Goldman Sachs warnt: Händler werden zum „Mitziehen“ gezwungen, 4900 US-Dollar für Gold sind „zu konservativ“
Angesichts der zunehmenden Schwankungen globaler Vermögenswerte zeigt der Goldpreis weiterhin keine Anzeichen einer Obergrenze. Goldman Sachs vertritt aktuell die Meinung, dass das ursprünglich für Jahresende festgesetzte Kursziel von 4.900 Dollar nun als vorsichtig gilt. Die Analysten betonen, dass sich der Goldpreis derzeit in einer „mechanischen Beschleunigungsphase“ befindet; Short-Covering und Absicherungsgeschäfte im Optionsmarkt treiben den Goldpreis auf Niveaus, die durch die Fundamentaldaten kaum zu erklären sind.
Der jüngste Anstieg des Goldpreises ist kein Zufall. In der vergangenen Woche hat das US-Finanzministerium überraschend eine Ausweitung der Rückkäufe von Staatsanleihen angekündigt, was den US-Dollar-Index unter Druck gesetzt hat und Gold einen Wochenzuwachs von über 5 Prozent bescherte. Für Investoren, die andere Währungen als den US-Dollar halten, sorgt die Wechselkursvolatilität für einen „Rabatteffekt“, der weltweit Kapitalströme in den Goldmarkt anzieht.
Goldman Sachs führt den Durchbruch der 4.600-Dollar-Marke vor allem auf die positive Wirkung des Kurswechsels der US-Notenbank zurück. Durch die Juli-Sitzung und die schwachen Nonfarm-Daten wurde der Markt auf einen Zinssenkungskurs im September eingeschworen. Doch das ist nur die Oberfläche – der eigentliche Motor ist der „Gamma-Squeeze“ am Optionsmarkt. Wenn Investoren massenhaft Call-Optionen kaufen, sind Market Maker gezwungen, bei steigenden Preisen Aktien zuzukaufen, um ihr Risiko abzusichern, wodurch ein selbstverstärkender Kreislauf entsteht: Je höher der Preis, desto stärker die Nachfrage.
Goldman Sachs warnt, dass dieser durch Positionsstrukturen getriebene Anstieg sehr anfällig für eine „Kehrtwende“ ist. Sobald künftige Daten den Markt zur Korrektur der Zinserwartungen zwingen, wird das ursprüngliche Absicherungsgeschäft blitzschnell zu Verkaufsdruck, dessen Rücklauf deutlich über normale Muster hinausgeht.
Auf geopolitischer Ebene bieten die wiederholten Spannungen im Nahen Osten und verschärfte Sanktionen dem Goldpreis einen soliden Abpuffer nach unten. Goldman Sachs verweist darauf, dass die verstärkte Goldkäufe der Zentralbanken und Fluchtkapital als „Stabilisator“ des Goldpreises wirken.
Die starke Kursschwankung im asiatischen Handel sollte laut Goldman Sachs nicht als Trendwende überinterpretiert werden – sie ist lediglich das Ergebnis von Positionskämpfen. Durch das Zusammenspiel von Zentralbanknachfrage und technischen Käufen ist der Weg für Gold auf 4.900 Dollar zwar kurvenreich, doch die explosive Entwicklungskraft ist beachtlich.
In den nächsten Tagen wird der Markt die Aufmerksamkeit voll auf Jackson Hole in Wyoming richten. Fed-Präsident Kevin Warsh wird eine viel beachtete Rede halten. Als strukturell pessimistischer Vertreter mit Vorliebe für „Angebotsseitige Zerstörung“, dessen Skepsis gegenüber traditionellen geldpolitischen Modellen weithin bekannt ist, sorgt er für Unsicherheit bezüglich des Zinssenkungskurses.
Gleichzeitig wird in dieser Woche der persönliche Konsumausgaben-Preisindex (PCE) für Juli veröffentlicht – der bevorzugte Inflationsindikator der Fed, der direkt den Kurs im September festlegt. Bleibt die Datenlage schwach, dürfte dies die ohnehin heißen Zinssenkungserwartungen zusätzlich befeuern und die Opportunitätskosten für Goldhalter weiter senken.
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