven im Tresor erfordert. Aber falls es noch nicht eingelöste Zertifikate gibt, liegt das entsprechende Gold oder Silber in Fort Knox für den Notfall bereit.“
Die Einrichtung des Goldstandards 1934 legte auch den Grundstein für das Bretton-Woods-System ein Jahrzehnt später. Dieses System koppelte das internationale Währungssystem an Gold: Andere Währungen wurden an den Dollar gebunden, der wiederum an einen Goldpreis von 35 Dollar pro Unze gekoppelt wurde, was für stabile Wechselkurse im globalen Handel sorgte.
Doch in den 1960er Jahren geriet dieses System zunehmend ins Wanken. Die durch den Vietnamkrieg verursachten Kosten trieben die US-Inflation in die Höhe. Als große Mengen Dollar in Umlauf kamen, waren die US-Goldreserven nicht mehr ausreichend, um die wachsende Geldmenge zu decken, und der Dollar wurde überbewertet.
Andere Länder erkannten allmählich, dass die US-Goldreserven schrumpften. Frankreich brachte zwischen 1963 und 1966 Gold heimlich zurück ins eigene Land, weil es fürchtete, dass die wachsende US-Verschuldung den Dollar entwerten würde. Dies beschleunigte letztlich Nixons Entscheidung, 1971 das System zu beenden und den Goldstandard aufzuheben.
Wie der Petrodollar das Gold ersetzte
Mit dem Ende des Goldstandards verschwand die Verbindung zwischen dem Dollar und dem globalen Handel nicht — sie verlagerte sich auf Petroleum. Der Artikel betont, dass das Petrodollarsystem andere Währungen erneut an den US-Dollar koppelte, wobei diesmal als Kernwert nicht mehr Gold, sondern Erdöl diente.
1974, nach mehreren Ölkrisen, schloss die USA mit Saudi-Arabien ein Abkommen: Saudi-Arabien verkaufte Öl nur gegen US-Dollar, während die USA militärische Unterstützung bereitstellten. Mit diesem System erreichte Nixon sein Ziel, die weltweite Nachfrage nach dem Dollar durch Erdöl – einem Grundrohstoff, auf den fast alle Industrien angewiesen sind – aufrechtzuerhalten.
Mit steigenden Dollarreserven in den Ölförderländern flossen diese Gelder in den Markt für US-Staatsanleihen. Dadurch wurde die zentrale Rolle des Dollar im internationalen Handel und im globalen Finanzsystem weiter gefestigt.
Steigender Druck zur Entdollarisierung
Ein Beitrag auf dem Portal „Fortune“ zufolge boten sowohl der Goldstandard als auch der Petrodollar in verschiedenen Epochen Stabilität für den globalen Handel, jedoch könnte die neue geopolitische Spannung eine schnellere Schwächung der dominierenden Rolle des Dollars bewirken. Ein Zeichen dafür: Der Anteil des Dollars an den weltweiten Devisenreserven fiel von 71 % im Jahr 1999 auf nur noch 57 % — der niedrigste Wert seit 25 Jahren.
Seit der Schließung der Straße von Hormus Ende Februar berichten Branchenexperten, dass einige Schiffe das wichtige Seegebiet durch Zahlung in Renminbi passieren konnten. Der Artikel bezeichnet dies als Teil einer stillen Diversifikation des Handels und der Abwicklungswährungen in den Golfstaaten, nachdem die Trump-Regierung eine Reihe von Sanktionen verhängt hatte.
Im weiteren Verlauf wird berichtet, dass Frankreich zwischen Juli 2025 und Januar dieses Jahres seine gesamten 129 Tonnen Goldreserven von der Federal Reserve Bank in New York abgezogen, in Paris neu gelagert und durch einen Verkauf 15 Milliarden Dollar Gewinn erzielt hat. Französische Beamte betonten, dass diese Maßnahme ohne politische Motive erfolgt sei.
Sana Ur Rehman, Marktanalystin der EBC Financial Group, erklärte im Mai in einem Bericht an Kunden, dass Frankreichs Rückholung von Gold und Kanadas Einrichtung eines Sovereign Wealth Fund mit 25 Milliarden Dollar zur Reduzierung der Abhängigkeit von der US-Wirtschaft zeigen, dass die Entdollarisierung in eine neue Phase eingetreten ist. Ihrer Ansicht nach haben Zölle und andere Unsicherheiten im internationalen Handel teilweise das Vertrauen in den Dollar untergraben und so den Wandel gefördert.
Ur Rehman schrieb im Bericht: „Dies sind keine feindlichen Schritte. Es handelt sich um Aktionen von Verbündeten und Partnern — sie haben beobachtet, wie die USA das US-Dollar-Finanzsystem zur Waffe machen und ziehen leise den Schluss, dass sie ihr Risiko gegenüber dem Dollar reduzieren müssen.“
Sie schrieb weiter: „Dieser Wandel wird von Verbündeten und nicht von Gegnern vorangetrieben — das macht den aktuellen Moment zu etwas völlig anderem als in irgendeiner Phase der vergangenen achtzig Jahre der US-Dollar-Dominanz.“
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