Nach dem Börsencrash in Südkorea haben Privatanleger das Vertrauen verloren: Sie erinnern sich an zwei Prinzipien: Erstens, keine koreanischen Aktien kaufen; zweitens, sich an die erste Regel halten.
Im Juli erlitt der südkoreanische Aktienmarkt einen historischen Einbruch von 22%. Privatanleger, die zuvor aus FOMO-Gefühlen massiv in KI-bezogene Aktien wie Samsung und SK Hynix investiert und durch von der Regierung eingeführte Single-Stock-Leverage-ETFs zusätzlich gehebelt hatten, erlitten schwere Verluste. Analysten warnen, dass die Entschuldung und die Volatilität der Halbleiteraktien noch mehrere Monate andauern könnten; ein nachhaltiger Wiederaufbau des Marktvertrauens werde noch viel länger benötigen.
Koreanische Privatanleger galten einst als risikofreudig, doch der historische Einbruch des KOSPI-Index im Juli hat das Vertrauen dieser Gruppe völlig erschüttert. Von den Straßen Seouls bis zu sozialen Netzwerken breiten sich Wut und Reue aus; einige Anleger schwören, nie wieder koreanische Aktien anzufassen. Dieser Crash prägt das Anlageverhalten koreanischer Privatanleger nachhaltig.
Im Juli stürzte der KOSPI-Index um 22 % innerhalb eines Monats ab – der größte monatliche Rückgang seit der globalen Finanzkrise. Viermal wurde während des Monats die Circuit-Breaker-Mechanik ausgelöst und damit ein Rekord aufgestellt. Trotz einer kräftigen 18 %-Erholung am Monatsende verkauften Privatanleger am Tag des Rebounds KOSPI-Aktien in Rekordhöhe, was zeigt, dass die Vertrauensbildung noch nicht begonnen hat.

Laut Bloomberg vom 4. August sagte die Einwohnerin Seouls, Kim Han-kyung, sie habe sich zwei Prinzipien fest eingeprägt:
"Erstens: Nicht in den koreanischen Aktienmarkt investieren; zweitens: Die erste Regel beachten."
Der Auslöser des Crashs wurde teilweise durch staatlich eingeführte Single-Stock-Leverage-ETF-Produkte verursacht. Privatanleger kauften zwischen Mai und Juni KOSPI-Aktien im Wert von insgesamt etwa 78 Billionen Won (ca. 54,2 Milliarden US-Dollar) und mussten dann im Juli heftige Turbulenzen hinnehmen, was zu massiven Verlusten führte. Marktanalysten warnen, der Deleveraging-Prozess werde kurzfristig kaum abgeschlossen sein, und heftige Schwankungen bei Technologie- und Halbleiter-Aktien könnten mehrere Monate andauern.
Die Euphorie beim Einstieg – das Feststecken im Verlust
Seit Mai verbreitete sich am koreanischen Aktienmarkt eine optimistische Stimmung. Präsident Lee Jae-myung forcierte die Reform des Aktienmarktes und Single-Stock-Leverage-ETFs wurden Ende Mai offiziell gelistet – ein Instrument, um Privatanlegern überproportionale Gewinne zu ermöglichen und damit die FOMO-Stimmung (Angst, etwas zu verpassen) schnell zu verstärken.
Zahlreiche Privatanleger strömten unter diesen Vorzeichen in den Markt und setzten auf führende AI-Unternehmen wie Samsung Electronics und SK Hynix. Beide globalen Top-Speicherchip-Hersteller repräsentieren gemeinsam über 50 % des KOSPI-Index-Gewichts und sind die zentralen Profiteure des weltweiten AI-Booms im koreanischen Markt.
Das abrupte Umschwenken im Juli überraschte diese frischen Investoren völlig. Kim Han-kyung, die Anfang Mai erstmals koreanische Aktien kaufte, erinnert sich:
"Das war die Zeit der KOSPI-Euphorie, die Welle hat mich einfach mitgerissen, und jetzt habe ich richtig Angst."
Lee Jung-min, 40, nahm einen mit seiner Wohnung besicherten Kredit über 50 Millionen Won für den Markteintritt auf – und steckt nun tief im Verlust. "Die Regierung hat das Feuer mit diesen Leverage-ETFs noch zusätzlich angeheizt," sagt er, "sie haben den Aktienmarkt in ein Casino verwandelt, das halte ich für einen Fehler."
Die Marktdaten zeigen, die Heftigkeit des Absturzes ist nicht zu unterschätzen.
Samsung Electronics fiel im Juli um 21 %; SK Hynix sogar um 35 %. Dennoch hat sich der Samsung-Kurs seit Anfang 2025 über das Vierfache gesteigert, SK Hynix steht sogar fast bei einer Verzehnfachung. Trotz der Korrektur liegt die Performance des KOSPI-Index im laufenden Jahr weiter in der Spitzengruppe weltweit.
Kim Dong Woo, 33 und seit über sieben Jahren im Handel aktiv, sagt:
"Das extreme Volatilitätsniveau zeigt, dass der Markt noch nicht normal funktioniert."
Leverage-ETFs als Sündenbock
Single-Stock-Leverage-ETFs sollten laut der koreanischen Aufsicht eigentlich die Investitionsmöglichkeiten für Privatanleger erweitern und den Kapitalabfluss in ausländische Produkte eindämmen. Doch bei diesem Crash wurden sie zum Sündenbock und breit als Ursache für die verstärkte Marktvolatilität kritisiert.
Berichten zufolge bezeichnete Lale Akoner, globale Marktexpertin bei eToro Group in London, das Ereignis als "paradehaftes Beispiel für einen überfüllten Trade, der auf Hebelwirkung stößt".
Sie betont, der Deleveraging-Prozess sei kaum in wenigen Tagen abschließbar; Anleger sollten mit anhaltender Volatilität bei Technologie- und Halbleiteraktien in den kommenden Monaten rechnen. Gleichzeitig betonte sie: "Das sollte nicht als vollständiger Zusammenbruch der AI-Investment-Logik missinterpretiert werden."
Angesichts der Turbulenzen ergriff die koreanische Regierung Maßnahmen: Mitte Juli wurde die Zulassung neuer Single-Stock-Leverage-ETFs vorübergehend gestoppt, letzte Woche weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Aktienmarktes und zur Begrenzung des Zugangs der Privatanleger zu solchen Produkten zugesagt. Doch mehrere Privatanleger und Marktteilnehmer halten diese Schritte für zu spät.
Francis Tan, Chief Strategist Asia bei Suez Wealth Management in Indien mit Sitz in Singapur, erklärte, das aktuelle Umfeld stelle für die koreanische Regierung eine "große Herausforderung" dar.
In sozialen Netzwerken ist die Unzufriedenheit der Privatanleger allgegenwärtig – meist gegen die Regierung gerichtet. Der Vorsitzende des koreanischen Aktionärsbunds, Jung Eui-jung, dessen Verband 64.000 Mitglieder hat, sagt offen:
"Die Privatanleger sind wütend auf die Regierung, das Maß an Frustration und Kritik hat einen Höhepunkt erreicht."
Analysten stellen fest, dass sich am fundamentalen Treiber des koreanischen Aktienmarkts – dem AI-Boom – wenig geändert hat. Doch für viele Privatanleger hat die bittere Erfahrung im Juli deutlich gezeigt: Die Kraft, die übermäßige Gewinne bringen kann, kann sie ebenso schnell wieder verschlingen. Der Markt kann die Verluste vielleicht innerhalb einiger Monate ausgleichen, aber das Vertrauen der Privatanleger wieder herzustellen könnte viel länger dauern.
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