Super-El Niño trifft ein: 700 Milliarden US-Dollar sind erst der Anfang, ein größerer Schock könnte im nächsten Jahr kommen
Kürzlich haben wichtige Klimainstitutionen wie die US-amerikanische National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF), das japanische JAMSTEC und das Bureau of Meteorology (BOM) Australiens ihre Prognosen zur Intensität des aktuellen El-Niño-Ereignisses mehrfach nach oben korrigiert. Verglichen mit den bisherigen Klimazyklus-Ereignissen verläuft die aktuelle El-Niño-Phase außergewöhnlich schnell, und die Kopplungseffekte zwischen Ozean und Atmosphäre verstärken sich unter dem Antrieb von Westwinden weiter. Die Meeresoberflächentemperatur im Niño-3.4-Gebiet hat seit 60 Tagen in Folge täglich neue Höchstwerte erreicht und liegt 0,83 °C über dem Stand des Super-El-Niño von 1997/98 zur gleichen Zeit.

Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das diesjährige El-Niño-Ereignis zum Super-El-Niño wird, bei über 80 %. Sollte der Nino-Index zwischen Oktober und November dieses Jahres (ziemlich wahrscheinlich) 2,2 °C überschreiten, würde dies zu den stärksten El-Niño-Ereignissen seit 1950 zählen. Bereits jetzt zeigen sich klimatische Auswirkungen: In Europa führte eine Rekord-Hitzewelle zu einer sprunghaften Nachfrage nach Klimaanlagen; der Monsunregen im Südwesten Indiens liegt mehr als 20 % unter dem langjährigen Durchschnitt, was die landwirtschaftliche Produktion stark gefährdet.

Basierend auf historischen Elastizitätskoeffizienten gilt: Sollte dieses El-Niño die Stärke des Ereignisses von 1997/98 erreichen, würden allein in diesem Jahr die globalen BIP-Verluste schätzungsweise 686 Milliarden US-Dollar (rund 0,6 % des weltweiten BIP) betragen. Noch gravierender ist: Die durch El-Niño verursachten Einkommensverluste und die Zerstörung der Infrastruktur verdrängen andere Investitionen und führen zu Langzeitschäden. In den nächsten fünf Jahren könnten sich die akkumulierten ökonomischen Verluste auf 3,1 Billionen US-Dollar summieren.
Neben Extremwetter sind vor allem angebotsseitige Schocks zu beachten
Durch solche systemischen Schocks werden insbesondere Schwellenländer, vor allem in Lateinamerika und Afrika, erhebliche wirtschaftliche Einbußen erleiden – das Risiko eines Souveränitätskreditausfalls wird deutlich steigen. Die damit einhergehenden dramatischen Ernterückgänge werden die globale Lebensmittelversorgungskette direkt beeinträchtigen.

Die europäische Maisproduktion könnte dadurch auf deutlich unter 50 Millionen Tonnen sinken, was die EU dazu zwingen würde, die Einfuhren auf einen Rekordwert von 25 Millionen Tonnen auszuweiten. In Asien haben extreme Hitze und Dürre bereits die Reis- und Zuckerrohrerträge Indiens und Thailands erheblich beeinträchtigt; in Ländern wie Vietnam und den Philippinen kommt es zu verzögerter Aussaat und steigenden Bewässerungskosten, wodurch sich der Versorgungsdruck für Reis, Zucker, Palmöl und andere Agrarprodukte weltweit spürbar verschärft. In Amerika drohen Brasilien und Argentinien Ernteverluste beim Mais und Weizen von 20 % bis hin zu 60 %.



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