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Die US-Notenbank wendet sich einer „falkenhaften“ Politik zu – wie verändert sich die Investmentlogik für Rohstoffe in der zweiten Jahreshälfte?

Die US-Notenbank wendet sich einer „falkenhaften“ Politik zu – wie verändert sich die Investmentlogik für Rohstoffe in der zweiten Jahreshälfte?

金融界金融界2026/06/20 00:56
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Von:金融界

Der neue Vorsitzende der US-Notenbank, Walsh, hat bei seiner Premiere auf der Zinssitzung im Juni mit einer überraschend „hawkishen“ Haltung einen neuen Referenzpunkt für die Bewertung globaler Vermögenswerte in der zweiten Jahreshälfte gesetzt. Am 18. Juni analysierten Jerry Chen, Chefanalyst der Gain Capital Group, Lin Jing, Chefanalystin von Shengda Futures, und Wu Xuewen, Senior Analyst bei Dongwu Futures, im Online-Format „Futures-Relativitätstheorie“ der „Futures Zeitung“ eingehend die politischen Wendepunkte sowie die Märkte für Gold, Kupfer und Rohöl.

Fed-Politik wendet sich unerwartet „hawkish“, starker US-Dollar untermauert

Obwohl die US-Notenbank auf der aktuellen Zinssitzung den Leitzins unverändert ließ, gingen zahlreiche Aussagen und der Dot-Plot weit über die eher „dovishen“ Markterwartungen hinaus. Die Erklärung ließ die bislang eher lockere Rhetorik zu Zinssenkungen wegfallen; im Dot-Plot zeigte sich zudem eine extreme Erwartungsumkehr: Während der Markt im März noch mit einer Zinssenkung im Jahresverlauf rechnete, unterstützten im Juni neun Ausschussmitglieder eine Zinserhöhung.

Der Terminmarkt für Zinsen hat entsprechend rasch umgepreist: Ein Zinserhöhungstermin wurde vom Jahresende auf September vorgezogen, aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bei 70% – damit endete das zu Jahresbeginn vorherrschende Tauziehen um Zinssenkungen der Fed. Jerry Chen betont, dass die Kernwirkung der „hawkishen“ Wende nicht im Ausmaß der Zinserhöhung liege, sondern im extremen Umschwung der Erwartungen und der plötzlichen Kehrtwende der Politik, die vom Markt noch verarbeitet werden müsse.

Zur Entwicklung des US-Dollars sagt Jerry Chen: Die US-Wirtschaft hat einen klaren relativen Vorteil, dazu kommt die Erwartung einer Zinserhöhung der Fed, was den US-Dollar kurzfristig stützt. Sollte er den Widerstandsbereich von 100,50~100,70 überwinden, öffnet sich weiteres Aufwärtspotenzial. Die starke Dollar-Tendenz dürfte im zweiten Halbjahr gefestigt bleiben und auf die Preise weltweiter Risikowerte und Rohstoffe allgemein drückend wirken.

Jerry Chen erklärt, die Inflation bleibe zäh; ein rascher Rückgang des US-Inflationsniveaus sei in diesem Jahr unwahrscheinlich. Walsh deutete in seiner Rede langfristige Lockerung an und ließ der Fed politischen Spielraum für spätere Zinssenkungen, doch vorerst beeinflusst dies nicht den Haupttrend einer Zinserhöhung in diesem Jahr.

Gold: 4.300 US-Dollar/Unze ist Bewertungszentrum, kein fester Boden

Lin Jing betont, dass der Goldpreis aufgrund der „hawkishen“ Fed-Politik kurzfristig unter Druck steht. Dank der langfristigen zentralen Unterstützung durch globale Zentralbankkäufe bleibe der Rückgang jedoch begrenzt, und eine Gegenbewegung sei zu erwarten. „Der aktuelle Goldpreis liegt an der Scheidelinie zwischen Bullen und Bären.“ Technisch zeichne sich eine V-förmige Erholung ab, deren Nachhaltigkeit jedoch erst noch belegt werden müsse. Ihrer Einschätzung nach stellt 4.300 US-Dollar/Unze keinen soliden Boden, sondern das Bewertungszentrum dar. Kurzfristig wird der Goldpreis voraussichtlich im Bereich von 4.200~4.500 US-Dollar/Unze einen Boden finden; sollte er nachhaltig unter diese Spanne fallen, wird das Band von 3.900~4.000 US-Dollar/Unze zur zentralen Verteidigungszone. Diese Spanne entspricht auch dem Bereich mit hohem Handelsvolumen im vierten Quartal 2025 und ist für Zentralbankaufstockungen besonders relevant.

Lin Jing meint, die mittelfristige und langfristige Logik für goldene Zentralbankkäufe beruhe stabil auf der weltweiten Entdollarisierung. „Ende 2025 wird der Gesamtwert der offiziellen globalen Goldreserven erstmals das Ausmaß der ausländischen Bestände an US-Staatsanleihen überschreiten.“ Obwohl die Geschwindigkeit der Zentralbankkäufe nach dem Überschreiten der 4.000 US-Dollar-Grenze etwas nachlässt, gab es im ersten Quartal dieses Jahres sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch zum Vorquartal ein Wachstum bei den Zentralbankkäufen – Kursrückgänge bieten regelmäßig günstige Nachkaufgelegenheiten.

Aus ihrer Sicht wird der Goldpreis künftig nicht mehr primär durch US-Dollar-Zinsen, sondern durch die fundamentale Entwicklung der US-Wirtschaft sowie das Zusammenspiel mit globalen Zentralbankkäufen getrieben. Zu den „Katalysatoren“ einer Goldpreisrally im zweiten Halbjahr zählt sie (nach Priorität): US-Wirtschaftsrezessionssignale, Volatilitäten im US-Dollar-Kreditsystem, geopolitische Konflikte und überraschend hohe Zentralbankkäufe. Insgesamt dürfte der Goldpreis zum Jahresende eher im Bereich von 4.500~4.800 US-Dollar/Unze liegen; sollte die US-Inflation stark wieder anziehen und die Fed zu weiteren harten Zinserhöhungen zwingen, käme auch ein Bereich von 3.900~4.100 US-Dollar/Unze infrage.

Kupfer: Angebots-Nachfrage-Missverhältnis bleibt, mittelfristiger „Bullenmarkt“ bleibt intakt

Wu Xuewen stellt fest, dass der Kupferpreis seit Jahresbeginn entgegen dem Makroumfeld und der schwachen Industrienachfrage mehrfach neue Rekorde erreicht hat. Das Kernelement: eine langfristige Angebotsverknappung bei gleichzeitig wachsendem strukturellem Bedarf; dieses Missverhältnis bleibt auch im zweiten Halbjahr der Haupttreiber für die Kupferpreisentwicklung.

Wu Xuewen analysiert, dass das Angebot strukturell begrenzt ist: Nach jahrelang niedrigen Kupferpreisen seit 2010 blieb das Investitionsvolumen der Minengesellschaften deutlich zurück; die Entwicklungszyklen neuer Kupferminen betragen 7–10 Jahre, kurzfristige Angebotsschübe sind kaum möglich. Chile verzeichnet sinkende Erzgehalte, während neue Förderregionen wie Peru unter geopolitischen und infrastrukturellen Herausforderungen leiden, das Angebot an Kupferkonzentrat bleibt eng.

Auf der Nachfrageseite profitieren Kupferprodukte von zwei langanhaltenden Wachstumstreibern: AI und Energiewende – ein struktureller, kein zyklischer Faktor. Besonders stark steigt der Kupfereinsatz in AI-Rechenzentren, neuen Energienetzen, Elektroautos sowie Photovoltaik und Windkraft. Beispielsweise verbraucht ein mittleres Rechenzentrum jährlich tausende Tonnen Kupfer, der Kupferbedarf eines Elektroautos ist doppelt so hoch wie bei Verbrennern – das strukturelle Nachfragewachstum beschleunigt sich anhaltend.

Zur Debatte über eventuelle Überbewertungen und Substitutionsrisiken meint Wu Xuewen: Die zusätzlichen Nachfrageimpulse durch AI und neue Energien sind real, das langfristige Szenario ist intakt. Substitutionstechnologien wie Aluminium statt Kupfer sind hauptsächlich im Low-End-Bereich einsetzbar (in High-End-Strom-Equipment und frequenten Datenzentren praktisch nicht). Auch verläuft die Substitution allmählich und moderat – ein abrupter Nachfrageeinbruch ist deshalb nicht zu befürchten.

Zum Ausblick erwartet Wu Xuewen für das zweite Halbjahr eine Seitwärtsbewegung der Kupferpreise innerhalb einer Bandbreite von 15% um die historischen Höchststände. Die wichtigsten Einflussvariablen sind das Tempo der Fed-Zinserhöhungen, die Konjunktur und Nachfragedynamik bei Infrastruktur und neuen Energien in China sowie Lager- und Verarbeitungsgebühren weltweit. Mittelfristig bleibt das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage für weitere 3–5 Jahre bestehen, der „Bullenmarkt“ hält an.

Rohöl: Geopolitische Unsicherheiten bleiben, Rebalancing bei Angebot und Nachfrage braucht Zeit

Lin Jing berichtet, dass aufgrund der erwarteten Wiederherstellung freier Fahrt durch die Straße von Hormus die geopolitische Prämie beim Ölpreis stark zurückgegangen ist; daher senken die Märkte kollektiv ihre Prognosen für die Ölpreise im dritten und vierten Quartal. Kurzfristig bestehen jedoch noch Faktoren wie Minenräumung, Staubehebung und die Wiederherstellung des wirtschaftlichen Vertrauens, die einen schnellen Normalbetrieb verhindern – die aktuelle pessimistische Marktbewertung ist zu aggressiv.

Lin Jing beurteilt die Nachfrage: Hohe Ölpreise verursachen bislang keinen deutlichen Nachfragerückgang. Der US-amerikanische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) bleibt stark, die Ölnachfrage in Indien und anderen Schwellenländern ist weiter auf hohem Niveau – lediglich US-Benzinnachfrage und die Auslastung heimischer Raffinerien sind leicht rückläufig. Auf der Angebotsseite dürfte die US-Schieferölproduktion im zweiten Halbjahr nur begrenzt wachsen; die OPEC+ hält zwar weitgehend an ihren Kürzungsvorgaben fest, aber ein nachhaltiger Preisrückgang könnte zu politischen Differenzen in den Förderstaaten führen sowie potenziell neue Kürzungsmaßnahmen nach sich ziehen.

Insgesamt erwartet Lin Jing, dass sich der Ölmarkt im zweiten Halbjahr allmählich vom Angebotsmangel zu einem Gleichgewicht oder leichten Angebotsüberschuss entwickelt, der Anpassungsprozess jedoch langsam verläuft. Geopolitische Schwankungen und politische Änderungen der Förderländer bleiben die maßgeblichen Preistreiber; insgesamt dürfte sich ein schwaches Seitwärts-Verhalten mit vereinzelten Impulsbewegungen zeigen.

Kernüberlegungen zur Allokation von Assetklassen im zweiten Halbjahr

Die drei Analysten machen unterschiedliche Vorschläge auf Grundlage des Chancen-Risiken-Profils. Jerry Chen bevorzugt Gold: Aufgrund des begrenzten Abwärtspotenzials und der großzügigen Rebound-Chancen bietet es das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Wu Xuewen setzt in erster Linie auf Kupfer und sieht hier dank des langfristigen Nachfrageüberhangs das größte Wachstumspotenzial. Er weist zugleich darauf hin, dass Silber sehr volatil, aber nur bedingt attraktiv für die Portfoliogewichtung ist; Anleger sollten breit aufstellen und keine einseitigen Wetten eingehen. Lin Jing rät, Gold als „Stabilisator“ im Portfolio einzusetzen, Rohöl in kleinem Umfang zu halten, um von geopolitischen Schwankungen zu profitieren, und Kupfer zur Ausnutzung des Wachstumspotenzials beizumischen. Insgesamt sei es im zweiten Halbjahr wichtig, auf Makrodaten und hochfrequente Branchenindikatoren zu achten und strukturelle Teilchancen zu nutzen.

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