Hedgefondsmanager Gavin Baker: Eine schulbuchmäßige IPO-Ausführung, SpaceX will die „Ostindien-Kompanie des Zeitalters des Sonnensystems“ werden und zum „größten Unternehmen der Geschichte“ aufsteigen
SpaceX hat mit einem nahezu makellosen Börsengang (IPO) seinen Einstand auf dem öffentlichen Markt gegeben und innerhalb von zwei Tagen einen Kursanstieg von über 30 % erzielt – ohne nennenswerte heftige Kursschwankungen.
Der bekannte Hedgefonds-Manager Gavin Baker ist der Ansicht, dass das Unternehmen nicht nur kurzfristige wirtschaftliche Triebkräfte besitzt, sondern sogar das Potenzial hat, das "bedeutendste Unternehmen der Menschheitsgeschichte" zu werden – er zieht einen Vergleich zu einer "Britischen Ostindien-Kompanie" des Zeitalters des Sonnensystems.

Das Konsortium aus Goldman Sachs und Morgan Stanley erhielt von Baker höchstes Lob: Der Vorgang sei "lehrbuchmäßig perfekt" ausgeführt worden – präzise Preisfestsetzung, es wurde weder zu viel Wert auf dem Tisch liegen gelassen, noch gab es nach einem starken Kursanstieg einen dramatischen Absturz. Er betont zudem: Über 10.000 SpaceX-Mitarbeiter haben beim IPO eigene Aktien gezeichnet, und Marktdaten zeigen, dass die Hauptnachfrage nach dem Börsengang von institutionellen Investoren stammt – entgegen den Darstellungen mancher Medien, die von kleinteiligen Privatanleger-Käufen sprechen. Die gesamte Angebots- und Nachfragestruktur ist weit robuster als gemeinhin erwartet.
Kurzfristig konzentriert sich Baker auf zwei entscheidende wirtschaftliche Variablen: Erstens die schnelle Monetarisierungsfähigkeit von Rechenzentrumsleistung – wie Altimeter offenlegte, generiert SpaceX pro Gigawatt (GW) Rechenleistung im Google-Verbund etwa 50 Milliarden Dollar Umsatz, mit einer Monetarisierungseffizienz, die das Zwei- bis Dreifache neuartiger Cloud-Anbieter erreicht; zweitens hat der KI-Code-Editor Cursor schon mehr als die Hälfte der Unternehmen aus den Fortune 500 durchdrungen und zeigt starke kommerzielle Anziehungskraft. Bakers Fazit: "Das Geschäft von SpaceX ist keineswegs so unerreichbar wie viele meinen."
Aus einer langfristigeren Perspektive glaubt Baker, dass – sobald Starship komplett wiederverwendbar ist – die Gesamtkosten für orbitale Rechenleistung nur noch halb so hoch wie für bodengebundene Datacenter sein werden. Das würde die wirtschaftliche Grundlage von Recheninfrastruktur grundlegend neu schreiben. Kombiniert mit der Vision einer multiplanetaren Zivilisation samt Bau von Städten auf Mond und Mars sagt er offen, dass SpaceX "die außergewöhnlichste Erfahrung" seiner beruflichen Laufbahn sei und er überzeugt davon ist, dass es "sehr wahrscheinlich das bedeutendste Unternehmen der Menschheit werden wird".
Lehrbuchmäßiges Underwriting: Präzise Preisfestsetzung, Anstieg von fast 20 % am ersten Tag
Baker beschreibt die Ausführung des SpaceX-IPO als Paradebeispiel: Am ersten Tag fast 20 % Kursplus ohne extreme Kursschwankungen – also weder zu defensive Preisfestsetzung mit allzu großem Kursspielraum noch ein heftiger Absturz nach kurzfristig ausufernden Zuwächsen. Baker bewertet die Underwriting-Leistung von Goldman Sachs und Morgan Stanley als exzellent; ein so stabiler Preisfindungsprozess sei die höchste Anerkennung professioneller Ausführung.

Mit Blick auf die Bewertung durch den öffentlichen Markt in der Zukunft räumt Baker ein, dass Quartalsergebnisse unumgänglich sind, betont jedoch: Die Toleranz des Marktes für Asset-Intensive Investitionszyklen liegt oft weit über den allgemeinen Erwartungen.
Er verweist dazu auf die Erfahrungen von Tesla und Amazon beim Ausbau von AWS: Beide Unternehmen erlebten während ihrer Phase massiver Infrastrukturinvestitionen eine ausgesprochen geduldige Haltung der Kapitalmärkte – deutlich besser als in der Venture-Capital-Szene oft vermutet. Diese Regel gelte nach Bakers Einschätzung auch für SpaceX.
Kurzfristige Katalysatoren: Monetarisierung im Gigawatt-Bereich & Cursor-Durchdringung im Enterprise-Segment
Baker sieht die größten kommerziellen Triebkräfte der nächsten zwölf Monate in zwei Kernthemen.
Das erste Thema: Die rasche Inbetriebnahme und Monetarisierung von Rechenzentrums-Performance.
Jensen Huang, CEO von Nvidia, wies bereits darauf hin, dass SpaceX Rechenzentren schneller errichtet als jeder andere Marktteilnehmer.
Laut Altimeter hat SpaceX sich rund 20 % der kommenden Nvidia Rubin-Architektur-Chips gesichert; Rubin bietet im Vergleich zur vorherigen Blackwell-Generation einen deutlich höheren Plug-and-Play-Komfort und kann so die Errichtung neuer Rechenzentren beschleunigen. Baker erwartet zudem, dass Groqs LPU (Language Processing Unit) in sechs bis neun Monaten in Teile der Deployments integriert wird, was die Latenzzeiten weiter optimieren dürfte. Wenn es gelingt, in den kommenden zwölf Monaten zwei bis vier Gigawatt Rechenkapazität zügig ans Netz zu bringen, wird dies unmittelbar zu erheblichen Umsätzen führen.
Das zweite Thema: Die Skalierung von Cursor auf Unternehmensebene.
Der KI-native Code-Editor wird mittlerweile in über der Hälfte der Fortune 500-Unternehmen eingesetzt. Baker merkt an, dass Composer 2.5, trainiert auf dem Colossus 2 Cluster und durch Reinforcement Learning (RL) sowie Supervised Fine Tuning (SFT) optimiert, zahlreiche Bewertungsdimensionen dominiert (Pareto Dominant). Mit der Migration auf ein noch leistungsfähigeres Basismodell dürfte der wirtschaftliche Nutzen weiter wachsen.
Im Hinblick auf die Allokation von interner und externer Rechenkapazität ist Baker optimistisch: Die Fähigkeit zur schnellen Bereitstellung neuer Kapazitäten gebe SpaceX die Sicherheit, gleichzeitig an Kunden wie Anthropic und Google zu liefern. Manche Lieferverträge beinhalten sogar Ausstiegsklauseln, die es SpaceX erlauben, Kapazitäten bei Bedarf für das eigene Modelltraining zurückzuholen.
Orbitale Rechenleistung: Kostenlogik bodengebundener Datacenter wird infrage gestellt
Baker liefert eine klare mathematische Argumentation zur Wirtschaftlichkeit orbitaler ("Orbital Compute") Rechenleistung – eines seiner stärksten Argumente für den langfristigen Wert von SpaceX.
Er erklärt, dass die Gesamtkosten für die Bereitstellung von einem Gigawatt Rechenleistung am Boden etwa 60 Milliarden Dollar betragen, davon 25 Milliarden für Strom- und Kühlinfrastruktur und 35 Milliarden für IT-Ausrüstung wie GPU, CPU, Switches und Hochbandbreitenspeicher.
Im Orbit hingegen entfallen die immensen Strom- und Kühlkosten – es fallen nur IT-Hardware und Startkosten an. Baker schätzt: Sobald die Starship-Rakete vollständig wiederverwendbar ist, können Starts in großem Stil rund 5 Milliarden Dollar kosten, was die Gesamtkosten für die orbitale Installation auf etwa 30 Milliarden Dollar senkt – die Hälfte der Kosten gegenüber einem Ausbau am Boden.
Zudem steigt laut Baker der Anteil von Strom- und Kühlkosten am Boden durch Inflation stetig an – im Orbit besteht diese Einschränkung nicht, sodass sich der Kostenvorteil mit der Zeit weiter vergrößert. Er betont, dass normaler Grundbesitz keine tragende Rolle in der Wertschöpfungskette der Rechenleistung spielt; einzig spezielle Standorte mit direktem Zugang zu Kernkraftwerken stellen eine Ausnahme dar – solche Lagen sind allerdings extrem selten.
Stabiles Angebots-Nachfrage-Gefüge: Zehntausende Mitarbeiter halten Aktien, Institutionen dominieren die Käufe
Baker ist der Meinung, dass Marktbefürchtungen hinsichtlich eines Kursdrucks nach den Lock-up-Fristen überschätzt werden. Die eigentliche Angebots-Nachfrage-Struktur ist solider als sie scheint.
Er verweist darauf, dass über 10.000 SpaceX-Mitarbeitende im Zuge des Börsengangs Unternehmensaktien erworben und eine starke Haltebereitschaft zeigen. Noch wichtiger: In der Vergangenheit hatten Angestellte und Frühinvestoren alle sechs Monate die Möglichkeit, über ein offizielles Rückkauf- und Liquiditätsprogramm der Firma auszusteigen. Wer verkaufen wollte, konnte dies ausgiebig über mehrere Tender Offers tun. Die verbleibenden Aktionäre sind dementsprechend weitgehend langfristig orientiert – und keine kurzfristigen Lock-up-Spekulanten.
Zudem zeigt Bakers Datengrundlage, dass die Nachkäufe nach dem IPO vor allem durch institutionelle Investoren erfolgen – anders als Gerüchte über rein von Privatanlegern getragene Kursanstiege. Er hebt hervor, dass die Performance von Privatanlegern in den letzten dreieinhalb Jahren die meisten Profi-Fondsmanager übertroffen hat und dass "Privatanleger" kein abwertender Begriff sein sollte.
Das ultimative Investment: "Die Ostindien-Kompanie des Sonnensystems"
Baker macht keinen Hehl aus seiner starken SpaceX-Position und seiner tiefen Überzeugung und ordnet das Unternehmen als das aus seiner Karriere bedeutendste Investment ein.
In der Vergangenheit hielt er beispielsweise 15 % von Nvidia, als dessen Marktkapitalisierung unter zwei Milliarden Dollar lag, sowie 10 % von Tesla zu einem ähnlichen Zeitpunkt. Dennoch sei SpaceX für ihn "die außergewöhnlichste Erfahrung" – "Ich glaube, dass es das mit Abstand bedeutendste und ikonischste Unternehmen der Menschheitsgeschichte werden kann. Und zwar ohne Einschränkung, ohne 'eines der wichtigsten'. Vielleicht DAS wichtigste."
Seine finale Argumentation baut auf mehreren noch ausstehenden, doch immer greifbarer werdenden Meilensteinen auf: Starlink ermöglicht es, Schulen und Krankenhäuser in Ländern mit niedrigen Einkommen extrem günstig ans Internet anzubinden; sobald Starship vollständig wiederverwendbar ist, wird die Wirtschaftlichkeit orbitale Rechenleistung auf ein neues Niveau heben; und letztlich: Sollte SpaceX es wirklich schaffen, Städte auf Mond und Mars zu errichten und eine multiplanetare Lebensweise zu verwirklichen, könnte das Unternehmen zu einer Ostindien-Kompanie auf Ebene des Sonnensystems werden.
Baker gesteht, dass noch "enorme technische und physikalische Hürden" zu nehmen sind. Dennoch ist er überzeugt, dass ein erheblicher Teil davon noch zu seinen Lebzeiten erreicht werden kann. Seine besondere Empfehlung an Investoren: Fahren Sie mit Ihren Kindern nach Boca Chica (Texas) oder zur Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) und erleben Sie dort einen Raketenstart aus nächster Nähe – "Dieser Klang und die Hitze sind viel eindrucksvoller als jedes Bildschirm-Erlebnis. Sie machen erlebbar, zu welchen Wundern die Menschheit als Spezies in der Lage ist."
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