Gold schwankt und stabilisiert sich – wohin geht der Markt? Einschätzung von Fondsgesellschaften
Allerdings verzeichnen Gold-ETFs und Goldminen-ETFs hinsichtlich der Kapitalflüsse weiterhin insgesamt Nettoabflüsse. Expertenmeinungen zufolge bleiben die kurzfristigen Bewegungen des Goldpreises weiterhin durch die Geldpolitik der US-Notenbank, Inflationsveränderungen sowie geopolitische Faktoren beeinflusst.
Goldpreis kehrt zur 4.300-Dollar-Marke zurück
Rückblickend auf die Marktentwicklung seit Jahresbeginn erklärte ein Makroanalyst aus Shanghai, dass der Goldpreis nach einem schnellen Anstieg deutlich schwankte. Die Einschätzungen des Marktes bezüglich der geldpolitischen Perspektive in den USA, der globalen Wirtschaftswachstumserwartungen und der geopolitischen Faktoren wurden fortlaufend angepasst, wodurch der Goldpreis phasenweise unter Druck geraten ist. Mit der zunehmenden Stabilisierung der Erwartungen hinsichtlich des künftigen geldpolitischen Kurses der US-Notenbank hat der Goldpreis zuletzt jedoch wieder Unterstützung erfahren.
Gleichzeitig setzt sich der Trend der Goldkäufe durch globale Zentralbanken fort. Laut dem kürzlich veröffentlichten jährlichen Zentralbankbericht des World Gold Council (WGC) erwarten 45 % der 74 befragten Zentralbanken für die nächsten zwölf Monate eine weitere Erhöhung der Goldreserven – ein Rekordwert seit Beginn der Umfrage. 54 % der Befragten gehen von konstanten Beständen aus, nur 1 % erwartet eine Verringerung der Goldreserven. Zudem halten inzwischen 93 % der befragten Institutionen Goldreserven, ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.
Branchenexperten sind der Ansicht, dass das stetige Aufstocken von Goldreserven durch Zentralbanken die Bedeutung von Gold als Reservewert unterstreicht und die langfristige Anlage-Logik für Gold unterstützt.
Vorsichtige Haltung des Kapitals bleibt bestehen
Bis zum 16. Juni zeigten sich sowohl im Ein- als auch im Drei-Monatsvergleich bei zahlreichen Gold-ETFs und Goldminen-ETFs Nettoabflüsse. So schrumpfte der verwaltete Bestand des Huaan Gold-ETF beispielsweise in den vergangenen vier Wochen um über 13,5 Milliarden Yuan, in den letzten drei Monaten um mehr als 28,9 Milliarden Yuan. Auch Produkte wie der E Fund Gold-ETF, der Bosera Gold-ETF oder der Guotai Gold-ETF verzeichneten in unterschiedlichem Maße Abflüsse. Bei Goldminen-ETFs, die Aktien von Unternehmen entlang der Gold-Wertschöpfungskette abbilden, war ebenfalls ein Nettoabfluss zu beobachten.
Analysten betonen, dass die Kapitalflüsse in ETFs die Stimmung am Markt in der jüngeren Vergangenheit widerspiegeln. Nach dem steilen Anstieg des Goldpreises haben manche Investoren Gewinne realisiert. Gleichzeitig bestehen weiterhin Unklarheiten über den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank, die Inflationserwartungen in den USA und die globalen Wachstumsaussichten, sodass einige Anleger ihre Positionen abwartend halten.
Darüber hinaus beeinflussen Goldkäufe der Zentralbanken eher den langfristigen Wertschwerpunkt des Goldes, während kurzfristige Preisbewegungen weiterhin durch Faktoren wie Risikobereitschaft, Zinsänderungen und Kapitalflüsse bestimmt werden. Besonders vor dem Hintergrund der bevorstehenden Fed-Sitzung könnten Einschätzungen zur künftigen Zinspolitik weitere Preisvolatilität bei den Vermögenswerten nach sich ziehen.
Ausblick: Fokus auf politische Signale
Für die weitere Entwicklung argumentieren viele Fondsgesellschaften, dass die Politik der US-Notenbank weiterhin ein Schlüsselfaktor für den Goldpreis bleibt.
Huaan Fund äußert die Erwartung, dass die US-Inflation in der zweiten Jahreshälfte nachgibt und der zuvor übertriebenen Zinserwartungen korrigiert werden könnten. Laut Huaan Fund stieg der US-amerikanische Verbraucherpreisindex (CPI) im Mai um 4,2 %, aber der Kern-CPI lag lediglich bei 2,9 %. Mehr als die Hälfte des Anstiegs ist auf Energiepreise zurückzuführen, der Kerninflationstrend bleibt damit insgesamt moderat und lässt Spielraum für künftige politische Anpassungen. Mit dem Rückgang der Ölpreise und dem Einsetzen von Basiseffekten dürfte die Kerninflationsrate weiter nachlassen.
Huaan Fund betont weiter, dass sich die US-Wirtschaft aktuell am Anfang der Erholung befindet und nicht überhitzt sei; das Konsumwachstum ist schwächer ausgefallen, sodass die Hürde für weitere Zinserhöhungen durch die Fed weiterhin hoch bleibt. Insgesamt profitiert Gold derzeit von der "vorübergehenden Abkühlung der Zinserwartungen" sowie von den durch sinkende US-Anleiherenditen schwindenden Opportunitätskosten. Die Faktoren anhaltender Zentralbank-Goldzukäufe, Umstrukturierung der Reserven und steigender US-Haushaltsdruck als langfristige Argumente bleiben bestehen.
BOC Fund analysiert, dass die Fed-Sitzung im Juni das zentrale Thema am Markt ist. Sollte die Fed einen restriktiven Ton anschlagen und auf weitere Zinsschritte im laufenden Jahr verweisen, könnte der Goldpreis erneut unter Druck geraten. Eine neutrale oder lockere Rhetorik würde dagegen die Chance auf eine technische Erholung des Goldpreises eröffnen. Außerdem könnten die weitere Entwicklung eines US-Iran-Abkommens und Energiepreisschwankungen den Goldpreis zusätzlich beeinflussen.
Insgesamt bieten die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken und die Anpassung der Reservezusammensetzung Gold langfristig Unterstützung. Kurzfristig befindet sich der Markt jedoch weiterhin im Spannungsfeld zwischen makroökonomischen Erwartungen und wechselnden Anlegerstimmungen. Nach dem eindrucksvollen Preisanstieg des Goldes sollten Investoren die Risiken von Marktschwankungen im Blick behalten und den Wert der Goldallokation mit Augenmaß betrachten.
Verantwortlicher Redakteur: Zhu Henan
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