Der CAPE-Quotient des US-Aktienmarktes nähert sich dem Internetblase-Höchststand – jetzt auf hohem Niveau einsteigen oder auf eine Korrektur warten? Historische Daten geben die Antwort.
Ein wichtiger Bewertungsindikator sendet ein Warnsignal aus.
Die App von Intelligente Finanznachrichten meldet, dass der S&P 500 Index in diesem Jahr mehrfach neue Allzeithochs erreicht hat, aber ein wichtiger Bewertungsindikator gibt derzeit Warnsignale. Der Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 (auch zyklisch bereinigtes Kurs-Gewinn-Verhältnis oder CAPE genannt) ist aktuell auf 42,2 gestiegen – der höchste Stand seit dem Höhepunkt der Internetblase im November 1999 (44,2). Das bedeutet, dass die Bewertung des US-Aktienmarktes derzeit den höchsten Stand der letzten 26 Jahre erreicht hat.
Bewertungsindikator warnt
Das CAPE-Verhältnis misst, welchen Preis Investoren für jeden einzelnen Dollar Gewinn der Unternehmen des S&P 500 zahlen. Der Indikator betrachtet die Gewinne der Unternehmen des S&P 500 der letzten zehn Jahre, inflationsbereinigt und ohne einmalige Ereignisse wie die Lockdowns während der Covid-Pandemie.
Je höher das CAPE-Verhältnis, desto teurer ist die Bewertung des S&P 500 Index. Seit 1990 liegt der CAPE-Durchschnittswert knapp über 27 – verglichen mit dem aktuellen Wert von 42,2 ist klar erkennbar, dass der Markt weit über seinem historischen Durchschnitt liegt. Der Indikator ist nicht fehlerfrei, bietet aber einen wichtigen historischen Referenzpunkt zur Bewertung des Marktes.

Was unterscheidet die aktuelle Situation von der Internetblase?
Die Internetblase war eine der spekulativsten Perioden in der Geschichte des US-Aktienmarktes: Investoren kauften wahllos nicht validierte Internetunternehmen. Am Höhepunkt der Blase im März 2000 erreichte der S&P 500 Index 1527 Punkte; innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre sank er um etwa 50%, viele Firmen gingen bankrott, die Verluste der Investoren waren enorm.
Dass das aktuelle CAPE-Verhältnis nahe am Niveau der Internetblase liegt, bedeutet jedoch nicht, dass sich die Geschichte einfach wiederholt. Der Analyst David Dierking von The Motley Fool weist darauf hin, dass beide Zyklen grundlegend unterschiedlich sind: Während der Internetblase hatten viele Unternehmen nicht einmal substanzielle Umsätze, geschweige denn Gewinne; heute sind die Haupttreiber der hohen Bewertungen im US-Aktienmarkt die AI-Welle und die explodierenden Bewertungen der großen Tech-Unternehmen.
Dierking betont, dass der S&P 500 stark auf die „Tech Seven Giants“ konzentriert ist und Investoren bereit sind, einen Aufschlag für diese Unternehmen zu zahlen. Ob es sich bei der aktuellen AI-Welle um eine Blase handelt, wird zwar diskutiert, aber die führenden Unternehmen, die die aktuelle Rallye antreiben, unterscheiden sich radikal von den spekulativen, ungeprüften und unrentablen Firmen der Internetblase.
Gleichzeitig sind die Wall-Street-Institute nicht pessimistisch für die Zukunft des US-Marktes. Mindestens sieben Institute erwarten, dass der S&P 500 bis Ende 2026 8000 Punkte erreichen wird. Morgan Stanley und JP Morgan erklärten kürzlich, dass der S&P 500 künftig nicht mehr primär durch Bewertungsausweitungen, sondern durch Gewinnanhebungen und die Kommerzialisierung von AI angetrieben wird. JP Morgan hat das Ziel für Ende 2026 von 7800 auf 8000 Punkte erhöht, Morgan Stanley das Ziel für 2026 ebenfalls auf 8000 Punkte und das 12-Monats-Ziel auf 8300 Punkte angehoben.
Investoren stehen vor einer Zwickmühle
Der S&P 500 hat in diesem Jahr bereits mehr als 12% zugelegt und allein im August mehrfach neue Allzeithochs erreicht. Für Investoren, die derzeit liquide Mittel halten und auf den Einstieg warten, ist die Situation besonders schwierig: Jetzt zu kaufen, könnte bedeuten, einen temporären Höhepunkt zu erwischen; auf eine Korrektur zu warten, könnte hingegen bedeuten, dass diese nicht kommt.
Strategie Eins: Kaufen auf hohem Niveau
Der langfristige Trend des S&P 500 zeigt nach oben – in einem gesunden Bullenmarkt ist das Erreichen neues Allzeithochs normal und meist ein positives Signal, nicht zwangsläufig Zeichen für eine zu hohe Bewertung.
JP Morgan hat die Renditedaten des S&P 500 seit 1970 analysiert und festgestellt: Wer zum Allzeithoch kauft, erzielt im folgenden Jahr eine durchschnittliche Rendite von 9,4%; wer nicht zum Allzeithoch kauft, erzielt durchschnittlich 9,0%. Bei einer Haltefrist von zwei Jahren wird der Unterschied größer: Zum historischen Höchststand gekauft, beträgt die Durchschnittsrendite 20,2%; nicht zum Höchststand 18,5%.
Das heißt: Historisch betrachtet ist „am Top kaufen“ nicht so dramatisch, wie es viele Investoren befürchten.
Strategie Zwei: Auf eine Korrektur warten
Natürlich kann der S&P 500 jederzeit fallen. Der US-Markt ist nach mehreren Bewertungsindikatoren teuer, hohe Zinsen, geopolitische Unsicherheiten und möglicherweise überhöhte AI-Erwartungen könnten für Schwankungen sorgen.
Dierking sagt, dass das Warten auf einen Rücksetzer bedeutet, dass zwei richtige Entscheidungen getroffen werden müssen: Erstens die genaue Vorhersage, dass die Zielaktie unter das aktuelle Preisniveau fallen wird; zweitens den korrekten Eintrittszeitpunkt. Kaum jemand schafft es, dies auf Dauer richtig zu machen.
Die historische Erfahrung zeigt immer wieder: Das „Timing“ kann nachteilig sein. Für Investoren ist eine der klügsten Entscheidungen, investiert zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass sich der Markt auch nach Rückschlägen langfristig erholt und gute Renditen liefert.
Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Dierking meint, dass in der aktuellen Marktsituation eine Sparplan-Strategie lohnenswert sein könnte – also einen festen Investitionsbetrag wählen, den Zeitraum (wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich) festlegen und unabhängig von der Marktlage konsequent investieren. Der Kern des Sparplans besteht darin, Investoren vom Timing abzuhalten, da der Plan im Voraus festgelegt ist. Wer langfristig investiert, erzielt meistens bessere Ergebnisse als diejenigen, die versuchen, den Markt punktgenau zu timen.
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