Während der Westen zögert, häufen asiatische Investoren heimlich Gold an
Der Goldmarkt zeigt derzeit einen faszinierenden Graben: Während westliche Investoren kontinuierlich aussteigen, fließt das asiatische Kaufinteresse ungebremst ein.
Laut Simon White, Makrostratege bei Bloomberg, bleibt die Nachfrage nach Gold in Asien hoch, obwohl Investoren in den USA und Europa vorsichtiger geworden sind. Der Goldpreis erlebte in der vergangenen Woche eine deutliche Erholung nahe der 4000-Dollar-Marke. Zuvor hatte die Nachricht über das iranische Friedensabkommen den Goldpreis kurzzeitig gedrückt, doch asiatische Käufe ließen sich davon nicht abschrecken. Diese Divergenz entwickelt sich zu einem wichtigen Indikator für die weitere Entwicklung des Goldmarktes.

Für den Markt bedeutet die auseinanderlaufende Nachfrage zwischen Ost und West, dass sich die tragenden Kräfte strukturell verschieben. Während westliche ETFs weiterhin Kapitalabflüsse verzeichnen, wachsen asiatische ETFs rapide – diese fortgesetzte Divergenz könnte mittelfristig tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung des Goldpreises haben.
Kapitalabflüsse bei westlichen ETFs, kurzfristige Rückkehr der Attraktivität von Bitcoin möglich
Der Goldpreis versucht aktuell, oberhalb von 4000 Dollar Halt zu finden.
Vergangene Woche gab es nach Meldungen über ein Friedensabkommen mit Iran einen kräftigen Rebound bei Gold, doch die Rückzugsbewegung westlicher Investoren setzte sich ungehindert fort.
Bloomberg berichtet, dass große in den USA registrierte Gold-ETFs weiterhin erhebliche Mittelabflüsse verzeichnen. Gleichzeitig beginnt der Kapitalabfluss bei Bitcoin-ETFs, sich zu verlangsamen. Dieser Vergleich könnte darauf hindeuten, dass einige Investoren ihre Präferenzen zurück zu Kryptowährungen und weg vom physischen Gold verlagern.
Simon White ist jedoch der Ansicht, dass es verfrüht wäre, allein aufgrund dieses Signals den Abgesang auf Gold einzuläuten.
Hongkong und Indien führen an – Asien importiert große Mengen Gold aus der Schweiz
Die hohe Goldnachfrage in Asien lässt sich durch Handelsdaten klar belegen. Die Schweiz als weltgrößter Goldexporteur liefert aktuell am meisten Gold nach Hongkong und Indien – beide Volkswirtschaften importieren mehr Schweizer Gold als alle anderen Länder.
Diese Handelsdaten stimmen stark mit den Veränderungen der globalen ETF-Bestände überein. US-Gold-ETF-Bestände nehmen kontinuierlich ab, europäische ETFs bleiben weitgehend stabil, während asiatische Gold-ETFs weiterhin schnell wachsen und kaum Rückgänge zeigen.
Simon White merkt an, dass asiatische Gold-ETFs zwar noch kleiner ausfallen als ihre westlichen Pendants, dies aber wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs der tatsächlichen Goldnachfrage in Asien darstellt – wie die schweizerischen Exportzahlen eindrucksvoll zeigen.
Schwächelnde Goldpreise erschüttern asiatische Käufe nicht – Signalcharakter sollte nicht unterschätzt werden
Nach Ansicht von Simon White ist die Begeisterung asiatischer Investoren für Gold trotz der jüngsten Preisrückgänge unverändert hoch. Das allein ist ein Markt-Signal, das nicht unterschätzt werden sollte.
Während westliche Investoren zwischen Gold und Bitcoin schwanken, baut asiatisches Kapital in ruhiger und beständiger Weise Goldpositionen auf. Diese Beständigkeit der Nachfrage zeigt, dass das Investmentmotiv asiatischer Käufer weniger von kurzfristigen Preisbewegungen, sondern eher von tiefliegenden Asset-Allocation-Strategien getrieben ist.
Für Anleger, die den Goldpreis beobachten, lohnt sich der Blick weniger auf die Kapitalflüsse westlicher ETFs, sondern vielmehr hin zu Asien – dort könnte der eigentliche Motor der nächsten Preisbewegung für Gold liegen.
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