Von „aggressiv abverkauft“ zu „selektiv akkumuliert“: Die Marktstimmung bei Gold hat eine entscheidende Wendung vollzogen
FX168 Finanznachrichten, 7. Juli—— Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei Saxo Bank, ist der Ansicht, dass sich der Goldmarkt von einem „Liquidationsmodus“ hin zu einer „Konsolidierungs- und Bodenbildungsphase“ bewegt und der stärkste Verkaufsdruck vorüber sein könnte. Die schwache US-Arbeitsmarktzahl für Juni (nur 57.000 neue Stellen) und Walschs Aussage, „das Inflationsrisiko hat nachgelassen“, haben die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Fed in diesem Jahr deutlich geschwächt. Hansen sagte offen, dass Zinserhöhungen angesichts des starken Rückgangs der Energiepreise „unlogisch“ seien.
Am Dienstag (7. Juli), während der asiatischen Handelszeit, setzte der Spot-Goldpreis die Talfahrt des Vortages fort und fiel um etwa 1 % auf rund 4.120 US-Dollar pro Unze. Spot-Silber fiel um ca. 2,4 % und notierte bei ca. 60,50 US-Dollar pro Unze.
Obwohl der Goldpreis den ersten Widerstand oberhalb von 4.200 US-Dollar noch nicht überwunden hat, ist für Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei Saxo Bank, der heftigste Verkaufsdruck während der mehrmonatigen Korrektur möglicherweise bereits überwunden.
Bei Silber hat die wichtige Unterstützung im 50-Dollar-Bereich gehalten, woraufhin es wieder über 60 US-Dollar anstieg. Dennoch stehen auch hier bedeutende technische und psychologische Rehabilitationsaufgaben an.
Von Liquidation zu Konsolidierung: Der entscheidende Stimmungswandel am Goldmarkt
Im Edelmetall-Report von Montag formuliert Saxo Bank-Rohstoffchef Hansen eine Kernthese: Das Preisverhalten am Goldmarkt verschiebt sich von „Liquidation“ zu „Konsolidierung und Bodenbildung“.
Diese Wende ist von großer Bedeutung. In den letzten Monaten fiel der Goldpreis von seinem Hoch im Januar erheblich zurück, die maximale Korrektur lag bei etwa 1.650 US-Dollar pro Unze (ca. 28 %), der Markt verfiel zeitweilig in panikartige Ausverkäufe. Nun aber „wird der Sektor nicht mehr aggressiv gekauft, sondern selektiv akkumuliert“– ein Zeichen für eine Veränderung der grundlegenden Marktstimmung.
Hansen stellt fest, dass die nächste Richtung für Gold davon abhängt, ob die makroökonomischen Rahmenbedingungen weiterhin Entspannung bieten oder sich erneut verschlechtern. Dies erfasst treffend die gegenwärtige „Abwartehaltung“ des Marktes: Der massivste Verkaufsdruck ist vorbei, aber neue Kaufkraft hat den Markt noch nicht vollständig übernommen.
Makroökonomische Unterstützung: Doppelte Impulse durch Arbeitsmarktdaten und Walsch-Kommentare
Die jüngste Stabilisierung von Gold ist auf eine marginale Verbesserung im makroökonomischen Umfeld zurückzuführen, konkret auf zwei Ebenen:
Erstens haben die Arbeitsmarktdaten die Erwartungen aggressiver Zinserhöhungen abgemildert. Im Juni wurden lediglich 57.000 neue Arbeitsplätze geschaffen – diese deutlich schlechter als erwartete Zahl ließ überzogene Prognosen für weitere Zinsschritte in diesem Jahr deutlich zurückgehen. Zwar geht der Markt weiterhin von Zinserhöhungen der Fed in diesem Jahr aus, aber „die Häufigkeit und das Ausmaß der Erhöhungen“– eine zentrale Variable – hat sich substanziell verändert.
Zweitens bieten die Kommentare von Walsch Raum für einen Politikwechsel. Fed-Chef Walsch betonte zwar das Bekenntnis zur Preisstabilität und das Ziel, die Inflation auf das Zielniveau zurückzuführen, stellte aber gleichzeitig klar, dass das Inflationsrisiko seit seinen Amtsantritt in den letzten Wochen nachgelassen habe. Diese Äußerung sendet am Rande ein leichtes, moderat gefärbtes Signal an den Markt.
Nach Hansen ist angesichts des nachlassenden Inflationsdrucks und einbrechender Energiepreise eine Zinserhöhung der Fed in diesem Jahr „unlogisch“. Sollte sich diese Einschätzung durchsetzen, dürfte der Dollar auf breiter Front unter Druck geraten, weil zahlreiche Long-Positionen auf hohem Niveau aufgelöst werden, und die kurzfristigen Anleihenrenditen sich dem Federal Funds Rate annähern. Das würde Gold einen systematischen makroökonomischen Rückenwind verleihen.
Technische Signale: Die Bodenbildung braucht Zeit
Obwohl sich die fundamentale Lage verbessert, betont Hansen, dass Gold auf technischer Ebene noch viel Rehabilitationsarbeit zu leisten hat – der aktuelle Kurs liegt nach wie vor rund 26 % unter dem Hoch vom Januar.
(Tageschart Gold Spotpreis, Quelle: Yihuichuang)
Die wichtigsten technischen Punkte sind dabei:
Die Unterstützung knapp unter 4.000 US-Dollar hat gehalten, dies war während der jüngsten Korrektur die wichtigste Verteidigungslinie der Bullen.
Allerdings stieß die Gegenbewegung bei etwa 4.200 US-Dollar auf neuen Verkaufsdruck. Dies deutet darauf hin, dass einige Investoren Kursanstiege weiterhin als Gelegenheit nutzen, um ihre Positionen zu reduzieren – ein typisch technisches Verhalten nach einer tiefen Korrektur, das erklärt, warum der Aufbau eines nachhaltigen Bodens Zeit braucht.
Die nächsten wichtigen Widerstandsmarken liegen bei:
200-Tage-Linie (ca. 4.485 US-Dollar/Unze)– dies ist das erste große Hindernis, das von den Bullen überwunden werden muss.
Silber: Zweifache Flexibilität dank industrieller Eigenschaften
Der Silberpreis liegt derzeit oberhalb von 60 US-Dollar/Unze – viel bemerkenswerter ist jedoch die Widerstandsfähigkeit am Boden:
Die „wichtige Unterstützung“ im mittleren 50-Dollar-Bereich verhinderte einen weiteren Rückgang – dieses technische Niveau hat der aktuellen Korrektur standgehalten.
Der anschließende Anstieg zurück über 60 US-Dollar zeigt die Elastizität des Silberpreises.
(Tageschart Silber Spotpreis, Quelle: Yihuichuang)
Hansen betont die doppelte Eigenschaft von Silber: Einerseits reagiert es makroökonomisch ähnlich wie Gold (Zinsen, Dollar, Risikoaversion); andererseits bietet eine seit Jahren bestehende Angebotslücke gepaart mit wachsender Industrienachfrage strukturelle Unterstützung.
Diese Doppelrolle ist jedoch ein zweischneidiges Schwert: Der Silbermarkt ist viel kleiner als der Goldmarkt und daher empfindlicher gegenüber Kapitalflüssen. Das bedeutet, dass Silber bei Verbesserungen der Rahmenbedingungen für trendfolgende Investoren besonders attraktiv ist; bei Stimmungsumschwung besteht jedoch auch ein größeres Liquidationsrisiko. Für Silber gilt ebenso: Neben der technischen Erneuerung steht auch die psychologische Erholung an, wobei die strukturelle Unterstützung auf fundamentaler Basis dafür spricht, dass beim bestätigten Boden das Aufwärtspotenzial größer als bei Gold sein könnte.
Ausblick: Drei wesentliche Variablen während der Bodenbildungsphase
Zusammenfassend stehen Gold und Silber an einem entscheidenden Wendepunkt von „Liquidation“ hin zu „Konsolidierung und Bodenbildung“. Ob dieser Übergang gelingt, hängt von der Entwicklung der folgenden drei Schlüsselfaktoren ab:
Erstens: Klarheit über die Fed-Politik. Wenn die Inflationsdaten in den nächsten Wochen weiter zurückgehen, werden die Zinserwartungen des Marktes für dieses Jahr weiter schwinden und der Rückgang von Dollar und Renditen wird den Goldpreis bei einem Ausbruch über die Widerstandszone von 4.200–4.500 US-Dollar unterstützen.
Zweitens: Bestätigung der ETF-Flüsse. Die Frage, ob Langfristkapital in Gold-ETFs zurückkehrt, dient als maßgebliches Indiz dafür, ob der Wechsel von Liquidation zu Akkumulation gelingt.
Drittens: Das Tempo des Kampfes an den Widerständen. Das Verdauen des Verkaufsdrucks um 4.200 US-Dollar braucht Zeit; gelingt es, durch Seitwärtsbewegungen zwischen 4.000 und 4.200 US-Dollar über längere Zeit ohne ein neues Tief auszubilden, steigert dies die Glaubwürdigkeit des Bodens. Umgekehrt, ein schneller Anstieg über 4.200 US-Dollar, gefolgt von erneuten massiven Verkäufen, könnte die Bodenbildung deutlich verzögern.
Hansens Schlussfolgerung liefert einen klaren Rahmen für die aktuelle Marktpositionierung: Der heftigste Verkaufsdruck dürfte überwunden sein, aber ein tragfähiger Boden braucht Zeit. Im aktuellen Umfeld, in dem das Makrobild besser wird, aus technischer Sicht aber noch keine Bestätigung vorliegt, befinden sich Gold und Silber in einer „Aufbauphase für Richtungsentscheidungen“ – Geduld auf das Signal zu warten ist sinnvoller als den Trend zu früh zu antizipieren.
Ost-Zeitzone, 7. Juli, 13:51 Uhr: Spot-Gold bei 4.124,10 US-Dollar/Unze, Spot-Silber bei 60,52 US-Dollar/Unze.
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