Der verrückteste Dollar-Aufwärtstrend seit zehn Jahren steht bevor: Wie hoch kann der Dollar noch steigen? Der eigentliche Auslöser könnte in ihren Händen liegen.
Strategen geben an, dass die jüngste Stärke des US-Dollars maßgeblich davon abhängt, wie sich die Ölpreise entwickeln und welche Richtung die Politik der Federal Reserve einschlägt.
Bis zur Woche vom 30. Juni stieg das gesamte Netto-Long-Volumen des Marktes für US-Dollar auf das höchste Niveau seit mindestens zehn Jahren.
In letzter Zeit haben sich Investoren angesichts der anhaltenden Stärke des Dollars verstärkt auf Positionen engagiert, die auf einen weiteren Anstieg des Dollars setzen.
Ob diese bullischen Wetten letztendlich Gewinn abwerfen, hängt davon ab, ob die Ölpreise auf hohem Niveau bleiben. Steigende Ölpreise könnten die Inflation antreiben und die Marktteilnehmer in der Erwartung bestärken, dass die Federal Reserve in Zukunft die Zinsen weiter erhöhen wird, um den Preisdruck zu dämpfen.
Höhere US-Zinsen werden in der Regel als unterstützend für den Dollar angesehen.
Laut FactSet-Daten ist der ICE US-Dollar Index (DXY), der die Entwicklung des Dollars gegenüber einem Korb bedeutender Währungen misst, seit Jahresbeginn um insgesamt 2,7 % gestiegen. Der Index erreichte Ende Juni ein Mehrjahreshoch, fiel jedoch anschließend wieder etwas zurück.
Spekulanten haben in den vergangenen Wochen im Futures-Markt ihre bullischen US-Dollar-Positionen ausgebaut. Laut der von der Saxo Bank veröffentlichten Analyse der Daten der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC) stieg das kumulierte Netto-Long-Volumen für den Dollar in der Woche zum 30. Juni zum achten Mal in Folge auf 39,8 Milliarden US-Dollar - ein Rekordniveau seit mindestens zehn Jahren.
Obwohl Investoren ihre Long-Positionen im Dollar stark ausbauen, bleibt der aktuelle Dollar deutlich unter dem Mehrjahreshoch von Ende 2022. Theoretisch bedeutet das, dass der Dollar auch in Zukunft noch weiteres Potenzial für einen Anstieg haben könnte.
Analysten weisen darauf hin, dass der Anstieg der Ölpreise dem Dollar neuen Schwung verliehen hat.
Steigende Rohölpreise haben bereits zu höheren Renditen für US-Staatsanleihen geführt, da die Marktteilnehmer zunehmend davon ausgehen, dass die Federal Reserve später im Jahr erneut die Zinsen anheben könnte.
Gleichzeitig könnte der Dollar auch von einer erhöhten Nachfrage nach sicheren Anlagen profitieren, die durch geopolitische Risiken angefacht wird.
William Merz, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der U.S. Bank Asset Management Group, erklärt, dass der Dollar besonders gestützt wird, wenn Investoren auf der Suche nach sicheren Anlageformen sind.
Das Protokoll der Federal Reserve-Sitzung vom Juni wurde am vergangenen Mittwoch veröffentlicht und zeigt, dass mehrere hochrangige Vertreter der Federal Reserve weiterhin bereit sind, die Zinsen anzuheben, um den Inflationsdruck im Zaum zu halten.
Da der Dollar im globalen Finanzsystem eine zentrale Rolle einnimmt, hat jede Veränderung seines Wertes oft weitreichende Auswirkungen auf andere Märkte.
In der Regel gilt: Ein schwächerer Dollar wird als positiv für ausländische Aktienmärkte gesehen, während ein stärkerer Dollar die Gewinne US-amerikanischer multinationaler Unternehmen belasten kann, da diese einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland erzielen.
Thomas Urano, Co-Chief Investment Officer von Sage Advisory, warnt jedoch, dass die spekulativen Long-Positionen im Dollar derzeit zu überfüllt erscheinen. Selbst kleinere Veränderungen in den Zinserwartungen könnten deshalb eine drastische Kehrtwende beim Dollar auslösen.
Er fügt hinzu: Sollte der Rückgang der Ölpreise zu geringeren Zinserwartungen für die Federal Reserve führen oder der US-Arbeitsmarkt sich verschlechtern, könnten Investoren eine deutliche Umkehr im Dollar-Trend für das Jahr 2026 erleben.
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