Gibt es ein mysteriöses Muster zwischen Mais und Bitcoin? 13-jährige Daten enthüllen erstaunliches Gesetz: BTC könnte weiterhin unterbewertet sein
Gold, US-Dollar und der Nasdaq-Index wurden bereits zur Bewertung von Bitcoin herangezogen, doch mittlerweile richtet sich der Blick mancher Akteure auf Mais.
Die neueste Studie von Kevin Kimle, dem Gründer des US-amerikanischen Agrar-Bitcoin-Unternehmens BitCorn, zeigt, dass seit 2013 eine stabile Potenzgesetz-Beziehung (Power Law) zwischen Bitcoin und dem US-Maispreis besteht. Deren mathematisches Modell kann ca. 91 % der historischen Veränderungen erklären. Berechnungen zufolge liegt die Kaufkraft von Bitcoin gegenüber Mais aktuell noch leicht unter dem langfristigen Trendniveau – was bedeutet, dass BTC möglicherweise noch nicht überbewertet ist.
Einige Wissenschaftler sehen dies jedoch kritisch. Sie meinen, dass Bitcoin im Kern ein komplexes sozioökonomisches System ist, dessen Preisbildung von diversen Faktoren wie Politik, Marktstimmung und Kapitalströmen beeinflusst wird, was Vorhersagen durch ein einzelnes mathematisches Modell erschwert.
Gibt es ein mysteriöses Gesetz zwischen Mais und Bitcoin?
Kimle untersuchte in seiner jüngsten Analyse die langfristige Beziehung zwischen dem US-Maispreis und dem Bitcoin-Preis.
Das Ergebnis zeigt: Seit 2013 verläuft das „Bitcoin/Mais-Preis-Verhältnis“ nahezu kontinuierlich entlang einer Potenzgesetz-Kurve. Die Studie weist einen Exponenten von etwa 5,03 nach, der Bestimmtheitskoeffizient R² beträgt 0,91. Dies bedeutet, dass dieses mathematische Modell etwa 91 % der Veränderungen des Bitcoin-Mais-Preisverhältnisses in den letzten 13 Jahren erklären kann.
Kimle stellt fest: „Mit der Zeit kann man mit einem Bitcoin immer mehr Mais kaufen und dieser Prozess verläuft stetig entlang einer vorhersehbaren mathematischen Kurve.“
Im Gegensatz zur traditionellen Bewertung von Bitcoin in US-Dollar sieht Kimle in physischen Gütern wie Mais ein effektiveres Bezugssystem, um die Störeinflüsse von Währungsabwertung und Inflation auszuschließen und so den intrinsischen Wertzuwachs von Bitcoin transparenter zu machen.
Tatsächlich ähnelt dieser Ansatz früheren Studien, die auf den Goldpreis zum Aufbau von Potenzgesetz-Modellen für Bitcoin setzten.
Ist Bitcoin unterbewertet?
Neben der Untersuchung des langfristigen Trends entwickelte Kimle ein Z-Score-Modell (Standardabweichungswert), um einzuschätzen, ob Bitcoin gegenüber dem Maispreis vom langfristigen Gleichgewicht abweicht. Ist der Z-Wert negativ, ist Bitcoin gegenüber Mais tendenziell günstig bewertet; im entgegengesetzten Fall ist BTC relativ teuer.
Laut diesem Modell lag der Z-Wert während des FTX-Kollapses Ende 2022 bei etwa -1,84. Kimle erkennt diesen Zeitraum als eines der besten Zeitfenster für Agrarproduzenten, um mit ihren Einnahmen aus Agrarprodukten Bitcoin zu kaufen.
Mit Stand Juni 2026 weist das Modell aktuell einen Z-Wert von etwa -0,68 auf. Das liegt zwar weit entfernt von einer extremen Unterbewertung, jedoch immer noch unter dem langfristigen Durchschnitt. Anders gesagt: Aus Sicht der Mais-Kaufkraft liegt Bitcoin weiterhin leicht unter seinem langfristigen Trendniveau.
Warum sollten Landwirte Bitcoin halten?
Kimle sieht in dieser Forschung einen besonderen Nutzen für den Agrarsektor.
Die Landwirtschaft ist eine kapitalintensive Branche, Landwirte sind langfristig Risiken wie Inflation, Währungsabwertung und Preisschwankungen bei Agrarprodukten ausgesetzt. Daher empfiehlt er Agrarunternehmen, einen Teil des Betriebsgewinns in Bitcoin zu investieren – als langfristiges Reservevermögen.
Er sagt: „Für jedes kapitalintensive Agrarunternehmen ist das Halten kleiner Bitcoin-Bestände keine Spekulation, sondern eine strukturelle Asset-Allocation-Entscheidung.“
Tatsächlich war eines der Gründungsziele von BitCorn, die Verschmelzung von Landwirtschaft und Bitcoin-Infrastruktur voranzutreiben und Landwirten sowie Agrarunternehmen neue Wealth-Management-Werkzeuge zu bieten.
Warum findet die Power-Law-Theorie Unterstützung?
In den vergangenen Jahren hat die „Bitcoin Power Law Theory“ (Bitcoin Power Law Theory) im Kryptomarkt viele Befürworter gefunden.
Ein prominenter Vertreter ist Korok Ray, außerordentlicher Professor an der Mays Business School der Texas AM University. Er sieht das fixe Gesamtangebot von 21 Millionen Bitcoins als einen tragenden Grund für die langfristige Gültigkeit des Modells.
Ray erklärt: „Der Kernfaktor, der das Power-Law-Modell antreibt, ist der FOMO-Kreislauf (Fear of Missing Out).“
Im Gegensatz zu Gold – dessen Preissteigerungen die Produzenten zum Ausbau der Förderung motivieren – wird die Emissionsgeschwindigkeit von Bitcoin komplett durch das Protokoll gesteuert. Miner können nicht durch erhöhtes Schürfen das Angebot steigern.
Diese „nachweisbare Knappheit“ (Provable Scarcity) führt bei Marktteilnehmern zu einer beständigen Erwartungshaltung: „Es gibt immer jemanden, der vor dir gekauft hat, und zwar zu mehr verfügbarem Angebot und zu niedrigeren Preisen.“
Ray ist überzeugt, dass diese langfristige Angebots-Nachfrage-Dynamik den Bitcoin-Preis an einer Potenzgesetz-Kurve kontinuierlich steigen lässt.
Gegner: Bitcoin folgt keinem naturwissenschaftlichen Modell
Allerdings stimmen nicht alle Wissenschaftler dieser Theorie zu.
Adrian Morris, stellvertretender Leiter der Abteilung Digitale Asset-Wiederherstellung bei Grant Thornton, erklärte in einem früheren Bericht, dass die Annahme, Bitcoin folge wie ein physikalisches System Naturgesetzen, ein „Kategorienfehler“ sei.
Er meint: „Bitcoin sollte vielmehr als komplexes sozio-technologisches System (Socio-Technological System) verstanden werden.“
Nach seiner Auffassung unterliegt der Bitcoin-Preis dem Zusammenspiel vieler Faktoren: wirtschaftliche Rahmenbedingungen, regulatorische Vorgaben, geopolitische Aspekte, Investorensentiment und Kapitalströme. Diese Variablen lassen sich schwerlich durch ein einziges mathematisches Modell präzise abbilden.
Morris betont: „Bitcoin ist als Teil des globalen Finanzsystems preislich weitaus komplexer als ein physikalisches System.“
Kann Mais wirklich den Bitcoin-Preis voraussagen?
Die Antwort ist wahrscheinlich nein. Kimle’s Studie geht gar nicht davon aus, dass der Maispreis den Bitcoin-Preis bestimmt oder vorhersagt – Mais dient lediglich als Referenzwert für Kaufkraftveränderungen von Bitcoin.
Tatsächlich wird der Maispreis überwiegend durch witterungsbedingte Einflüsse, Anbaufläche, Ertrag und die globale Nachfrage bestimmt – mit praktisch keiner direkten Verbindung zum Kryptomarkt.
Kimle meint, gerade weil Mais und Bitcoin keine direkte Verbindung haben, eigne sich Mais als idealer Benchmark zur Beobachtung langfristiger Wertentwicklungen. Das eigentliche Ziel des Modells sei es zu zeigen: Weicht der Bitcoin-Preis gegenüber Mais deutlich vom langfristigen Trend ab, so erfolgt meist eine Rückkehr zum historischen Mittelwert.
Allerdings kann, selbst wenn diese Regel schon über 13 Jahre Bestand hat, niemand garantieren, dass sie auch in Zukunft gültig bleibt.
Für Anleger liefert die „Bitcoin und Mais“-Story vielleicht eine neue Perspektive auf den Markt, sie ersetzt jedoch weiterhin nicht die umfassende Analyse von Makroökonomie, Marktmechanik und fundamentalen Faktoren der Kryptobranche.
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