Besent möchte die US-Staatsanleihen retten, während Walsh gegen die Inflation kämpfen will – Werden das Finanzministerium und die Federal Reserve jeweils ihre eigene Agenda verfolgen?
Besonders eingegriffen hat die Fed genau in das, was Walsh immer als „Marktsignale“ betont hat. Walsh befürwortet, dass Investoren die Preise auf Grundlage von Wirtschaftsdaten und Marktpreisen selbst festlegen und sich nicht auf die Orientierung durch die Zentralbank verlassen. Die Wall Street warnt allgemein davor, dass sich die politischen Ziele des Finanzministeriums und der Fed deutlich auseinanderentwickelt haben. Diese Spannung wird sich in Walshs Rede am Jackson Hole diesen Freitag konzentriert entladen.
Die plötzliche Intervention von US-Finanzminister Besent zur Ausweitung langfristiger Anleiherückkäufe steht im direkten Konflikt mit der anti-inflationären Haltung von Fed-Vorsitzendem Walsh. Große Wall-Street-Investmenthäuser warnen durchweg, dass die politischen Ziele der beiden Institutionen nun eindeutig auseinanderlaufen und diese Spannung sich in Walshs Rede am Freitag in Jackson Hole entladen wird.
Besent kündigte letzte Woche an, das Volumen der Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen "mindestens zu verdoppeln", um die stetig steigenden Renditen am langen Ende zu dämpfen. Doch die Wirkung der Intervention verpuffte bereits nach weniger als einem Tag, die Renditen kehrten schnell zu ihren Höchstständen zurück. Gleichzeitig fiel der US-Dollar in derselben Woche um fast 1%, Gold überschritt die Marke von 4.600 US-Dollar und Bitcoin verzeichnete einen Wochenanstieg von über 25% — der Markt wertet diese Kombination als Nachfrage nach dem Narrativ der "Währungsabwertung" und nicht als Signal für politische Wirksamkeit.
Walsh wird am Freitag in Jackson Hole, Wyoming, sprechen. Dies ist sein erster wichtiger öffentlicher Auftritt seit der umstrittenen Zinsentscheidung im Juli und auch das erste Mal seit Amtsantritt im Mai, dass er so großem Marktdruck ausgesetzt ist. Händler wollen am dringendsten wissen: Angesichts hartnäckig über dem 2%-Ziel liegender Inflation und der sich verschlechternden fiskalischen Lage, wie reagiert die Fed tatsächlich auf diese Entwicklungen?
Besent interveniert am Anleihemarkt, begrenzte Wirkung und hohe Kontroversen
Der Hintergrund von Besents Vorgehen: Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen sind auf den höchsten Stand seit fast 19 Jahren gestiegen, der 32-Billionen-Dollar-Anleihemarkt steht unter Druck. Das US-Finanzministerium kündigte an, ab September das Volumen der Rückkäufe niedrigliquider Langzeit-Anleihen zu verdoppeln, was eine zusätzliche Quartalsmenge von etwa 16 Milliarden US-Dollar bedeutet; pro Operation steigt der Betrag von bisher etwa zwei Milliarden Dollar auf mindestens 4 Milliarden Dollar.
Doch die Reaktion des Marktes zeigte schnell die Grenzen dieser Maßnahme. Peter Tchir von Academy Securities stellte fest, dass derzeit 7,5 Billionen US-Dollar kurzfristige Schatzwechsel und 21,7 Billionen US-Dollar verzinsliche Anleihen im Umlauf sind — Besents Rückkäufe von jeweils 4 Milliarden US-Dollar, fast wöchentlich, seien keineswegs ausreichend, um den Markt dauerhaft zu bewegen. Seiner Einschätzung nach handelt es sich nicht um eine quantitative Lockerung, im Grunde werden nur "Stühle auf dem Deck neu angeordnet", ohne tatsächlich Geld zu schaffen.
Die Kritik aus der Wall Street folgte unmittelbar. Greg Peters, Co-Chief Investment Officer bei PGIM Credit, erklärte: "Ich halte die Logik der Strategie des Finanzministeriums für außerordentlich negativ, es ist eine selbst beschränkende und selbstzerstörerische Vorgehensweise." Lisa Shalett, Chief Investment Officer bei Morgan Stanley Wealth Management, kritisierte, dass die Intervention im US-Anleihemarkt, nur weil man "über steigende Renditen verärgert sei", kein überzeugender Grund sei und einen willkürlichen Eindruck erwecke. Sie ergänzte, dass Besents fortlaufender Versuch, die Renditen des global wichtigsten Bond-Marktes zu kontrollieren, letztlich die Sorgen Washingtons um die Tragfähigkeit der Schulden bestätige.
Hedgefonds-Milliardär Stanley Druckenmiller bezeichnete diese Maßnahme noch deutlicher als "Fehler". In einem Beitrag im Wall Street Journal schrieb er:
"Das ist keine Liquiditätssteuerung, sondern Preissteuerung – ein Fehler, der weit größere Risiken birgt als die 4 Milliarden Dollar selbst."
Walshs gegensätzliche Haltung und interne FOMC-Konflikte
Das direkte Ziel von Besents Intervention sind die Kernbotschaften, die Walsh dem Markt kontinuierlich vermittelt. Walsh hat klar erklärt, steigende Renditen spiegelten die Notwendigkeit höherer Kreditkosten wider, und betont, dass die Fed unter seiner Leitung "darum bemüht ist, nicht in Marktprozesse einzugreifen". Seine Strategie besteht darin, Investoren die autonome Preisfindung anhand von Wirtschaftsdaten und Marktpreisen zu ermöglichen, statt auf vorausschauende Guidance der Zentralbank zu setzen.
Dies steht im direkten Gegensatz zu Besents Logik. Besent sagte nach der Intervention im Interview, steigende Renditen "spiegeln die Fundamentaldaten nicht wider", und das Finanzministerium verfüge über einen "mächtigen Instrumentenkasten".
Krishna Guha, Vizepräsident von Evercore ISI, betonte, dass die Maßnahmen des Finanzministeriums nicht nur Investoren beunruhigen könnten, sondern auch "einige innerhalb des FOMC". Er erklärte:
"Walshs Kernlinie und das, was das Finanzministerium tut, lassen sich kaum vereinbaren. Wenn der Finanzminister dem Markt sagt, die Preise seien falsch und direkt eingreift, kann Walsh nicht länger auf die Preisfindung am Bondmarkt setzen."
Auch die Differenzen innerhalb der Fed sind nicht zu ignorieren. Berichten zufolge unterstützten bei der FOMC-Sitzung im Juli bereits drei Mitglieder eine Zinserhöhung. Danach haben mehrere regionale Fed-Präsidenten öffentlich eine Anhebung um 25 Basispunkte befürwortet. Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 78% für Zinserhöhungen noch in diesem Jahr ein. Scott Barnard, Fixed-Income-Portfolio-Manager bei Westwood, meint, die Aufgabe von Guidance durch Walsh und die Intervention zur Dämpfung langfristiger Renditen durch Besent vermittelten den Eindruck, dass die beiden Institutionen "jeweils eigene Wege gehen".
Der Markt wartet auf Walshs Antwort
Walshs Rede am Freitag wiegt schwerer als die eigentlichen Themen des Jackson-Hole-Treffens — das diesjährige Konferenzthema lautet "Finanzinnovation: Auswirkungen auf Zahlungsverkehr und Politik" und ist nicht direkt auf den Pfad der Geldpolitik ausgerichtet.
Molly Brooks, US-Zinsstrategin bei TD Securities, warnt: "Wenn Walsh dieselben Argumente wiederholt, dürfte der Markt enttäuscht sein, was die ohnehin schon starke Verkaufswelle am langen Ende weiter verstärken könnte." Dhiraj Narula, Rate-Stratege bei HSBC, meint, Walsh könne den Markt durch seine Wortwahl beschwichtigen: "Wenn Chairman Walsh die potenziellen Inflationsrisiken klar benennt, kann dies bereits die Unsicherheitsprämie am langen Ende senken."
Mark Cabana, US-Zinsstratege bei Bank of America Global Research, erklärt, Walshs "fester Einsatz" zur Senkung der Inflation reiche dem Markt nicht, "wir müssen hören, wie die Fed bei dauerhafter Zielverfehlung konkret das Absinken der Inflation fördern will". Die jüngste US-Inflationsrate beträgt 3,7%, und liegt seit über fünf Jahren durchgängig über dem 2%-Ziel.
Michael Ball, Bloomberg Markets Live-Strategist, betont, Besent kann die Laufzeitenstruktur der Schulden verändern, aber nur die Fed kann die Inflationserwartungen ankern. Walshs Jackson-Hole-Rede muss bestätigen, dass das 2%-Ziel erreichbar bleibt, und klarstellen — dass bei dauerhafter Inflation, auch im Konflikt mit der Regierung, politische Maßnahmen ergriffen werden.
Vor der Rede in Jackson Hole erwartet der Markt am Mittwoch noch die Daten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE) im Juli. In den vergangenen Wochen lagen Inflation, Beschäftigung und Einzelhandelsdaten im Rahmen oder unter den Erwartungen, was die Zinserhöhungserwartungen der Händler dämpfte. Sollte sich dieses Muster beim PCE fortsetzen, könnte dies Walshs Rede zusätzlichen Spielraum verschaffen.
Schatten einer "fiskalischen Dominanz", Unabhängigkeit auf dem Prüfstand
Die tiefergehende Sorge, die Besents gescheiterte Intervention ausgelöst hat, betrifft die mögliche Einbindung der Fed. Das politische Ziel der Trump-Regierung, vor den Midterm-Elections im November die Kreditkosten zu senken, hat die Aufmerksamkeit auf die Unabhängigkeit der Fed merklich erhöht.
Jason Furman, Professor an der Harvard University und ehemaliger Vorsitzender des Council of Economic Advisers im Weißen Haus, erklärt:
"Wenn die Fed bei ihrer Geldpolitik auch Ziele des Schuldenmanagements berücksichtigt, ist das ein Signal für fiskalische Dominanz."
Auch auf Marktebene nimmt die Debatte über eine politische Koordination zu. Einige Analysten schlagen vor, die Fed könnte etwa 426 Milliarden US-Dollar kurzfristige Anleihen verkaufen und dafür im gleichen Nominalwert über 20-jährige Bonds erwerben — nach dem Prinzip der "Operation Twist". Das verändert den Bestand der Fed dem Namen nach nicht, ist politisch akzeptabler und kann bis zu 15% der ausstehenden langlaufenden Anleihen absorbieren und somit die Renditen am langen Ende effektiv senken.
Bloomberg-Analysen stellen jedoch heraus, dass dieses Paket innere Widersprüche birgt: Je höher der Anteil kurzfristiger Finanzierung, desto größer die Exponierung des Finanzministeriums gegenüber dem Leitzins der Fed. Muss die Fed wegen der Inflation die Zinsen anheben, steigen die Zinskosten deutlich schneller; zögert sie aus Rücksicht auf die fiskalischen Kosten, wird der Markt die Unabhängigkeit der Fed mit einem noch höheren Risikoaufschlag bestrafen.
Bemerkenswert ist, dass sowohl Walsh als auch Besent als Schüler von Hedgefonds-Milliardär Stanley Druckenmiller gelten, regelmäßig zusammentreffen und ein gutes Verhältnis haben sollen. Investoren und Ökonomen betonen jedoch, dass die Prioritäten und die Logik der jeweiligen Institutionen immer schwerer vereinbar sind. Die 5%-Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen gilt als kritischer Schwellenwert – die Haltung von Walsh am Freitag entscheidet über die Bewertung der entstehenden politischen Risse durch die Märkte.
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