Steigen wird fallen? Fallen wird steigen? Zwei große Risiken und eine große Vermögensmöglichkeit im zweiten Halbjahr, die du kennen musst!
Was musst du unbedingt wissen, wenn du in der zweiten Jahreshälfte in US-Aktien investieren möchtest? Manche sagen: Halbleiter – das ist der aktuelle Star des Marktes. Andere setzen auf AI-Anwendungen – vielleicht die nächste große Chance für Reichtum. Wieder andere halten die Zinserhöhungen der Fed für das größte Risiko. Es gibt auch Stimmen zum Thema Zwischenwahlen – mit Trump wird es garantiert Unruhe geben. Manche sagen, die US-Aktien werden in der zweiten Jahreshälfte stark fallen, andere erwarten bis Jahresende einen deutlichen Anstieg.
Wie wird sich der US-Aktienmarkt in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich entwickeln? Ich investiere nun schon seit über zehn Jahren in US-Aktien und betreibe seit mehr als sechs Jahren einen Finanzblog. Der aktuelle US-Markt ist ohne Zweifel der volatilste, diskutierteste und am stärksten polarisierte, den ich je gesehen habe. Nirgendwo sonst gab es so viel Begeisterung, aber gleichzeitig auch so viel Angst und Anspannung.
Gerade in solchen Zeiten ist es meiner Meinung nach wichtiger denn je, dass wir als Investoren einen kühlen Kopf bewahren, gründlich recherchieren, Daten heranziehen und den Markt analysieren. Nun ist das Jahr 2026 schon halb vorbei, und wie es Tradition ist, wird es Zeit für meinen Ausblick auf die zweite Hälfte des US-Aktienjahres. In diesem Video präsentiere ich euch daher eine umfassende Marktanalyse, entferne das Rauschen und zeige auf, was bei US-Aktien wirklich zählt. Wo gibt es Chancen, wo lauern Risiken, und wie sollte man überhaupt in das Schlüsselthema AI investieren? Nach diesem Video hast du Klarheit für deine Investmententscheidungen – und mehr Ruhe für deine Anlagen.
Zinserhöhungs-Krise
Der Amtsantritt des neuen Fed-Vorsitzenden Wosh hat dem Markt einen Dämpfer verpasst. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Powell ist Wosh extrem restriktiv eingestellt und scheint wenig bereit, regelmäßig mit dem Markt zu kommunizieren. Dies hat die Angst vor Zinserhöhungen weiter angeheizt. Derzeit wird am CME-Markt allgemein erwartet, dass in diesem Jahr mindestens ein- bis zweimal die Zinsen steigen werden. Das ist aktuell das mit Abstand größte Marktrisiko. Geschichtlich gesehen musste der US-Aktienmarkt fast nach jeder Zinserhöhung eine deutliche Korrektur hinnehmen. Droht uns diesmal das gleiche Risiko?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, warum die Fed überhaupt die Zinsen anheben will. Die Antwort ist klar: die Inflation. Auf der jüngsten Fed-Sitzung wurde für das Jahresende eine Kern-PCE-Prognose von 3,2 % genannt. Was bedeutet das? Im ersten Halbjahr lag der Wert bei 3,1 %, und das trotz Krieg und explodierender Ölpreise. Jetzt ist der Krieg im Wesentlichen vorbei, die Ölpreise fallen, doch die Fed erwartet steigende Inflation? Das ist schon ein ernstes Problem. Aber wird es auch tatsächlich so kommen? Schauen wir uns die Daten an.
Im ersten Halbjahr war der wichtigste Inflationstreiber der Ölpreis. Auch die aktuellen Inflationssorgen der Fed lassen sich darauf zurückführen, dass die befürchteten Weitergabe-Effekte steigender Ölpreise die Preise weiter antreiben. Hier ist also eine genaue Ölpreis-Analyse entscheidend.
Im Schaubild siehst du die WTI-Rohöl-Futures-Preise. Der Ölpreis fiel von Kriegshochs bei 110 Dollar auf jetzt 68 Dollar und hat sich damit fast halbiert. Es gibt sogar noch weiteres Abwärtspotenzial für den Ölpreis.
Dieses Diagramm zeigt die laut Bloomberg gezählten Schiffe im Kanal. Obwohl die Durchfahrt offiziell wieder offen ist, liegt die Zahl der Schiffe, die den Kanal verlassen, nur bei 20–40% des Normalniveaus. Daraus ergibt sich weiteres Potenzial beim Kanal, und das Ölangebot dürfte weiter steigen.
Wichtiger noch: Der Öl-Engpass der letzten Monate führte dazu, dass die US-Ölexporte von täglich 3 Millionen Barrel im Vorjahr auf nun 8 Millionen Barrel täglich förmlich explodiert sind. Hinzu kommt das freiere Angebot aus Venezuela, die gelockerten Sanktionen gegen den Iran und den OPEC-Ausstieg der Emirate: Das Marktangebot könnte also noch massiv steigen.
Man sieht also: Im Kanal stapeln sich die Öltanker, draußen wird kräftig gefördert – ein hohes Angebot wird die Preise wohl weiter drücken. Nicht vergessen: Nach den hohen Ölpreisen im ersten Halbjahr sorgt der Basiseffekt im nächsten Jahr zudem für niedrigere Inflation. Wahrscheinlich wird der Markt rasch erkennen, dass Öl nicht nur kein Inflationsrisiko mehr darstellt, sondern sogar eine deflationäre Wirkung entfalten könnte. Damit ist das Risiko von Zinserhöhungen bis Jahresende wohl geringer als gedacht.
Neben den Ölpreisen ist der wichtigste Inflationsfaktor die Kern-Dienstleistungsinflation. Dieser Bereich ist äußerst träge, und wenn sie erst einmal anzieht, ist sie schwer zu kontrollieren – hier schaut die Fed besonders genau hin. Wie steht es um die aktuelle Entwicklung? Wir müssen zwei Bereiche analysieren.
Erstens die Löhne. Laut der Lohnverfolgung der Atlanta Fed ist das Lohnwachstum in letzter Zeit stetig gesunken und zeigt keine Anzeichen für einen Rebound. Aktuell liegt die Wachstumsrate bei vernünftigen 3,8 %. Auch die gerade veröffentlichten NFP-Daten zeigen mit einem Gehaltsanstieg von 0,3 % zum Vormonat ein sehr vernünftiges Niveau. Aus Lohndaten lässt sich also keine Inflationsgefahr ableiten.
Ein weiterer wichtiger Faktor für die Dienstleistungsinflation sind die Mieten. Im zuletzt veröffentlichten CPI gab es bei den Mieten einen leichten Anstieg, manche befürchten einen Bruch des Abwärtstrends. Doch Daten von Zillow, der größten US-Plattform für Hausverkäufe, bieten eine Prognose von 12 bis 18 Monaten. Diese zeigen klar, dass die Mieten im vergangenen Jahr kontinuierlich gesunken sind, der CPI dürfte also weiter abwärts tendieren.
Ein Wort noch zu den steigenden Chip- und Speicherpreisen – manche sorgen sich, dass dies die Inflation anheizt. Doch dieser Effekt ist klein, weil Speicherchips nur einen geringen Anteil am täglichen Konsum besitzen. Laut Goldman Sachs liegt der maximale Einfluss des aktuellen Preisanstiegs bei Chips auf den Kern-CPI bei gerade mal 0,1%. Aufgrund unterschiedlicher Gewichtung ist der Einfluss auf den Kern-PCE mit 0,35% etwas höher, aber über ein Jahr betrachtet, ist dieser Effekt fast vernachlässigbar.
Wie du siehst, gibt es in den kommenden 6 bis 12 Monaten wenig Aufwärtsdruck bei der Dienstleistungsinflation, während der Energiepreis deutlich abwärtsgerichtet ist. Solange keine neuen geopolitischen Risiken auftreten, ist die Inflationsgefahr tatsächlich rückläufig.
Mit diesen Daten und Analysen kehren wir zur Ausgangsfrage der Fed-Zinserhöhungen zurück: Wenn Zinserhöhungen lediglich der Inflationsgefahr dienen und diese gar nicht besteht, warum also auf Zinserhöhungen beharren? Meiner Meinung nach überschätzt der Markt die Gefahr weiterer Zinsschritte eindeutig. Die wahre Gefahr ist geringer als befürchtet. Ich glaube, dass es am Ende in diesem Jahr höchstwahrscheinlich keine weiteren Zinsschritte geben wird. Daher halte ich auch einen massiven Kurseinbruch der US-Aktien, ausgelöst durch Zinssorgen, für unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Solche Schwankungen sehe ich als Kaufgelegenheiten.
Doch manche fragen: Bist nur du so schlau? Sehen die Fed-Offiziellen die Zahlen nicht? Warum prognostizieren sie steigenden PCE und zeigen auf dem Dotplot zwei oder drei Zinsschritte bis Jahresende? Ehrlich gesagt habe ich während meiner Recherchen intensiv nach Gründen gesucht, die die steigende Inflation aus Sicht der Fed begründen könnten – aber ich fand keine. Auch große Investmentbanken sind ratlos; ihre Berichte drücken die gleiche Verwunderung aus.
Falls man eine Begründung liefern möchte, gibt es die Theorie, dass bei den Fed-Prognosen der Iran-Krieg noch nicht völlig beendet war und daher eine pessimistische Ölpreisprojektion angesetzt wurde. Möglich ist das. Ich glaube jedoch, dass das neue Fed-Team eher Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation demonstrieren möchte. Nur ein ausreichend restriktives Auftreten signalisiert der Bevölkerung, dass der neue Fed-Chef weder der Präsidenten- noch der Wall Street-Marionette ist, sondern fest an der Seite des Volks für stabile Preise kämpft.
Als Anleger müssen wir nicht über das kurzfristige Verhalten der Fed spekulieren. Ob Taube oder Falke entscheidet am Ende niemand von uns. Was wir hingegen einschätzen können, ist die zugrunde liegende Marktlogik – nämlich die Richtung der Inflation. Solange diese weiter sinkt, bleibt selbst eine abermalige Zinserhöhung eine Beschleunigung des Inflationsrückgangs, aber keine Dämpfung einer Überhitzung. Das unterscheidet sich radikal von früheren Zinserhöhungszyklen. Daher gefährdet das den Markt auch diesmal viel weniger.
Wahldramen zur Zwischenwahl
Im November stehen die Zwischenwahlen an. Historisch betrachtet sind Jahre mit Zwischenwahlen immer von besonders hoher Volatilität geprägt. In letzter Zeit hatten die Zwischenwahlen zwar kaum Einfluss auf den Markt, künftig dürfte sich das aber rasch ändern.
Das nächste Schaubild zeigt die Volatilitätsentwicklung der US-Aktien in Zwischenwahl- und normalen Jahren. Von Juni bis Oktober sind die Ausschläge in Wahljahren (blau) deutlich größer.
Beim Blick auf die Rendite ist die Lage noch ungünstiger – besonders von Juni bis September bieten Wahljahre deutlich geringere Renditen als normale Jahre.
Auch wenn wir Märkte nicht allein anhand der Historie beurteilen sollten, hat sie doch häufig ihre Berechtigung. In Wahljahren werden vor allem in den Monaten vor der Abstimmung zahlreiche neue Maßnahmen und Wahlkampf-Statements beider Parteien auf den Markt einwirken – das bringt Unsicherheit. Hinzu kommt diesmal Trump, der für zusätzliche Volatilität sorgt. Wer weiß, ob wieder ein Handelskrieg losgetreten wird, oder Überraschungen in Chip- oder AI-Politik bevorstehen? Alles ist möglich – und das verstärkt das kurzfristige Marktrisiko.
Langfristig betrachtet ist der Effekt der Zwischenwahlen aber gering: Schon aus den Schaubildern sieht man, dass die Rendite nach Oktober in Wahljahren in der Regel wieder kräftig steigt. Die Risiken werden freigesetzt und anschließend kompensiert – ein typischer Rebound. Dieses Mal dürfte der Ausschlag sogar größer sein. Warum?
Das nächste Bild zeigt die von Polymarket ermittelte Wahrscheinlichkeiten für beide Parteien. Die Demokraten werden wohl das Repräsentantenhaus mit 84% Wahrscheinlichkeit kontrollieren. Im Senat ist das Rennen noch offen, aktuell führen die Republikaner mit 57 %. Ein Machtgleichgewicht zwischen beiden Kammern entspricht exakt dem, was der Markt am meisten mag – es verhindert radikale Gesetzgebung und bringt Stabilität. Davon profitieren meist die Kurse.
Fazit: Das Risiko der Zwischenwahlen wird von Investoren aktuell meiner Meinung nach unterschätzt. Kurzfristig ist das politische Risiko für den Aktienmarkt beträchtlich, mittel- bis langfristig aber begrenzt – nach Oktober steht meist eine starke Erholung an.
Positive Überraschungen in der US-Wirtschaft?
Im vergangenen Jahr war die US-Wirtschaft ziemlich schwach – sie bildete quasi nur den Hintergrund fürs Börsengeschehen, neither stimulierend noch riskant. Das dürfte sich nun ändern – der Grund: der Konsum.
Das folgende Diagramm von Bank of America fasst die Konsumentwicklung der letzten Monate zusammen: Amerikas Konsum wächst weiterhin dynamisch – und das, obwohl der Ölpreisanstieg die Kaufkraft eigentlich drücken sollte. Bereinigt um die Ölpreise ist der Anstieg sogar noch deutlicher. Das Wachstum ist auf den höchsten Stand der letzten drei Jahre geklettert.
Ich muss gestehen, diese Zahlen haben mich überrascht. Die hohen Ölpreise hätten eigentlich den Konsum dämpfen müssen. Doch das Gegenteil tritt ein: Der US-Konsum ist robuster als gedacht.
Warum ist das so? Wie wir schon früher analysiert haben, liegt der Grund im Konsumverhalten vermögender Haushalte. Ihre Lohnsteigerungen sind deutlich höher als die im Mittel- oder Niedrigeinkommen. Auch der Wohlstandseffekt von Aktienanlagen treibt die Konsumlaune der Wohlhabenden zusätzlich an – belegt durch rasant gestiegene Vermögen von Aktienanlegern, während Nichtanleger real Vermögen verlieren.
Dies ist ein typischer K-förmiger Wirtschaftsverlauf: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer – aber der Konsum der Reichen hält die Wirtschaft am Laufen. Du kannst das ungesund nennen, aber der aktuelle Ölpreisanstieg war ein echter Stresstest, und er belegt die Stärke des US-Konsums.
Angenommen, unsere Fed-Analyse ist zutreffend: Die Inflation ist kontrollierbar, die Beschäftigung stabil – dann ist ein Zinsrückgang nur noch eine Frage der Zeit. Das eröffnet der US-Wirtschaft weiteres Überraschungspotenzial für eine Erholung. Und da der Aktienmarkt der Konjunktur vorausläuft, dürfte das schon bald für neuen Schwung sorgen – insbesondere im zyklischen Konsumbereich.
Damit haben wir die wichtigsten Makrofaktoren für US-Aktien analysiert. Zusammengefasst: Die Inflation zeigt eine klare Abwärtstendenz – auch ohne weitere Zinssenkungen; die Zinserwartungen der Fed sind vermutlich übertrieben; selbst falls noch erhöht wird, bleibt das kurzfristig, langfristig führt kein Weg an niedrigeren Zinsen vorbei; die Zwischenwahlen erhöhen temporär das Risikopotenzial, bieten nach dem Freisetzen der Risiken aber eher Chancen; die US-Wirtschaft kann den Markt dank resilientem Konsum bald positiv überraschen.
Im Makrobereich gilt daher: Die zweite Jahreshälfte für US-Aktien ist von Risiko und Chancen zugleich geprägt. Die Risiken konzentrieren sich auf die ganz kurze Frist; im vierten Quartal gibt es fast nur noch positive Faktoren. Das gibt Anlegern gute Argumente für ein entspanntes Investieren. Ich rate dennoch davon ab, zu versuchen, den Markt zu timen – zum Beispiel jetzt nicht zu investieren und erst im vierten Quartal zurückzukommen. Das ist riskant, denn niemand kann den perfekten Einstiegszeitpunkt vorhersagen. Besser ist es, sich auf Risiken vorzubereiten und gezielt Qualitätstitel zu selektieren, um von der kommenden Chancenfreisetzung zu profitieren.
Wie investiert man in AI?
AI ist derzeit unbestritten der entscheidende Faktor für US-Aktien. Wer AI verpasst, findet im aktuellen Markt kaum Alternativen. Doch selbst im AI-Segment muss man die richtige Spur treffen, um Erfolg zu haben. Das Kapital strömt derzeit fast ausschließlich in AI-nahe Bereiche, weshalb Investoren die Entwicklung von AI zwingend verstehen müssen, um den Marktzustand angemessen einschätzen zu können.
Wie aber lautet die aktuelle AI-Handelslogik? Ich fasse sie als „Bestandslogik“ zusammen, im Gegensatz zur „Wachstumslogik“. Unter der Wachstumslogik heißt es: Mehr Anwender setzen AI ein, AI-native Unternehmen werden profitabler; diese geben ihr Einkommen an Cloudanbieter weiter, die wiederum bei Halbleitern und Infrastruktur investieren.
Das ist ein typischer Wachstumsmarkt. Aber in den letzten Monaten sehen wir, dass fast der komplette Neukunden-Zuwachs von zwei Unternehmen – OpenAI und Anthropic – vereinnahmt wird, alle anderen gehen leer aus. Die Cloudanbieter profitieren kaum und schlagen sich mit steigenden Halbleiterpreisen herum – beidseitiger Druck. Die Halbleiterhersteller sind wiederum auf die Investitionen einiger weniger Großkunden angewiesen. Da die Cloudanbieter nur begrenzt nachkaufen können, bleibt das Wachstum der Halbleiterbranche sehr fokussiert. In dieser Umgebung kämpfen alle um Ressourcen: Von GPUs bis zu eigenen ASIC-Chips, von Strom bis Licht, von CPU bis Speicher. Der Fokus wechselt stetig – wer das Nadelöhr besetzt, bekommt die Ressourcen, alle anderen werden verdrängt und verlieren.
Die gesamte AI-Wertschöpfungskette wird somit zu einem knallharten Ressourcen-Wettkampf – ein klassischer „Bestandsmarkt“. Objektiv betrachtet ist das eine extrem schwierige Phase fürs Investieren. Im Wachstumsmarkt gibt es viele Chancen, im Bestandsmarkt gibt es immer nur ein „richtiges“ Ziel, das sich noch dazu dauernd ändert. Wer zu spät kommt, für den bleiben nur Verluste. Leider ist dies seit Monaten die dominante Marktdynamik bei US-Aktien, was den Mix aus Euphorie und Nervosität erklärt.
Ich sehe das aber als nur vorübergehende Phase der AI-Entwicklung. Im Endeffekt wird AI sicher in den Wachstumsmodus zurückkehren, daran habe ich keinen Zweifel.
AI ist im Kern eine Produktivitätsrevolution: Selbst ohne neue Branchen zu schaffen, reicht schon die Produktivitätssteigerung bestehender Branchen, um riesigen Mehrwert zu generieren – mit der Folge, dass durch AI auch zahllose neue Wirtschaftszweige entstehen werden. In diesem Wachstumsmarkt profitieren dann alle Glieder der Wertschöpfungskette. Die derzeitige Knappheitspolitik ist nur ein Übergang.
Ich glaube zudem, dass der Wendepunkt bereits sehr nahe ist. Warum? Weil wir die praktische Anwendung von Agentic AI inzwischen in vielen Bereichen sehen, etwa beim Coding. Alle suchen mittlerweile nach den nächsten kommerziellen Durchbrüchen. Damit dürfte der großflächige Einsatz von AI-Anwendungen unmittelbar bevorstehen. Sobald sich die Schranken für die Nachfrageseite öffnen, profitieren sowohl AI-native Unternehmen als auch Cloudanbieter erkennbar. Die AI-Wertschöpfungskette kehrt dann schnell wieder zur Wachstumslogik zurück.
Wann dieser Wendepunkt genau kommt, weiß ich nicht, aber die Chancen stehen gut, dass er schon in der zweiten Jahreshälfte bevorsteht. Als Langfristinvestor kümmert mich dieser kurzfristige Bestandsmarkt wenig. Der Ressourcenwettlauf wird als Übergang bald verschwinden. Wir Anleger sollten uns nicht von der Marktdynamik hin- und hertreiben lassen. Stattdessen lohnt es sich, gezielt in Unternehmen zu investieren, die Preisanpassungen überstehen, über tiefe Burggräben, starke Technik, geringe Substituierbarkeit und kompetente Führung verfügen – diese Firmen werden am ehesten vom AI-Wachstum profitieren.
Im „Meitu Pro“ habe ich viele solcher Firmen analysiert: Geschäftsmodell, Technik, Bilanzen, Bewertung und Risiken – dazu halte ich sie ständig auf dem Laufenden und informiere über wichtige Änderungen. Interessierte Leser finden dort schnell potenzielle Kandidaten für eigene Recherchen.
Kann man das Wendepunkt bei Einzelaktien nur schwer erkennen, ist es auf der Makroebene deutlich leichter: AI als Ganzes liefert für die US-Unternehmen in den kommenden Quartalen ein Wachstum überdurchschnittlicher Höhe. Das Factset-Schaubild zu den Gewinnerwartungen zeigt für Quartal 3 und 4/26 jeweils Wachstumsraten von über 20% – weit mehr als die historischen 12%. Das ist eindeutig auf AI-Anwendungen zurückzuführen. Mit anderen Worten: Selbst ohne gezielte AI-Aktien-Investments reicht die AI-induzierte Gewinnsteigerung, um dem gesamten US-Markt starken Rückenwind zu geben.
Bisher haben wir über die Chancen durch AI gesprochen, kommen wir nun zu den Risiken: Die größte Gefahr sehe ich in einer Verlangsamung der Investitionen durch die großen Tech-Konzerne.
Auch wenn AI langfristig zur Wachstumslogik zurückkehrt – aktuell ist der Markt stark von Bestands-Logik geprägt. Am meisten profitieren derzeit die Halbleiterunternehmen. Das Halbleiter-ETF SMH hat sich zum Beispiel im ersten Halbjahr fast verdoppelt und zog dadurch den Gesamtmarkt nach oben. Doch das Wachstum der Halbleiter ist fast ausschließlich auf wenige große Tech-Investitionen angewiesen. Wird deren Investitionsfreude gebremst, bricht diese Dynamik in sich zusammen.
Solange die Techriesen im Kaufrausch sind, steigen die Chippreise (etwa HBM-Speicher) rasant – sie haben sich im Halbjahr vervier- bis verfünffacht. Bremst jedoch die Investitionsbereitschaft, wandelt sich dieses Preiswachstum rasch in Deflation um – dann trifft es zuerst die hochgehypten Unternehmen. Ein Risiko, das alle AI-Investoren im Bereich Basistechnologie einkalkulieren sollten.
Andererseits kann eine erzwungene Reduktion der Investitionen für die eigentlichen Tech-Giganten sogar positiv sein: Deren aktuelles Kurs-Bewertungsrisiko resultiert hauptsächlich aus zu niedrigen Renditen auf das Investitionskapital. Geht die Investitionsbereitschaft zurück, verschwinden diese Risiken – und die Kurse können zulegen. Dies ist ein klassisches Beispiel für die Ressourcen-Umverteilung im Bestandsmarkt.
Die entscheidende Frage ist also: Werden die Tech-Giganten ihre Investitionen runterfahren? Wir haben das im Team ausgiebig diskutiert – eine klare Antwort gibt es nicht. Es gibt triftige Gründe, weiter massiv zu investieren: AI-Nachfrage ist enorm, die Renditefrage ist langfristig meist positiv. Aber gleichzeitig sitzen die Großkonzerne zwischen den Stühlen: Einnahmen steigen nicht, die Kosten schießen hoch – kurzfristig Lasten, langfristig Chancen. Beides ist plausibel.
Daher kostet eine einseitige Prognose enorm viel. Ein kluger Weg sind diversifizierte Investments in Unternehmen, die verschiedene Marktphasen erfolgreich meistern – oder schlicht der Kauf des QQQ-ETFs, der automatisch die Gewinner selektiert.
Wer noch nicht positioniert ist: Gerade jetzt ist die beste Zeit, um sich für den bevorstehenden Wechsel vom Bestands- zum Wachstumsmarkt zu positionieren. Kurzfristig werden viele Qualitätsunternehmen vom Markt verkannt, ihre Bewertungen sind fair, und die AI-Ära eröffnet ihnen enorme Potenziale. Die großen Techriesen sind dafür das Paradebeispiel – in meinem Meitu Pro-Livestream zeige ich genau, wie diese Unternehmen identifiziert werden, schaut gern rein!
Fazit
Damit ist mein Ausblick auf die US-Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen. Zum Abschluss noch eine Zusammenfassung: Im Makrobereich bleibt das zweite Halbjahr eine Zeit voller Chancen und Risiken; das größte Risiko ist kurzfristig politischer Natur, langfristig aber ist der Marktausblick äußerst positiv.
Im Bereich AI steigen die Unternehmensgewinne in der zweiten Jahreshälfte kräftig – der Markt bleibt also wachstumsstark. Das nahende Umschwenken auf Wachstumslogik wird mehr Breite ermöglichen und Anlegern neue Chancen bieten. Kurzfristig gilt weiter die Bestandsmarkt-Logik, das größte Risiko bleibt ein mögliches Ausbremsen der Investitionen. Noch wissen wir nicht, wie es kommen wird – bleibt proaktiv und flexibel!
Insgesamt bin ich sehr optimistisch für das zweite Halbjahr. Die aktuelle Bewertung der US-Märkte ist zudem weder zu hoch noch zu teuer – sie liegt nur im Mittelfeld der letzten fünf Jahre – und sogar im Sinkflug. Bei erwarteten Gewinnwachstumsraten von über 20 Prozent bleibe ich daher bei meinem Kursziel für den S&P 500 von 8.200 Punkten zum Jahresende, das ich schon vor drei Monaten ausgegeben habe.
Das zweite Halbjahr bietet viele und auch sehr dynamische Chancen. Wer bei der Aufwärtswelle der ersten Hälfte nicht dabei war, braucht nicht zu verzagen: Mit dem heutigen Knowhow kannst du die zweite Jahreshälfte noch besser nutzen. In meinem nächsten Meitu Pro-Video am Montag stelle ich außerdem die aus meiner Sicht besonders chancenreichen Sektoren und mein eigenes Portfolio-Setup für US-Aktien im zweiten Halbjahr vor. Neue Abonnenten testen Meitu Pro sieben Tage kostenlos – schaut unbedingt einmal rein!
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
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