Um 2:00 Uhr morgens ging leise eine Ära zu Ende.
Quelle: Wall Street Informationskreis
Die Welt erinnert sich an Walsh
Um 2:00 Uhr morgens in der GMT+8-Zeitzone kündigte die Federal Reserve an, den Zinssatz unverändert zu lassen, was dennoch die Welt erschütterte.
Das Dot-Plot deutet darauf hin, dass die Zinsen noch vor Ende dieses Jahres angehoben werden könnten, und die politische Erklärung hat die zuvor enthaltene Formulierung, die eine mögliche Zinssenkung andeutete, gestrichen – dies führte zu starken Kursrückgängen an den US-Aktienmärkten, bei Gold und Bitcoin, während der US-Dollar-Index stark anstieg.
Für Insider an der Wall Street waren diese Punkte vorhersehbar – die eigentliche Überraschung lag in den folgenden drei Aspekten:
Erstens kürzte Walsh die politische Erklärung radikal und reduzierte sie auf nur drei Absätze, wodurch der Textumfang maßgeblich schrumpfte und das Format aus der Ära Greenspan wiederhergestellt wurde. Beim ersten Öffnen der Pressemitteilung der Federal Reserve dachte man zunächst, man habe den falschen Link geöffnet. Heute liefert die Erklärung – abgesehen von einer sachlichen Zusammenfassung der Wirtschaftslage – praktisch keinerlei Hinweise.
Dies ist der Beginn davon, wie der neue Vorsitzende Walsh die Federal Reserve verändert – er verändert nicht zuerst den Markt, sondern zunächst das eigene Haus, um letztlich den Markt zu beeinflussen. Walsh läutet eine neue Ära ein: Die „transparente Fed“ der Powell-Ära ist vorbei, die „unklare Fed“ unter Walsh beginnt – künftig werden die Marktvolatilitäten mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich zunehmen. Investoren können also nicht mehr wie in den vergangenen Jahren auf jede Formulierung der Federal Reserve setzen, um sich frühzeitig zu positionieren.
Unter Powell liebte es der Markt, jede Phrase der Fed auseinanderzunehmen – ein Satz wurde drei Tage lang analysiert, ein Satzzeichen reichte für eine Woche Interpretation. Walsh macht damit Schluss: Der Markt soll selbst interpretieren, Preise finden und Risiken selbst tragen – eine enorme Revolution in der Geldpolitik.
Zweitens fehlte im von der Federal Reserve veröffentlichten „Dot-Plot“ ein Punkt. Auf dem Dot-Plot steht jeder Beamte für einen Punkt – diesmal fehlte mit großer Wahrscheinlichkeit der Punkt von Walsh selbst (der sich weigerte, Wirtschaftsprognosen abzugeben).
Das Dot-Plot wurde 2012 unter Bernanke als Instrument für mehr Transparenz eingeführt. Noch bevor Walsh der Fed beitrat, kritisierte er das Dot-Plot in Artikeln und akademischen Diskussionen als „marktirreführend und die Politik verfestigend“. Bei seinem Debüt entschied er sich für die kompromissloseste Form des Protests: keine Einreichung. Das ist eine Kampfansage an eine 14-jährige Tradition der Fed. Wenn der Vorsitzende selbst nicht mehr mitspielt, wird die Autorität der Prognosen der anderen 18 Beamten künftig ebenfalls bedeutungslos. Das Fehlen dieses „Punktes“ deutet darauf hin, dass die Fed das Dot-Plot künftig schrittweise aufgeben könnte.
Drittens hat Walsh Trump keinen „Treueschwur“ überreicht, sondern diesen der Federal Reserve selbst gewidmet (diesmal gab es bei der Sitzung keine Gegenstimmen). Walshs Aussagen wurden von der Wall Street als „etwas restriktiv“ gewertet, weshalb sich die Märkte entgegen Trumps Interessen entwickelten – die US-Aktien fielen flächendeckend, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich wieder 4,5 %.
Powell machte die Federal Reserve zu einem Presseamt, Walsh verwandelt sie wieder in eine echte Zentralbank.
Besonders bemerkenswert waren die dramatischen drei Stunden nach dem Beschluss beim Gold: In der ersten Stunde ein massiver Schock und ein Absturz um 100 US-Dollar (UTC+8); weitere starke Verluste um weitere 50 US-Dollar in der nächsten Stunde (UTC+8); zum Ende des Handels Schließen der Short-Positionen, leichte Erholung um 20 US-Dollar (UTC+8). Ein exzellentes Beispiel für die Angst und Gier des Marktes.
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