Zinssenkung gewünscht? Die verschwundenen 20 Basispunkte: Wie eine statistische Überarbeitung den PCE abkühlt?
Am 26. Juni gab das US-amerikanische Bureau of Economic Analysis (BEA) bekannt, dass im Rahmen der jährlichen BIP-Überarbeitung am 30. September die Berechnungsmethode der Preise für die drei wichtigsten Kernkomponenten des PCE systematisch angepasst wird. Betroffen sind Computersoftware und -zubehör, Portfolio-Management und Investmentberatungsdienste sowie juristische Dienstleistungen. Zudem werden die historischen Daten rückwirkend bis ins Jahr 2021 neu berechnet.
Als wichtigster Inflationsindikator für die Federal Reserve, bei einem aktuellen Anstieg des Kern-PCEs um 3,4 % im Jahresvergleich, ist die Anpassung der statistischen Grundlagen durch das BEA keineswegs neutral, sondern weist eine deutliche Abwärtsneigung auf. Es wird erwartet, dass diese Änderung zu einer nachträglichen Korrektur des Kern-PCEs für Mai um etwa 20 Basispunkte auf 3,2 % führt, wodurch der Inflationswert an der Datenquelle chirurgisch nach unten korrigiert wird. Auch die Prognose für den Kern-PCE im vierten Quartal 2026 wird dadurch von 3,1 % auf etwa 2,8 % gesenkt, was deutlich unterhalb der von der Federal Reserve angegebenen Medianprognose von 3,3 % liegt.

Diese „papiermäßige“ Abkühlung der Inflationsdaten wird zwei weitreichende makroökonomische Folgen haben: Erstens wird die Divergenz zwischen verschiedenen Inflationskennzahlen weiter zunehmen. Da der Kern-CPI von dieser Änderung unberührt bleibt, könnte sich der Kern-CPI in den kommenden Monaten als deutlich robuster erweisen als der Kern-PCE, womit die Differenzen zwischen den unterschiedlichen Berechnungsmethoden noch stärker hervortreten. Zweitens sind die von der Überarbeitung betroffenen Komponenten allesamt maßgebliche positive Treiber der Kern-PCE-Inflation, sodass die Auswahl der Änderungen eine klare Tendenz aufweist und das Ziel verfolgt, die Inflationswerte abzusenken.
Entscheidend ist zudem, dass die neue Methode nicht mehr direkt an öffentlich zugängliche Preisindizes gekoppelt ist und dadurch die Transparenz deutlich sinkt. Externe Institutionen können die offiziellen Daten kaum noch unabhängig überprüfen, was nicht nur die Glaubwürdigkeit dieser Kennzahlen schwächt, sondern auch die Tür dafür öffnet, dass Inflationsdaten stärker vom politischen Zyklus beeinflusst werden—mit dem Risiko, den tatsächlichen Inflationsdruck zu verschleiern.

Papiermäßige Abkühlung: Wie können 20 Basispunkte einfach verschwinden?
Die Überarbeitung des PCE-Algorithmus ist im Kern eine statistische Anpassung, bei der durch die Veränderung der „Preis-Proxy-Variablen“ kurzfristige extreme Marktschwankungen in der Wirtschaft herausgefiltert werden sollen.
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.
Das könnte Ihnen auch gefallen
Ein 95er aus Hangzhou kauft für 500 Millionen eine Burg im Silicon Valley

Die Bullen an der Wall Street sind voller Zuversicht: Das Gewinnwachstum des S&P 500 erreicht den höchsten Stand seit 30 Jahren
Der Gewinn des S&P 500 ist im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 31 % gestiegen – das ist laut Bloomberg Intelligence das stärkste Wachstum seit 1992 außerhalb von Rezessions-Erholungsphasen und liegt deutlich über den erwarteten 23 %. KI-getriebene Gewinnmargen sind von 14 % auf fast 16 % gestiegen und die Bewertung ist von dem 26-fachen auf unter das 22-fache gefallen, was als "Reset" gilt. Das Gewinnwachstum hat sich inzwischen auch auf Small- und Mid-Cap-Werte sowie auf die Märkte in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum ausgebreitet.
Deutsche Bank: Zentralbank-Goldkäufe und ETF-Zuflüsse treiben Gold in explosive Wachstumsphase
Die Deutsche Bank ist der Ansicht, dass sich Gold derzeit weiterhin in der fünften „explosiven“ Aufwärtsphase befindet, die 2024 begonnen hat. Die Goldnachfrage der Zentralbanken hat in realen US-Dollar ein Allzeithoch erreicht, etwa die Hälfte dieser Nachfrage wurde jedoch nicht beim IWF gemeldet. Die weltweiten Zuflüsse in ETFs sind wieder positiv, mit besonders starker Nachfrage aus Asien. Die Bank setzt das Jahresendziel für den Goldpreis auf eine Spanne von 4.700 bis 5.100 US-Dollar je Unze, wobei der Haupttreiber die anhaltende Ausweitung der Staatsverschuldung der USA ist. Die aktuellen Futures-Positionen befinden sich weiterhin auf niedrigem Niveau, was bedeutet, dass das Aufwärtspotenzial noch nicht vollständig eingepreist ist.

