Wieder „White-House-Insiderhandel“? Einen Tag vor dem überraschenden Eingreifen des US-Finanzministeriums verzeichnete der US-Langfristanleihen-ETF den größten Tagesnettozufluss der Geschichte.
Am Tag vor der Ankündigung des US-Finanzministeriums, das Rückkaufprogramm für langfristige Staatsanleihen erheblich auszuweiten, verzeichnete ein besonders sensibler Long-Term-Treasury-ETF einen Rekordzufluss von 123 Millionen US-Dollar an nur einem Tag; das Handelsvolumen verdoppelte sich nahezu. Nach Bekanntgabe der Mitteilung fiel die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen um bis zu 10 Basispunkte an einem Tag, während der ETF um 3,2 % zulegte. Das ungewöhnliche Timing der Kapitalzuflüsse löste erneut Marktverdacht auf Insiderhandel aus und verweist auf die zuvor diskutierten „White House Insider Trading“-Kontroversen.
Eine mysteriöse Geldsumme ist am Tag vor der Ankündigung des US-Finanzministeriums, Rückkäufe von Langläuferanleihen auszuweiten, punktgenau in einen extrem zinssensitiven ETF eingeströmt – das perfekte Timing sorgt erneut für Spekulationen über Insiderhandel am Markt.
Das US-Finanzministerium gab am Mittwoch, dem 20. August, bekannt, dass das Rückkaufvolumen für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Jahren mindestens verdoppelt werden soll. Nach der Meldung fiel die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe an einem Tag um bis zu 10 Basispunkte auf 5,18 % und löste sich damit von einem fast zwanzigjährigen Hoch.
Am Tag vor der Bekanntgabe, also am Dienstag, verzeichnete der Pimco 25+ Year Zero Coupon US Treasury Index ETF einen Rekordnettozufluss von 123 Millionen US-Dollar innerhalb eines Tages. Zeitgleich erreichte das Handelsvolumen 5,2 Millionen Stück, nahezu doppelt so viel wie der bisherige Spitzenwert im Jahr 2024.
Am Mittwoch nach der Nachricht stieg der ETF an einem Tag um 3,2 %, der größte Tagesanstieg seit November 2024.

Warum ist dieser ETF so sensibel?
Dieser ETF hat ein Volumen von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar und investiert in sogenannte STRIPS – also Nullkuponanleihen, bei denen Zins- und Tilgungszahlungen von US-Staatsanleihen getrennt wurden.
Nullkuponanleihen zahlen keine regelmäßigen Zinsen, die gesamte Rendite entsteht erst bei Rückzahlung des Kapitals zum Laufzeitende. Daher reagieren die Kurse solcher Anleihen viel stärker auf Zinsbewegungen als klassische Anleihen. Die effektive Duration des ETFs beträgt rund 28 Jahre, das heißt, sinkt der langfristige Zinssatz um einen Prozentpunkt, steigt der Nettoinventarwert des ETF theoretisch um etwa 28 %.
Wenn ein gewöhnlicher Langläufer-ETF wie ein normales Auto ist, dann gleicht dieser ETF einem Rennwagen – in derselben Kurve ist seine Reaktion deutlich heftiger.
Genau deshalb ist dieser ETF eines der direktesten und mit dem stärksten Hebel ausgestatteten Instrumente für Wetten auf die langfristige Zinsentwicklung.
Auffälliges Timing, zweifelnde Stimmen
Die Rückkaufbekanntmachung des Finanzministeriums kam unerwartet, der Markt hatte nicht damit gerechnet.
Doch nur einen Tag vor der Bekanntgabe kauften Investoren diesen hochsensitiven ETF in historisch großem Umfang – sowohl in Bezug auf Zufluss als auch Handelsvolumen. Dass dies genau zu diesem Zeitpunkt geschah, sorgt am Markt für heftige Zweifel, ob jemand die politischen Informationen vorab kannte.
Es ist nicht das erste Mal, dass es in den USA Kontroversen dieser Art gibt. Auch nach der Ankündigung der Trump-Regierung, sogenannte reziproke Zölle auszusetzen, kam es zu auffälligem Verhalten am Aktienoptionsmarkt, was zu breiten Diskussionen über „White-House-Insiderhandel“ führte.
Bislang hat der Bloomberg-Bericht keine konkreten Angaben zur Herkunft der Gelder gemacht, und keine Aufsichtsbehörde hat öffentlich erklärt, eine Untersuchung eingeleitet zu haben.
Langläufer bleiben dieses Jahr unter Druck
Trotz des Kursanstiegs an einem Tag liegt der ETF seit Jahresbeginn immer noch mit 5,4 % im Minus.
Grund dafür sind anhaltend hohe Inflationserwartungen, kombiniert mit Sorgen über das Haushaltsdefizit, was für anhaltenden Verkaufsdruck auf langlaufende US-Staatsanleihen sorgt – die Rendite der 30-jährigen Anleihe näherte sich zwischenzeitlich dem höchsten Stand seit fast 20 Jahren.
Die Ausweitung der Rückkäufe durch das Finanzministerium bietet kurzfristige Unterstützung für Langläufer, ob jedoch der Negativtrend des Jahres komplett gestoppt werden kann, darüber ist der Markt weiterhin uneins.
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