Fidelity Investments hat bei der US-Börsenaufsicht SEC beantragt, Staking in seinen Spot-Ethereum-ETF Fidelity Ethereum Fund (FETH) zu integrieren. Der am 11. August eingereichte geänderte Registrierungsantrag würde es dem 898 Millionen US-Dollar schweren Fonds erlauben, seine ETH-Bestände produktiv einzusetzen, statt sie unverzinst zu verwahren.
Bislang funktionierte FETH ausschließlich als passives Kursprodukt, das die Wertentwicklung von Ether nachbildet. Mit dem Antrag würde sich das ändern – allerdings frühestens dann, wenn die SEC die Registrierungserklärung für wirksam erklärt.
Bis zu 100 Prozent der ETH-Bestände sollen gestakt werden
Laut Antrag könnte FETH unter normalen Bedingungen bis zu 100 Prozent seines Ethers staken. Als normale Bedingungen definiert Fidelity Phasen, in denen das Ethereum-Netzwerk ohne größere Störungen läuft, Rücknahmen im erwarteten Rahmen bleiben und kein außergewöhnliches Ereignis den Fonds zwingt, zusätzliche ETH zurückzuhalten. Ein Teil der Bestände bliebe stets ungestakt, um Rücknahmen, Fondskosten und Liquiditätsbedarf zu decken.
Als Node-Betreiber nennt Fidelity Blockdaemon, Figment und Galaxy Digital Trading Cayman, während die Verwahrer die privaten Schlüssel behalten würden. Eine feste Mindestmenge an zu stakender ETH gibt es nicht, und Fidelity erwartet, dass das Staking „as soon as practicable“ nach Inkrafttreten des Prospekts beginnt.
85/15-Aufteilung und vierteljährliche Ausschüttungen geplant
Der Fonds würde 85 Prozent der Brutto-Staking-Erträge einbehalten, während die restlichen 15 Prozent an Sponsor, Verwahrer und Node-Betreiber als Pauschalgebühr fließen. Fidelity plant unter normalen Bedingungen vierteljährliche Barausschüttungen, deren Höhe von Staking-Renditen, Validator-Performance, Netzwerkregeln, Gebühren und möglichen Slashing-Ereignissen abhängt.
Wichtig für Anleger: Fidelity betont ausdrücklich, dass die vierteljährlichen Ausschüttungen nicht garantiert sind. Eine Zahlung könnte ausgesetzt werden, wenn die Verbindlichkeiten des Fonds die gesammelten Staking-Erträge übersteigen. Rechtliche Grundlage bildet die im November 2025 von US-Finanzministerium und IRS veröffentlichte Revenue Procedure 2025-31, die einen Safe Harbor für Krypto-Trusts schafft, damit diese staken können, ohne ihren steuerlichen Status als Investment- und Grantor-Trust zu verlieren.
Fidelity holt im Wettbewerb um Staking-ETFs auf
Fidelity ist nicht der erste Anbieter mit Staking-Ambitionen. Grayscale ermöglichte im Oktober 2025 als erster US-Emittent Staking in einem Spot-Krypto-ETF, während BlackRock Anfang 2026 mit dem eigenständigen iShares Staked Ethereum Trust ETF (ETHB) nachzog, der zwischen 70 und 95 Prozent seiner ETH staken soll. Bitwise hatte einen ähnlichen Vorschlag im September 2025 zurückgezogen.
Ein Beitrag des Seeking-Alpha-Autors Ryne Mauck beschrieb FETH im Mai als im Nachteil gegenüber den staking-fähigen Produkten von Grayscale und BlackRock – eine Lücke, die Fidelity nun schließen will. Trotz fehlendem Staking verzeichnete FETH laut Farside Investors seit seinem Debüt im Juli 2024 kumulierte Nettozuflüsse von rund 2,13 Milliarden US-Dollar, und der ETF führte vor der US-Marktöffnung am Mittwoch die vorbörslichen Kursgewinne unter Ether-Fonds mit einem Plus von 2,4 Prozent an, wie Cryptonomist unter Berufung auf Yahoo-Finance-Daten berichtet.
Liquiditätsrisiken bleiben für Anleger relevant
Gestakte Ether sind nicht sofort verfügbar: Der Ausstieg aus einem Validator und die Fertigstellung einer Auszahlung kann laut Fidelity zwischen einem Tag und mehreren Wochen oder Monaten dauern, je nach Netzwerkauslastung. Der Antrag verweist zudem auf Risiken durch Slashing, Validator-Ausfälle oder Fehler bei der Übertragung von Rewards, die den Wert der gestakten Bestände mindern könnten.
Fidelity will dem mit einem täglich überwachten Liquiditätsrisiko-Programm und einer jährlichen Prüfung durch das hauseigene Fair Value and Liquidity Risk Management Committee begegnen, ergänzt durch Kreditlinien oder die Übertragung von Validator-Positionen als Ausweichoptionen. Wer FETH bereits hält oder einen Einstieg erwägt, sollte diese Ausstiegsmechanik im Blick behalten, da Staking-Renditen und Liquidität in einem direkten Zielkonflikt stehen können.
Weiterlesen: Fidelity und das Staking im Ethereum-ETF
Wie sich Rendite- und Liquiditätsrisiken bei staking-fähigen ETFs konkret auswirken können, zeigt der Fall eines Ethereum-ETF mit hoher Bindungsquote und rückläufigem Vermögen, der in einem separaten Coincierge-Bericht eingeordnet wird. Auf institutioneller Ebene lässt sich ein ähnliches Muster bei SharpLinks Einsatz von gestaktem ETH über wstETH und Lido beobachten, wo Staking-Erträge über eine liquide Wrapper-Struktur nutzbar gemacht werden.
Zuletzt aktualisiert am 25. August 2026




