Das „Rashomon“ um das vollständig aus Glas bestehende 20-jährige Jubiläums-iPhone von Apple (AAPL.US): Jefferies meldet gerade die Einstellung, während Insider schnell widersprechen und sagen, dass das Projekt weiterhin wie geplant voranschreitet.
Berichten zufolge plant Apple weiterhin, die 20. Jubiläumsausgabe des iPhones mit Glasdesign im Jahr 2027 zu veröffentlichen.
German Finance Nachrichten APP hat erfahren, dass kurz vor der Veröffentlichung der iPhone 18-Serie im September und dem offiziellen Amtsantritt des neuen CEO John Ternus am 1. September eine intensive Auseinandersetzung über die Zukunftsstrategie von Apple zwischen Wall Street und Silicon Valley entbrannt ist. Am 10. August stufte Jefferies Analyst Edison Lee die Apple-Bewertung aufgrund von "Supply-Chain-Untersuchungen, dass das All-Glass-iPhone aufgrund schlechter Ausbeute abgesagt wurde", ungewöhnlich herab auf "Underperform". Nur einen Tag später widerlegte Bloomberg diese Aussage unter Berufung auf Insider: Apples Produktfahrplan bleibt unverändert und das Jubiläums-iPhone mit glasbasiertem Design zum 20. Jubiläum wird weiterhin planmäßig 2027 erscheinen.
2027 hat für Apple eine besondere strategische Bedeutung – das iPhone feiert seinen 20. Geburtstag. Vor zehn Jahren hat Apple zum zehnjährigen Jubiläum das iPhone 9 übersprungen und mit dem Meilenstein iPhone X durch Vollbild und Face ID die Produktform grundlegend neu gestaltet.
Das "Pessimistische Szenario" von Jefferies: Schlechte Ausbeute führt zum Scheitern des All-Glass-iPhones
Jefferies Analyst Edison Lee veröffentlichte am Montag einen Bericht, der wie eine Bombe einschlug. Er beruft sich auf Supply-Chain-Befragungen und stellt fest, dass das für September 2027 geplante Jubiläumsmodell "All-Glass-iPhone" wegen "zu niedriger Produktionserträge" endgültig abgesagt wurde.
Das abgesagte Gerät sollte ursprünglich die ultimative Vision des früheren Apple-Chief-Designers Jony Ive verwirklichen – das Smartphone sollte aussehen, als bestehe es komplett aus einem einzigen Glasblock. Jefferies schätzt, dass der hybride Einzelhandelspreis (ASP) dieses Geräts bei $2.060 liegen könnte, weit über dem Einstiegspreis von $1.199 für das iPhone 17 Pro Max.
Das Aus für das All-Glass-iPhone sieht Jefferies als "herben Rückschlag". Der Analyseansatz ist klar und kompromisslos:
Erstens, der Weg zu höheren Preisen im Premiumsegment ist blockiert. Apples langfristiger Plan war, das Glasdesign "auf zukünftige iPhone Pro und Pro Max Serien auszuweiten und so ASP und Gewinnmargen weiter zu steigern". Das Aus dieses Plans bedeutet, dass Apple die durchschnittlichen iPhone-Preise deutlich schwerer als erwartet erhöhen kann.
Zweitens, Foldables sind kein Allheilmittel. Nach der Absage des All-Glass-Geräts bleibt das Foldable-iPhone als "einzige wesentliche Triebkraft für steigenden ASP und Gewinnmargen". Doch Lee sieht darin weiterhin ein Nischenprodukt: Der Startpreis für die 256GB-Version wird auf $2.199 geschätzt, die Spitzenausstattung auf $3.099. Für das Geschäftsjahr 2028 erwartet er nur etwa 14 Millionen verkaufte Geräte – zu wenig für den High-End-Kurs von Apple.
Mit dieser Einschätzung stuft Jefferies Apple von "halten" auf "underperform" herunter und senkt das Kursziel von $285,56 auf $263,66 – etwa 16% Abwärtspotenzial. Zudem wird die jährliche Wachstumsprognose des iPhone Durchschnittspreises für 2026 bis 2031 von 9% auf 6,8% reduziert und die Gewinnprognosen für 2028 und 2029 jeweils um 2,1% bzw. 3,4% gesenkt.
"Optimistischer Gegenschlag" der Insider: Fahrplan unverändert, Design wurde angepasst
Doch der Jefferies-Bericht hielt keine 24 Stunden. Am 11. August widersprachen Insider gegenüber den Medien klar der These, das All-Glass-iPhone sei gestrichen. Berichtet wird, dass Apple "nächstes Jahr ein iPhone Pro mit neuem Glas-Look" bringen wird. Die Insider betonen: "Der Produktfahrplan von Apple bleibt unverändert".
Zwei neue iPhone-Pro-Modelle mit den internen Codenamen V73 und V74 werden Vorder- und Rückseite aus Glas haben – das Glas wird zu den Seiten hin gebogen und in der Mitte ein Metallrahmen integriert.
Der Bericht zeigt jedoch auch die Ursachen der Kontroverse: Apples Design wurde tatsächlich angepasst. Das Apple Design Studio pushte zunächst eine idealisierte Version mit noch mehr Glas statt Metall, gab diese aber früh auf. Der Grund: Apple hatte Schwierigkeiten mit der Verbindung der Glaspaneele und das Design war für Massenproduktion nicht geeignet.
Das bedeutet, das All-Glass-iPhone wurde nicht "abgesagt", sondern von der radikalen "ein Stück Glas"-Variante auf die realistischere "Glas biegt sich zu den Seiten, dazwischen Metallrahmen"-Variante heruntergestuft. Apple kompensiert die Designinnovation durch technische Kompromisse – typisch für die Produktentwicklungsgeschichte von Apple.
Das Design neuer iPhones wird meist etwa ein Jahr vor dem Launch festgelegt. Das heißt, das 2027er Modell ist bereits in der Testphase und faktisch entschieden – es sei denn, es gibt unvorhersehbare Vorfälle.
Das Designstudio von Apple versuchte tatsächlich eine noch radikalere Variante – mehr Glas, weniger Metall – aber das wurde früh verworfen. Die Gründe: technische Probleme bei der Verbindung von Glaspaneelen und Anforderungen an die Massenproduktion. Das verdeutlicht auch den feinen Unterschied zwischen "All-Glass" und "glasbasiert": Apple gibt das große Glas-Update nicht auf, sondern nur die unrealistische "All-Glass ohne Naht"-Variante.
Strategisches Dilemma: Steigende Speicherpreise und der "High-End"-Zwiespalt
Unabhängig von der finalen Form des All-Glass-iPhones weist die Debatte auf Apples zentrale strategische Konflikte hin.
Die Speicherpreise steigen rasant. Morgan Stanley Analyst Erik Woodring schätzt, dass die durchschnittlichen Kosten für DRAM bei Apple von Geschäftsjahr 2025 bis 2027 um etwa 370% zulegen werden. Apple hat deshalb bereits die Preise für Mac und iPad erhöht, CEO Tim Cook bezeichnete Preisanhebungen als "unvermeidlich". Die Erwartung, dass die iPhone 18-Serie um $200 teurer wird, steigt.
Jefferies' Supply-Chain-Analyse zeigt: Für jede 4GB zusätzlicher DRAM steigen die Materialkosten beim iPhone um $60 bis $70. Die DRAM-Kapazität des iPhone 19 Pro Max soll von 12GB auf 16GB steigen – aber nur bei diesem Modell. Das zeigt den direkten Kostendruck.
Der Durchbruch von "Apple Intelligence" bleibt begrenzt – auch das ist ein Kernargument für die Herabstufung. Sollte KI nicht den Wechselzyklus beim iPhone ankurbeln, muss Apple zwischen "Hardware-Preissteigerung" und "Verkaufsdruck" schwer auswählen.
Die erste große Bewährungsprobe in der Ternus-Ära
Die Debatte um das "Stück Glas" fällt genau in die entscheidende Phase des Apple-Führungswechsels: Am 1. September übernimmt John Ternus, bislang für Hardware Engineering zuständig, offiziell die CEO-Rolle von Tim Cook. Die Entwicklung und Kompromisse des All-Glass-iPhones sind ein Musterbeispiel für die ersten großen Produktentscheidungen in der Ternus-Ära.
Für Investoren hält dieses "Rashomon" eine Kernbotschaft bereit: Apples High-End-Strategie steht vor nie dagewesenen Herausforderungen bei Technik und Kosten. Das All-Glass-iPhone – ob "abgesagt" oder "angepasst" – zeigt, dass angesichts explodierender Speicherpreise und noch nicht durchschlagender AI-Funktionen der Weg über revolutionäres Design zur Produktpremiumisierung schwieriger ist als erwartet.
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