Der Marktnarrativ wechselt von „Kriegsabsicherung“ zu „Inflationsabsicherung“, der Spot-Goldpreis bleibt volatil.
Nach aktuellen Meldungen haben die USA und der Iran ein Memorandum of Understanding für einen Waffenstillstand bekannt gegeben; die formelle Unterzeichnung ist für den 19. Juni in der Schweiz geplant. Am 15. Juni stieg der Goldpreis als Reaktion auf die erzielte Friedensvereinbarung sprunghaft an und erreichte die 4.300 US-Dollar-Marke. Im traditionellen Verständnis impliziert eine geopolitische Entspannung meist einen Druck auf sichere Anlagen, doch die Entwicklung des Goldpreises hat dieses Muster diesmal grundlegend verändert.
Institutionen sind allgemein der Ansicht, dass der Markt sich vom Narrativ der „Kriegsflucht“ hin zum Rahmen der „Inflationsabsicherung“ wandelt. Der Abschluss des Waffenstillstands bedeutet nicht, dass die durch den Konflikt offengelegten „tiefen Risse“ im US-Dollar-System behoben wurden. Der monatelange Konflikt im Nahen Osten zeigt, dass die Vormachtstellung der USA in der Energieordnung der Straße von Hormus herausgefordert wurde. Die zuvor vorherrschenden Bedenken wegen möglicher Zinserhöhungen der Federal Reserve beruhten auf der Annahme einer anhaltend höheren Inflation. Die Wiederöffnung der Straße von Hormus deutet auf eine Abschwächung der Inflationserwartungen und eröffnet damit neuen Spielraum für eine Kehrtwende in der Politik der Federal Reserve; der Druck auf die realen Renditen von US-Staatsanleihen wird ebenfalls nachlassen. Betrachtet man die Wachstums- und Inflationszyklen gemeinsam, so bleibt Gold ein hochwertiges Diversifikationsinstrument, das weiterhin durch eine hohe Wertstabilität auffällt. Wenn die Sorgen über Währungsabwertung, steigende Haushaltsdefizite und global wachsende Schulden weiter zunehmen, wird die Eigenschaft von Gold als Wertaufbewahrungsmittel weiter hervorgehoben. Diese mittelfristigen und langfristigen makroökonomischen Probleme werden sich kurzfristig kaum lösen lassen, was wiederum die allmähliche Anhebung des Preisniveaus von Gold unterstützen dürfte.
Verantwortlicher Redakteur: Zhu Henan
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