Euro: Zinserhöhungen könnten den schwachen Trend des Euro nicht ändern
I. Die Absicht zur Zinserhöhung ist sehr deutlich
Seit der Gründung der Eurozone hat die EZB fast bei jeder Zinsanpassung später als die Federal Reserve reagiert. Nach vier Jahren hat die EZB dieses Mal jedoch vor der Federal Reserve die Zinsen angehoben und dem Markt im Vorfeld ausreichend Zeit für eine Preisanpassung und Erwartung gegeben. Das führte dazu, dass der EURUSD nach dem Zinsentscheid um weniger als 100 Punkte zulegte. Erst durch die gute Nachricht über bedeutende Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran am Montagmorgen konnte die 1,16-Marke nur knapp verteidigt werden.
Die Gründe für die Zinserhöhung des Euro sind ebenfalls sehr klar: Es besteht die Sorge, dass durch den US-Iran-Konflikt die Rohstoffpreise weiter steigen könnten, was wiederum die Inflation in der Eurozone erneut außer Kontrolle geraten lässt. Selbst wenn eine Zinserhöhung die ohnehin fragile Wirtschaft der Eurozone schädigen könnte, will man so frühzeitig die Inflation kontrollieren. Aus aktueller Sicht liegen die Gesamt- und Kerninflation wieder auf dem Niveau von August bzw. Dezember 2021, weit entfernt vom Stand bei der Zinserhöhung 2022, dennoch bereitet der anhaltende monatliche Anstieg der EZB große Sorge.
Die Kerninflation in der Eurozone steigt weiterhin an
II. Es ändert nichts an der schwachen Lage des Euro
Aus heutiger Sicht wird es für den Euro schwierig, die Marktentwicklung von 2022-2023 zu wiederholen.
1. Sollte der US-Iran-Konflikt nicht enden (aktuell gibt es kurzfristig eine Grundlage für eine Einigung), würden die globalen Rohstoffpreise weiter steigen. Die Fed könnte dann ebenfalls folgen und die Zinsen anheben. Zudem ist die US-Wirtschaft widerstandsfähiger als die der Eurozone und kann Schocks besser standhalten, so dass der sichere Hafen US-Dollar weiterhin an Attraktivität gewinnt. Selbst wenn die Fed ihre Zinspolitik vorsichtiger gestaltet, ist unklar, ob die Eurozone überhaupt die vom Markt für dieses Jahr erwarteten 75 Basispunkte Zinserhöhung verkraften kann.
2. Sollte der US-Iran-Konflikt schnell beendet oder ein Abkommen umgesetzt werden und sich auch Israel ruhig verhalten, könnten die Rohstoffpreise (mit gewisser Verzögerung, in der Regel rechnet der Markt mit mehreren Monaten oder sogar Quartalen) zurückgehen. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung durch die Eurozone verringert sich und die mittelfristige Stützung des Euro bleibt begrenzt. Zudem hatte die EZB bereits zweimal nach kurzfristigen Zinserhöhungen schnell wieder gesenkt, nämlich 2008 und 2011. Obwohl die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Wirtschafts- oder Finanzkrise derzeit gering ist, besteht mit nachlassender Inflation eine gute Chance, dass die EZB ihre Zinserhöhungen aussetzt.
2008 und 2011 senkte die EZB nach kurzen Zinserhöhungen erneut die Zinsen
Welche Entwicklung auch immer eintritt – mittelfristig bleibt der Euro schwach.
III. Lohnt es sich, bei einer negativen Marktmeinung auch zu verkaufen?
Wer gehandelt hat, weiß, dass eine negative Marktsicht nicht immer ein Verkaufssignal bedeutet, da Short-Positionen Kosten und Nutzen abwägen müssen.
Der Euro liegt aktuell bereits unter der Marke von 1,15 gegenüber dem US-Dollar. Nach Ansicht des Autors ist das Tief von 1,14 im letzten Jahr die nächste wichtige Marke. Sollte der Kurs nicht nachhaltig unter die 1,14 fallen, erscheint es aus Kosten-Nutzen-Sicht sicherer, Short-Positionen erst über 1,17 einzugehen.
Derzeit liegt EURUSD unter 1,15
Aus Unternehmenssicht ist in diesem Jahr durchaus ein Szenario möglich, in dem sowohl der Renminbi als auch der US-Dollar stark sind, doch die Erwartung einer Aufwertung des Renminbi ist in ihrem Timing und Ausmaß unsicher. Vor diesem Hintergrund bestehen für Unternehmen mit Euro-Erträgen größere Marktrisiken und die Handelspunkte für EURCNY sind ebenfalls schwerer zu bestimmen. Es empfiehlt sich, Risiken mit einer Kombination aus EURUSD- und USDCNY-Trades sowie einem Mix aus Optionen, Forwards, Spot- oder Swap-Produkten abzusichern.
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