Nvidia hat stillschweigend den Umfang der OpenAI-Rechenzentrumsbürgschaft von 250 Milliarden Dollar auf weniger als 120 Milliarden Dollar reduziert.
Nvidia und OpenAI stehen kurz davor, eine Vereinbarung zur Finanzierung eines Rechenzentrums in Ohio zu unterzeichnen. Allerdings wurde die finanzielle Bürgschaft von Nvidia von ursprünglich 250 Milliarden US-Dollar auf weniger als 120 Milliarden US-Dollar reduziert, was nur die erste Phase des Projekts mit etwa 5 GW Rechenleistung abdeckt. Diese Anpassung resultiert direkt aus der Sorge der Investoren über Nvidias Risikoposition – nachdem der ursprüngliche Bürgschaftsplan von 250 Milliarden US-Dollar bekannt wurde, fiel der Nvidia-Aktienkurs an nur einem Tag um 5 %. Die Vereinbarung könnte bereits am Wochenende unterzeichnet werden.
Die bisher größte Finanzierungsrunde in der Geschichte der KI-Infrastruktur wird derzeit stillschweigend verkleinert.
Nvidia und OpenAI stehen kurz davor, eine Finanzierungsvereinbarung für einen großen Rechenzentrums-Campus in Ohio abzuschließen. Laut informierten Kreisen haben beide Parteien jedoch die Struktur des Geschäfts neu ausgestaltet – Nvidias finanzielle Garantie wurde von ursprünglich 250 Milliarden US-Dollar auf weniger als 120 Milliarden US-Dollar reduziert. Die Nachricht wurde am 14. August zuerst vom Wall Street Journal veröffentlicht, kurz darauf berichtete Reuters darüber.
Hinter der Halbierung der Bürgschaft steckt der Druck seitens der Investoren. Wie Medien berichteten, ist der Auslöser für die aktuelle Anpassung die Sorge der Investoren über das Risiko, dass Nvidia die Nachfrage nach Chips durch die eigene Bilanz befeuert. Nachdem erstmals über den 250-Milliarden-US-Dollar-Garantieplan berichtet wurde, fiel der Aktienkurs von Nvidia am selben Tag um 5 % – das Signal des Marktes war eindeutig.
Nur erste Phase garantiert, Rest bleibt offen
Das Kernkonzept des neuen Ansatzes ist eine "gestaffelte Garantie".
Berichten zufolge diskutiert Nvidia derzeit folgendes Modell: Es wird nur für die erste Projektphase, die etwa 5 Gigawatt Rechenleistung umfasst, eine finanzielle Garantie übernommen und damit die für Miet- und Baufinanzierung der Rechenzentren benötigten Schulden abgedeckt; die Finanzierung der verbleibenden 5 Gigawatt wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Diese Garantie wird ähnlich wie ein Kreditrating-Upgrade eingesetzt – durch Nvidias Unterstützung gewinnen die Kreditgeber Vertrauen in die Projektsicherheit und die Finanzierungskosten sinken.
Nach Angaben von zwei informierten Personen verhandelt OpenAI weiterhin über verbindliche Mietverträge für das gesamte 10-Gigawatt-Projekt. Mit einer Unterzeichnung sei in den nächsten Tagen zu rechnen. Die Vereinbarung könnte bereits am kommenden Wochenende finalisiert werden.
Für die Entwicklung des Rechenzentrums-Campus ist die SoftBank-Tochter SB Energy zuständig. Nach Fertigstellung wird dies das bislang weltweit größte offiziell angekündigte Rechenzentrumsprojekt sein.
Die Gesamtstruktur des Geschäfts
Die Finanzstruktur des Ohio-Projekts beschränkt sich nicht nur auf diese Bürgschaft.
Nvidia verhandelt auch separat über eine Finanzierungsvereinbarung zum Chipkauf – zur Unterstützung der Chip-Bestellungen von OpenAI. Das Gesamtvolumen des Projekts könnte bis zu 350 Milliarden US-Dollar erreichen. Der für das Projekt benötigte Strom wird von der US-Regierung reguliert, die Mittel werden im Rahmen eines aktuellen Handelsabkommens ausschließlich aus Japan bereitgestellt.
Goldman Sachs ist als Financial Advisor für SB Energy tätig, Morgan Stanley berät Nvidia.
Zeitlich gesehen ist dies nicht der erste Kooperationsversuch zwischen Nvidia und OpenAI. Bereits im September 2025 unterzeichneten beide Parteien eine Absichtserklärung, nach der Nvidia OpenAI mindestens 10 Gigawatt Rechenleistung zusagen und bis zu 100 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung bereitstellen wollte. Medienberichten zufolge wurde die Vereinbarung jedoch wegen interner Bedenken bei Nvidia ausgesetzt.
Nvidia bindet parallel externes Kapital ein
Während der laufenden Verhandlungen kündigte Nvidia diese Woche eine Zusammenarbeit mit sechs Finanzinstitutionen – Apollo Global Management, Blackstone, BlackRock, Brookfield Asset Management, Goldman Sachs und KKR – an, um eine "Rechenleistungsfinanzierungsplattform" zu etablieren.
Laut Nvidia planen diese Institute, in den kommenden Jahren mehr als 500 Milliarden US-Dollar externes Kapital einzusetzen, um die Chipfinanzierung zu attraktiven Konditionen zu ermöglichen.
Die Absicht hinter dieser Struktur ist klar: Das Finanzierungsrisiko wird von Nvidias eigener Bilanz auf die externen Kapitalmärkte verlagert.
Beachtenswert ist, dass OpenAI trotz einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar derzeit weiterhin Verluste verzeichnet. Die Fähigkeit des Unternehmens, Finanzmittel für umfangreiche Infrastrukturzusagen im 10-Gigawatt-Bereich bereitzustellen, bleibt unter Beobachtung des Marktes. Reuters betonte in seinem Bericht: "Die Fähigkeit des Unternehmens, groß angelegte Verpflichtungen für KI-Infrastruktur einzugehen, wird weiterhin angezweifelt."
Haftungsausschluss: Der Inhalt dieses Artikels gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder und repräsentiert nicht die Plattform in irgendeiner Form. Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, als Referenz für Investitionsentscheidungen zu dienen.

