Morgan Stanley-Analyse: Das Fehlen langfristiger Verträge im traditionellen Speicherbereich ist nicht unbedingt negativ – DDR4 und SLC NAND befinden sich derzeit im stärksten Preisanstiegszyklus.
Verfasst von: Rita
Die Diskussionen über langfristige Verträge (LTAs) für Mainstream-Speicherchips sind in vollem Gange, doch Morgan Stanley ist der Meinung, dass es für traditionelle Speicher kein Nachteil ist, keine LTAs zu haben.
Morgan Stanley wies in einem am 14. August veröffentlichten Bericht darauf hin, dass sich die Fundamentaldaten der drei traditionellen Speicherprodukte DDR4, SLC NAND und NOR Flash weiterhin verbessern. Das Angebotsdefizit vergrößert sich und die Preissetzungsmacht nimmt zu, zudem ziehen sich führende Hersteller schneller als erwartet aus der DDR4-Lieferung zurück. Der Berichtstitel reagiert direkt auf die Marktdiskussion: Fehlende feste Preise durch LTAs geben traditionellen Speicherherstellern während einer Preisanstiegsphase mehr Flexibilität bei der Preissetzung.
Morgan Stanley hat die Gewinnprognosen für Macronix, Winbond, GigaDevice und PSMC umfassend angehoben und AP Memory als bevorzugten Titel eingestuft, da der Markt die Nachhaltigkeit des traditionellen Speicherzyklus unterschätzt.
DDR4-Preisanstieg setzt sich bis ins 4. Quartal 2026 fort, fehlende LTAs als Vorteil
Am Markt wird der starke DDR4-Trend meist mit der Server-Nachfrage verknüpft, doch Morgan Stanley sieht eine umfassendere Nachfragestruktur, da auch Consumer-Elektronik DDR4 nachfragt. Die weltweiten führenden Speicherhersteller beschleunigen ihren Ausstieg aus der DDR4-Lieferung, und das Angebot bleibt dadurch angespannt. Morgan Stanley erwartet für das 3. Quartal 2026 einen Preisanstieg bei DDR4 von 50 % und im 4. Quartal 2026 einen weiteren Anstieg von über 10 %. Da LTAs fehlen, erlaubt das Spotpreis-System den traditionellen Herstellern, die Vorteile des Preisanstiegs voll auszuschöpfen, ohne durch Untergrenzen der langfristigen Verträge eingeschränkt zu sein.
SLC NAND ist die preissteigerungsstärkste Variante
SLC NAND ist laut Morgan Stanley das Produkt mit der „höchsten Überzeugung“ beim Preisanstieg in diesem Zyklus. Für das 3. und 4. Quartal 2026 wird ein Preisanstieg von jeweils über 50 % prognostiziert. Ursachen dafür sind die anhaltenden Kapazitätsbegrenzungen und die geringe Bereitschaft der Anbieter, Wafer an traditionelle Produkte zuzuteilen. Marktdiskussionen deuten darauf hin, dass das knappe Angebot bis 2027 anhalten dürfte – und dass die Dauer des Zyklus die Erwartungen der Investoren übertreffen könnte.
Die Migration der Nachfrage von MLC zu SLC unterstützt das weitere Preissteigerungspotenzial zusätzlich. Morgan Stanley sieht auch im ersten Halbjahr 2027 weiteres Aufwärtspotenzial für SLC NAND-Preise – ein Bereich, in dem der Markt die Preisdynamik derzeit am meisten unterschätzt.
Preisdynamik bei NOR Flash hält bis ins 1. Halbjahr 2027 an
Auch bei NOR Flash verbessern sich die Fundamentaldaten. Nach jüngsten Preiserhöhungen erwartet Morgan Stanley für das 4. Quartal 2026 eine weitere Runde und einen möglichen anhaltenden Aufwärtstrend bis ins 1. Halbjahr 2027. Das Angebot bleibt begrenzt, während die Nachfrage durch Industrie, Automobil, Netzwerk und Edge-AI-Anwendungen gestützt wird. Auch die Nachfrage nach AI-Servern bleibt stark. Das Angebots-Nachfrage-Modell von Morgan Stanley zeigt, dass NOR Flash im hochkapazitiven Segment unterversorgt ist und das Angebotstempo hinter dem Nachfragewachstum zurückbleibt.
Morgan Stanley hebt Gewinnprognosen für vier traditionelle Speicherhersteller an
Die Präferenz von Morgan Stanley bei traditionellen Speicherwerten lautet: AP Memory > GigaDevice > Macronix > Winbond > PSMC > Nanya Technology. AP Memory wird aufgrund des SiCap-Geschäfts bevorzugt.
Am stärksten wurden die Gewinnschätzungen für Macronix und GigaDevice angehoben. Für Macronix stiegen die erwarteten Gewinne je Aktie für 2026 bis 2028 um 139 %, 144 % und 147 %. Das Kursziel bleibt bei 220 NT$, das Bärenmarktszenario wurde von 130 NT$ auf 100 NT$ gesenkt. Bei GigaDevice wurden die Gewinne je Aktie für 2026 bis 2028 um 108 %, 49 % und 48 % erhöht und das Kursziel von 888 CNY auf 750 CNY gesenkt, was den niedriger bewerteten Markt nach dem IPO von ChangXin Memory Systems widerspiegelt. Bei Winbond wurde der erwartete Gewinn je Aktie für 2026 bis 2028 um 17 %, 30 % und 34 % angehoben, das Kursziel bleibt bei 288 NT$. Für PSMC steigen die erwarteten Gewinne für 2026 bis 2028 um 18 %, 17 % und 13 %, das Kursziel bleibt bei 111 NT$.
Die Logik des Preisanstiegs bei traditionellen Speichern unterscheidet sich von der im Mainstream durch LTAs abgesicherten. Das Fehlen von LTAs bedeutet keinen Schutz durch Mindestpreise, aber auch keine Begrenzung nach oben. Wenn das Angebotsdefizit steigt und die Preissetzungsmacht bei den Anbietern liegt, ergibt sich daraus das größte Gewinnpotenzial. Die Kernthese von Morgan Stanley: Der starke Trend bei DDR4 hält mindestens bis ins 2. Halbjahr 2026 an, während die Preisdynamik für SLC NAND und NOR Flash bis ins 1. Halbjahr 2027 anhalten dürfte.


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