Ergebnisvorschau zum Quartalsbericht | Angesichts des doppelten Gegenwinds durch rückläufige Verkaufszahlen und nachlassenden Elektroauto-Boom: Kann General Motors (GM.US) mit seiner starken Preissetzungsmacht die Gewinnzone verteidigen?
General Motors (GM.US) wird am Dienstag vor Börsenbeginn die Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlichen. Trotz rückläufiger Verkaufszahlen erwarten Investoren weiterhin, dass einer der drei größten US-Autobauer sein Gewinnwachstum fortsetzt.
Wie „Smart Finance APP“ berichtet, wird General Motors (GM.US) am Dienstag vor Börsenbeginn seinen Quartalsbericht für das zweite Quartal veröffentlichen. Trotz rückläufiger Verkaufszahlen erwarten Investoren, dass einer der drei großen US-Autobauer weiterhin Gewinnwachstum erzielt. Der Markt rechnet mit einem zweiten Quartalsumsatz von 46,61 Milliarden US-Dollar, was etwa 1 % weniger wäre als im Vorjahreszeitraum (47,1 Milliarden US-Dollar). Das bereinigte Ergebnis je Aktie wird auf 3,18 US-Dollar geschätzt, das bereinigte EBIT auf 3,7 Milliarden US-Dollar.
Zum Vergleich: Das bereinigte EBIT von General Motors betrug im zweiten Quartal des Vorjahres 3 Milliarden US-Dollar – diese Zahl wurde damals durch hohe Zölle stark belastet, aber mit Wirkung der staatlichen Ausgleichsmaßnahmen konnten die Belastungen durch Zölle verringert werden.
Zusätzlich zu den Ausgleichsmaßnahmen, die die Zollausgaben reduziert haben, hat General Motors im vergangenen Jahr kontinuierlich die Lieferkette umstrukturiert, das Produktionslayout angepasst und mit Zulieferern verhandelt, um die Auswirkungen der Zölle abzumildern.
Aus diesem Grund hat General Motors bei der Veröffentlichung des Quartalsergebnisses im April die Gesamtprognose für das Jahr 2026 nach oben korrigiert.
Jedoch, obwohl die Entlastung durch die Zölle zur Verbesserung der Gewinnsituation beiträgt, sind die Umsätze rückläufig. General Motors verkaufte im zweiten Quartal in den USA etwa 715.000 Fahrzeuge, was einem Rückgang von 4,2 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht, bleibt aber dennoch der meistverkaufte Autohersteller in den USA.
Das Unternehmen erklärt, dass der Rückgang der Verkaufszahlen hauptsächlich auf eingestellte Modelle zurückzuführen ist, wie den Cadillac XT4 und XT6 sowie den Chevrolet Malibu. Zudem ist die Nachfrage nach Elektroautos nach dem Auslaufen der steuerlichen Förderung deutlich zurückgegangen – diese Maßnahme hat die Nachfrage bis Ende 2025 vorweggenommen.
Die Verkaufszahlen des Chevrolet Equinox EV brachen um 61,8 % ein, der Blazer EV um 68,1 %, und der GMC Hummer EV fiel um 56,8 %. Dennoch baut General Motors seinen Marktanteil im Bereich Elektroautos weiter aus und liegt mit einem Anteil von etwa 13,5 % bis 14 % hinter Tesla auf dem zweiten Platz.
Die Pickups und großen SUVs von General Motors mildern die Auswirkungen ab. Die Verkaufszahlen des GMC Sierra stiegen um 5 % auf 95.147 Fahrzeuge – ein neuer Quartalsrekord für dieses Modell. Der Gesamtabsatz von leichten Pickups wuchs um 4 %.
General Motors erklärt, man sei auf dem besten Weg, im siebten Jahr in Folge die Führung im Segment der Full-size-Pickups zu behaupten, mit einem Marktanteil von knapp 42 %. Auch die Crossover-Modelle trugen zum Wachstum bei: Chevrolet Traverse mit plus 19,5 % und Trailblazer mit plus 28,4 %.
Für die Gewinnmargen entscheidend ist laut General Motors, dass all dies ohne Rabatte erzielt wurde. Der durchschnittliche Verkaufspreis im Quartal lag bei über 52.400 US-Dollar, und die Anreize blieben laut Unternehmen im dritten Jahr in Folge unter dem Branchendurchschnitt.
Doch die Erschwinglichkeit von Fahrzeugen bleibt in den USA ein Problem: Hohe Zinssätze und rekordverdächtige Verkaufspreise belasten die Käufer. Eine verknappte Lagerhaltung hat bereits die Verkäufe von Full-size-SUVs beeinträchtigt: Tahoe – minus 8,1 %, Suburban – minus 20,4 %.
Das zeigt, dass selbst die starke Gewinnmaschine General Motors nicht vollständig gegen makroökonomische Gegenwinde immun ist. Die Sorgen um das Unternehmen und die gesamte Branche machen die Anleger bei General Motors vorsichtig – die Aktie ist seit Jahresbeginn um rund 8 % gefallen und hat schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt.
Gewinnverbesserung als Konsens
Die Analysten sind sich hinsichtlich der verbesserten Ertragskraft von GM im laufenden Quartal einig. Die Erwartungen zeigen, dass das EBIT von General Motors im zweiten Quartal voraussichtlich 3,7 Milliarden US-Dollar erreichen wird und somit deutlich über den 3 Milliarden US-Dollar des Vorjahresquartals liegt. Dieser sprunghafte Anstieg ist vor allem den wirksamen Ausgleichsmaßnahmen für Zölle sowie der Umstrukturierung der Lieferkette zu verdanken, die die Kosten gesenkt haben. Chris McNally von Evercore ISI kommentierte nach dem GM-Quartalsbericht: "Das ist eine sehr starke Prognose."
Bankhäuser wie Morgan Stanley und JPMorgan betonen, dass das Verbrennergeschäft von General Motors (besonders Full-size-Pickups und große SUVs wie GMC Sierra und Chevrolet Traverse) weiterhin eine absolute Cash-Cow darstellt. Die Analysten heben hervor, dass General Motors den durchschnittlichen Verkaufspreis (ATP) im zweiten Quartal bei über 52.400 US-Dollar gehalten hat und die Rabatte seit drei Jahren unter dem Branchendurchschnitt liegen, was die starke Preissetzungsmacht und die robuste Gewinnmarge unterstreicht.
RBC Capital hält in der aktuellen Studie an ihrer „Outperform“-Bewertung fest. Die Analysten zeigen auf, dass mit der Umgestaltung der Lieferketten und der Umsetzung der Zoll-Ausgleichsmaßnahmen die kostenintensiven Zölle, die im Vorjahr die Gewinne schmälerten, nun marginal verbessert werden. Der Fokus liegt darauf, ob General Motors in diesem Quartalsbericht seine jährliche EBIT-Prognose (bereinigt: 13,5 bis 15,5 Milliarden US-Dollar) auf das obere Ende der Spanne anheben wird.
Umsatz stagniert
Im Gegensatz zu den positiven Erwartungen beim Gewinn ist das Umsatzwachstum von General Motors nahezu zum Erliegen gekommen. Der Konsens sieht den Quartalsumsatz im zweiten Quartal bei 47,09 Milliarden US-Dollar – fast unverändert zum Vorjahr. Dieses "stabile Umsätze, hohe Gewinne"-Modell macht die Entwicklung der Gewinnmargen zum zentralen Thema des Berichts.
Die Analysten beobachten genau, ob General Motors die Gewinnexpansion trotz stagnierender Umsätze aufrechterhalten kann. Das Analysemodell von TIKR prognostiziert für General Motors auf lange Sicht eine jährliche Umsatzerhöhung von nur 1,2 % – die Gewinnausweitung wird primär vom verbesserten Produktmix, Preisdiziplin und strikter Kostenkontrolle abhängen, nicht von steigenden Verkaufszahlen. Das derzeitige Forward-KGV von etwa 6,6 spiegelt eine Stabilisierungserwartung wider; um eine höhere Bewertung zu erzielen, muss GM die Nachhaltigkeit des freien Cashflows, den erfolgreichen Marktstart der neuen Pickups und greifbare Fortschritte beim Profitabilitätspotenzial des Elektroautogeschäfts nachweisen.
Elektroautos: Vom Wachstumsmotor zum Belastungsfaktor
Elektroautos waren einst der zentrale Werttreiber für die Neubewertung von General Motors, doch inzwischen sind sie das umstrittenste Thema unter Analysten. Nach dem Auslaufen der steuerlichen Förderung wurde die Nachfrage stark vorweggenommen; das Unternehmen warnte bereits davor, dass der Markt nach dem Auslaufen der Steueranreize schwächer werden wird.
Wells Fargo bewertet General Motors weiter mit „Underweight“ und einem Kursziel von 60 US-Dollar. Die Bank warnt, dass sich mit dem Auslaufen der Subventionen und der Vorwegnahme der Nachfrage das Elektroautosegment deutlich abkühlt; außerdem schränken die hohen Zinsen für Autokredite die Kaufkraft der Kunden ein, und bei Modellen wie Tahoe und Suburban zeigen sich bereits Lagerengpässe und Nachfragedruck.
Allerdings wird die strategische Rückführung im Elektroautomarkt von General Motors von einigen Analysten auch befürwortet. Sie argumentieren, dass die Verlagerung vom aggressiven Produktionsausbau hin zur Profitabilität die Risiken von Überkapazitäten und niedrigen Gewinnmargen im schnelllebigen Elektroautomarkt begrenzt. Gleichzeitig behauptet General Motors mit rund 13,5 % bis 14 % weiterhin einen stabilen zweiten Platz im US-Elektroautomarkt hinter Tesla und sichert sich damit die langfristige Transformation.
Insgesamt basiert der Optimismus der Wall Street gegenüber General Motors auf der Kapitalallokationslogik der „niedrigen Bewertung (nur ca. 5,4 Forward-KGV) + hohem freien Cashflow + fortlaufenden Aktienrückkäufen“. Zum Berichtstermin werden die Investoren vor allem die aktuelle Haltung des Managements zur makroökonomischen Konsumnachfrage für das zweite Halbjahr, zur Strategie für die Verlangsamung im Elektroautomarkt sowie zu den Rückkaufprogrammen genau beobachten.
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