Gold bleibt unter der Abwärtstrendlinie gefangen
Seit Juli setzt Gold seine Schwäche fort. Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten und die weiter abkühlende CPI, beides eigentlich positive Nachrichten für den Goldpreis, konnten in der Realität keine Wirkung entfalten. Der Goldpreis bewegt sich entlang der absteigenden Trendlinie auf Tagesbasis langsam nach unten, jeder intraday Rebound endet abrupt an der Trendlinie. Positive Nachrichten führen nicht zu Kursanstiegen – dies ist das ehrlichste Signal am aktuellen Markt.
1. Positive Nachrichten wirken nicht mehr
Nach dem Schlusskurs des Goldpreises von 3975 USD am 25. Juni trat der Markt in ein unbehagliches Muster ein. Anfang Juli lag die Zahl der neuen Arbeitsplätze deutlich unter den Erwartungen, der Goldpreis stieg kurzzeitig, gab jedoch sämtliche Gewinne wieder ab; anschließend kühlte die CPI weiter ab, die Kerninflation näherte sich erneut der Marke von 2 %, doch der Goldpreis blieb weiterhin unbeeindruckt.
Dies ist keine gewöhnliche Seitwärtsbewegung. „Positive Nachrichten führen nicht zu Kursanstiegen“ bedeutet, dass der Markt die guten Nachrichten bereits vollständig eingepreist hat oder dass eine stärkere Kraft die Long-Seite unterdrückt und Widerstand unmöglich macht. Unabhängig davon bleibt das Fazit: Der Verkauf dominiert, nicht der Kauf. In den letzten drei Wochen war jeder Rebound genau durch dieselbe abwärts verlaufende Trendlinie begrenzt. Diese Linie, die sich seit Januar von 5417 USD herzieht, stellt für die Long-Seite eine unüberwindbare Decke dar.
2. Technische Analyse: Unterstützung wird aufgebraucht
Der absteigende Tageskanal ist sehr deutlich: Die Rebound-Hochs 5419 (März) → 4889 (April) → 4774 (Mai) → 4546 (Juni) → 4220 (Juli) sinken nacheinander, das gleitende Durchschnittssystem ist bärisch angeordnet, ohne Anzeichen einer Konvergenz.
Die Marke von 3950 USD, das vorherige Tief, stellt die erste Verteidigungslinie dar. Nach dem Flash Crash am 24. Juni hat sich der Kurs zwar zurückerholt, aber seit Juli wurde diese Unterstützung mehrfach getestet. Jeder Test dieser Unterstützung zehrt sie weiter auf; es ist keine unüberwindbare Wand, sondern eine Tür, die immer wieder angetastet wird.
Fällt die 3950er Marke, liegt die nächste Unterstützung bei 3880 USD – das Tief von Oktober letzten Jahres und damit die letzte Konsolidierungszone vor Beginn des aktuellen Bullenmarktes. Nach einem effektiven Durchbruch öffnet sich der Weg nach unten bis 3500 USD. Nach oben muss die Trendlinie (aktuell etwa im Bereich 4150-4200) mit Volumen durchbrochen werden, um den ersten Schritt zur Umkehr zu bestätigen. Der RSI bleibt auf Tagesbasis schwach, das MACD pendelt unterhalb der Nulllinie und es ist keine Bodenbildung in Sicht. Das derzeitige Marktumfeld befindet sich noch nicht in einer Endphase mit extremen Überverkauft; wahrscheinlicher ist ein mittleres Stadium des nachlassenden Trends.
3. Makro: Warum wirken die positiven Nachrichten nicht?
Die Ölpreise sind in den letzten Monaten kontinuierlich gefallen, die abgekühlte CPI bestätigt lediglich bereits bekannte Informationen und bietet keine neuen Erkenntnisse – der Grenznutzen tendiert gegen Null. Hinzu kommt, dass die Fed und Zinssenkungen in immer weiterer Ferne liegen, und Gold als Nullzins-Anlage leidet unter einem natürlichen negativen Carry. Am grundlegendsten ist jedoch, dass der Markt vom Narrativ der „De-Dollarisierung“ zurück zum Narrativ „Zinsen bleiben länger höher“ schwenkt. Bei 5400 USD wurde die Rissbildung im Dollar-System gehandelt, was wird unter 4000 USD gehandelt? Solange kein neues Narrativ entsteht, fehlt Gold eine Story für Kursanstiege.
4. Ausblick und Strategie: Warten auf Signale, das Messer nicht fangen
Dreifaches Signal: Positive Nachrichten führen nicht zu Kursanstiegen, die Rebounds werden an der Trendlinie geblockt, Unterstützung wird wiederholt getestet – kurzfristig ist das Abwärtsrisiko größer als das Aufwärtsrisiko.
Bears nutzen die Trendlinie als dynamischen Stop-Loss; solange der Preis nicht nachhaltig darüber ausbricht, bleibt die Struktur intakt. Unterhalb wird nach einem Durchbruch der 3950er Marke die 3880er Marke angesteuert. Für Long-Positionen sind die Bedingungen noch nicht gegeben – warten auf zwei Signale: Erstens ein Volumenschub mit langem unteren Schatten oder Bodenformation im Bereich 3950-3880, zweitens ein Volumenausbruch über die Trendlinie mit anschließendem Rücksetzer zur Bestätigung. Solange dies nicht eintritt, sollte man kein fallendes Messer fangen.
Von 5417 auf unter 4000 – ein Rückgang von über 26 %. Nach solch einem massiven Absturz kommt meist ein ordentlicher Rebound, aber zwischen „es wird einen Rebound geben“ und „jetzt den Boden kaufen“ liegt eine Trendlinie. Es ist sinnvoller, den Trend sich entwickeln zu lassen, als das Tief zu erraten.
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