Chip-Aktien rutschen in den Bärenmarkt, JPMorgan ruft zum „Sommer-Tiefkauf“ auf, während Morgan Stanley weiterhin auf Cloud-Giganten setzt
Der Philadelphia Semiconductor Index brach in der vergangenen Woche um mehr als 10 % ein und ist seit seinem Höchststand insgesamt um über 20 % zurückgegangen, womit er nun offiziell in einem technischen Bärenmarkt ist. JPMorgan ist der Ansicht, dass der Sektor sich der überverkauften Zone nähert und im Sommer Gelegenheit für einen Einstieg bieten könnte; Morgan Stanley betont jedoch, dass selbst bei einer Erholung Halbleiteraktien kaum an die Spitzenposition zurückkehren dürften und bevorzugt stattdessen große Cloud-Computing-Unternehmen. Insgesamt hält die Bank an ihrem Kursziel von 8.000 Punkten für den S&P 500 zum Jahresende fest, weist jedoch darauf hin, dass der Index bei sich weiter ausbreitender Risikostimmung auch auf die Unterstützungszone bei 7.000 Punkten fallen könnte.
Während einer starken Kurskorrektur bei Chip-Aktien zeigt sich eine deutliche Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Wall-Street-Giganten – JPMorgan hält den Zeitpunkt zum Einstieg für zunehmend günstig, während Morgan Stanley weiterhin der Ansicht ist, dass Hyperscaler, also Cloud-Computing-Unternehmen im großen Maßstab, attraktiver sind und zurückhaltend bleibt bezüglich der Rückeroberung der Marktführerschaft durch Chip-Aktien.
Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) fiel in der vergangenen Woche um 10 %, was die schlechteste Wochenperformance seit April 2025 markiert. Damit beträgt der Rückgang seit dem historischen Schlussrekord von vor einem Monat über 20 %, was offiziell einen technischen Bärenmarkt bedeutet.
Vor diesem Hintergrund meint das Strategie-Team von JPMorgan, dass Chip-Aktien „bald wieder kaufunterstützt werden“, und empfiehlt Investoren, diesen Sommer gezielt neue Positionen aufzubauen.Das Strategie-Team von Morgan Stanley geht hingegen davon aus, dass selbst bei einer Erholung Chip-Aktien kaum in der zweiten Jahreshälfte wieder Marktführer werden können, und bevorzugt weiterhin die Hyperscaler.

JPMorgan: Chip-Aktien nahe überverkauft, im Sommer Einstiegschancen
Das Strategie-Team um Mislav Matejka von JPMorgan ist der Ansicht, dass die jüngste Korrektur bei Chip-Aktien eher auf Sektorrotationen und das Nachlassen von Momentum-Trades zurückzuführen ist, nicht auf eine Verschlechterung der Fundamentaldaten der Branche.
Das Team betont, dass der Relative Strength Index (RSI) als Maß für Marktmomentum rasch die überverkaufte Zone erreicht. Die Momentum-Faktoren, die bisher Chip-Aktien angetrieben haben, verlieren deutlich an Kraft. Gleichzeitig bleiben die Gewinne der Chiphersteller stark und die aktuelle Bewertung ist weiterhin unterstützend.
Aus Angebot-Nachfrage-Perspektive schätzt JPMorgan, dass der Ausbau der effektiven Kapazitäten in der Halbleiterbranche bis 2028 begrenzt bleibt, was kurzfristig keine signifikanten Angebotsprobleme verursacht.
Das Team erklärt, wenn Hyperscaler ihre starken Investitionsplanungen aufrechterhalten, könnten Chip-Aktien im Sommer einer erneuten Portfolioumschichtung unterliegen. Allerdings warnt JPMorgan auch, dass Momentum-Auflösung und Kapitalrotation in der Regel erhöhte Marktschwankungen bedeuten, weshalb Anleger kurzfristige Turbulenzen im Blick behalten sollten.
Zugleich bleibt JPMorgan vorsichtig bezüglich der Frage, wie Cloud-Giganten die massiven AI-Investitionen in tatsächliche Gewinne verwandeln werden und bleibt weiterhin skeptisch gegenüber Software, Business Services und Medien, die von AI ersetzt werden könnten.
Morgan Stanley: Rebound möglich, Marktführerschaft schwer zu erlangen
Im Vergleich dazu ist das Strategie-Team um Mike Wilson von Morgan Stanley bei Chip-Aktien deutlich zurückhaltender. Das Team glaubt, nach mehr als 20 % Kursrückgang sei ein technischer Rebound nicht überraschend, aber dies bedeute nicht, dass das Segment die Marktführerschaft zurückgewinnt.
„Die Marktgewinne weiten sich auf immer mehr Branchen aus“, erklärt das Wilson-Team. Sie erwarten, dass nach Abschluss der aktuellen Korrektur insbesondere Sektoren wie Konsumgüter und Transportbranche neue Impulse für weitere Kursanstiege bieten könnten.
Innerhalb des AI-Investmentthemas bevorzugt Morgan Stanley die Hyperscaler. Laut dem Team verfügen diese Unternehmen über stärkere Kernbereiche und werden im Zuge der Entwicklung von Agentic AI eine dominante Rolle spielen sowie durch Kostenoptimierung ihre Rentabilität steigern können.
Morgan Stanley stellt jedoch fest, dass Cloud-Giganten die Chip-Aktien in den letzten drei Wochen bereits um circa 30 Prozentpunkte übertroffen haben, weshalb das kurzfristige Risiko-Rendite-Profil nun weniger vorteilhaft ist.
S&P500-Jahresziel bleibt bei 8000 Punkten – aber Achtung bei 7000 Punkten Unterstützung
Für das breite Marktgeschehen bleibt Morgan Stanley beim S&P500-Jahresendziel von 8000 Punkten und hält dieses weiterhin für erreichbar.
Das Team stellt fest, dass die Konsolidierung des S&P500 in den letzten beiden Monaten den Erwartungen entspricht; die Marktdynamik wandelt sich von einem Fokus auf wenige Technologie-Riesen hin zu einer breiteren Branchenbeteiligung.
Aber Morgan Stanley warnt zugleich: Falls Momentum-Trades weiter liquidiert werden oder die Lage im Nahen Osten sich zuspitzt, dürfte der S&P500 weiter unter Druck geraten und auf Unterstützung im Bereich von 7000 Punkten treffen. Diese Marke sehen sie als eine wichtige technische Unterstützung vor Beginn eines neuen Bullenmarkttrends.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung steigen die US-Aktienindex-Futures allgemein; S&P500, Dow Jones und Nasdaq Futures legen zu. Allerdings sind die geopolitischen Risiken nicht verschwunden, weshalb der Markt weiterhin genau beobachtet, wie sich die Lage im Nahen Osten auf Risikoanlagen auswirkt.
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