S&P senkt die Bonitätsbewertung von Oracle und bezeichnet OpenAI als „Kreditrisiko“
S&P Global hat das Kreditrating von Oracle um eine Stufe herabgesetzt. Begründet wurde dies mit erheblichen Überausgaben im Bereich der KI-Geschäftsinvestitionen und einem erheblichen Risiko aufgrund der hohen Abhängigkeit von OpenAI.
Am 12. Juli hat S&P Global das Kreditrating von Oracle von "BBB" auf "BBB-" herabgestuft, was nur eine Stufe über dem Ramschniveau liegt. S&P führte in seinem Ratingbericht OpenAI ausdrücklich als "entscheidendes Kreditrisiko" von Oracle auf und wies darauf hin, dass der Cash-Verbrauch im KI-Geschäft von Oracle die Erwartungen deutlich übertrifft – die Investitionsausgaben wurden von zuvor 60 Milliarden US-Dollar auf 95 Milliarden US-Dollar bis 2027 hochgestuft, während entsprechende Einnahmen erst in einigen Jahren realisiert werden können. Diese Herabstufung spiegelt direkt wider, dass die Sorge bezüglich der finanziellen Widerstandsfähigkeit von Oracle am Markt zunimmt.
Von den vertraglichen Verpflichtungen von Oracle in Höhe von 638 Milliarden US-Dollar entfallen etwa die Hälfte auf OpenAI. S&P warnt, dass Oracle im Falle einer betrieblichen Krise von OpenAI auf erhebliche, unausgelastete Kapazitäten in seinen Rechenzentren stoßen würde, wodurch der finanzielle Druck stark ansteigen würde.
Gleichzeitig nehmen die Marktzweifel am eigenen Wert von OpenAI zu – Berichten zufolge wurde das Kreditvolumen, das SoftBank gegen OpenAI-Aktien als Sicherheit vergeben hat, bereits von 10 Milliarden US-Dollar auf 6 Milliarden US-Dollar reduziert, weil Kreditgeber das private Unternehmen nicht angemessen bewerten können. Zudem wurde vergangenes Monatsende berichtet, dass die geplante OpenAI-IPO nun auf 2027 verschoben wurde.
Investitionsausgaben außer Kontrolle, KI-Geschäft verbraucht mehr Geld als erwartet
Das Kernargument für die Herabstufung durch S&P sind die stark gestiegenen Investitionen in die KI-Infrastruktur durch Oracle. Laut S&Ps jüngster Prognose werden die Investitionsausgaben von Oracle bis 2027 95 Milliarden US-Dollar erreichen, was mehr als 50% über der vorherigen Schätzung von 60 Milliarden US-Dollar liegt.
Das Problem ist, dass sich die Amortisationszeit dieser riesigen Investitionen als lang gestaltet. S&P weist darauf hin, dass zugehörige Einnahmen erst in einigen Jahren substanziell fließen werden. Das bedeutet, Oracle bleibt für einen langen Zeitraum in einem Zustand hoher Cash-Burn, wobei der freie Cashflow deutlich unter Druck steht. Für Anleiheinvestoren mindert dies direkt die Pufferkapazitäten zur Schuldentilgung.
"BBB-" ist die niedrigste Stufe im Investment-Grade-Bereich, eine weitere Herabsetzung würde den Einstieg in den High-Yield- (Ramsch-) Anleihenbereich bedeuten.
Analysten betonen, dass diese Position tatsächliche Auswirkungen auf die Finanzierungskosten und die Struktur der Anleiheinvestoren von Oracle hat – bestimmte institutionelle Investoren, die nur Investment-Grade-Anleihen halten dürfen, wären gezwungen, Oracle-Anleihen im Fall einer weiteren Herabstufung zu reduzieren.
Diese Rating-Aktion ist ein wichtiger Risikohinweis im aktuellen Hype um Investitionen in KI-Infrastruktur: große Investitionsausgaben in Kombination mit einer stark konzentrierten Kundenbasis verwandeln die Begeisterung für das Thema KI in messbares Kreditrisiko am Anleihemarkt.
Gleichzeitig hat S&P OpenAI als "entscheidendes Kreditrisiko" für Oracle eingestuft, und das mit konkreten Daten als Grundlage. Von den vertraglichen Verpflichtungen von Oracle in Höhe von 638 Milliarden US-Dollar entfallen auf OpenAI etwa die Hälfte – diese hohe Kundenkonzentration ist unter den großen Cloud-Dienstleistern selten.
Die Argumentationskette von S&P ist klar: gerät OpenAI in finanzielle Schwierigkeiten oder geht gar insolvent, müsste Oracle große Mengen ungenutzter Rechenzentrumskapazitäten übernehmen – ohne entsprechende Einnahmen zur Deckung der Betriebs- und Abschreibungskosten. In diesem Szenario würde die Bilanz von Oracle erheblich belastet.
S&P betont zudem, dass im Vergleich dazu Amazon AWS, Google und Microsoft über große interne Workloads verfügen, die überschüssige Kapazitäten bei schwacher externer Nachfrage absorbieren könnten. Zudem verfügen alle drei über erheblich stärkere finanzielle Reserven. Dennoch gibt S&P zu, dass im Falle eines Zusammenbruchs von OpenAI auch die Bilanzen dieser Tech-Giganten schwer getroffen würden.
Bedenken hinsichtlich OpenAI kommen nicht allein von S&P. Berichten zufolge wurde das von SoftBank vergebene Kreditvolumen gegen OpenAI-Aktien aufgrund der Schwierigkeiten, das private Unternehmen angemessen zu bewerten, von 10 Milliarden US-Dollar auf 6 Milliarden US-Dollar reduziert. Diese Einzelheit zeigt, dass unter dem KI-Hype die institutionellen Investoren große Unsicherheiten bezüglich der tatsächlichen Bewertung von OpenAI haben.
Zudem schrieb Wallstreet Nachrichten (Wallstreet News), dass die geplante OpenAI-IPO nun auf 2027 verschoben wurde. Das bedeutet, dass der Markt für eine lange Zeit weiterhin keinen öffentlichen Marktpreis zur Überprüfung ihrer Bewertung zur Verfügung hat. Für die Gläubiger von Oracle bleibt diese Unsicherheit und stellt eine dauerhafte Quelle für Kreditdruck dar.
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