Über Nacht OMO implementiert, wie ist das zu verstehen?
Am 29. und 30. Juni wurde das lang erwartete „Overnight-OMO“ am Markt eingeführt, mit einem operativen Betrag von 300 Milliarden bzw. 600 Milliarden. Wie sollte man die potenziellen Auswirkungen der O/N-OMO und eines gesamten neuen geldpolitischen Maßnahmenpakets auf den Zins- und Wechselkursmarkt verstehen?
Zuallererst ist die Schlüsselfrage, ob die Kapitalkosten tatsächlich gesunken sind.Uns fällt auf, dass momentan Overnight und 7T-OMO gleichzeitig verwendet werden und nicht zueinander in Konkurrenz stehen. Der aktuelle Einsatz von Overnight OMO dient eher dazu, am Monatswechsel stärkere Liquidität bereitzustellen, was auch dem Erfordernis „Flexibilität“ in der Geldpolitik entspricht. Da der Preis nicht veröffentlicht wurde, können wir ihn für unterschiedliche Szenarien überschlagen:
Aus den Berechnungsergebnissen ist ersichtlich, dass wenn das Overnight OMO nur als „ergänzende Liquiditätsbereitstellung“ fungiert, wobei die Laufzeit ohnehin kürzer als bei sieben Tagen ist, wird der Gesamtrückgang der Finanzierungskosten voraussichtlich nur 1-3 Basispunkte betragen, was im Wesentlichen bereits vom kurzen Ende eingepreist ist. Egal ob der Satz 5, 10 oder 15 Basispunkte unter dem der 7T-OMO liegt, ist dies nicht mit einer breit angelegten Lockerung (Senkung des Mindestreservesatzes oder des Leitzinses) vergleichbar.
Naturgemäß ist mittel- bis langfristig zu erwarten, dass Overnight-OMO potenziell das 7T-OMO als den wichtigsten geldpolitischen Leitzins ersetzt. In Anlehnung an internationale Erfahrungen ziehen die meisten Zentralbanken weltweit ohnehin das Overnight-Intervall vor. Das ist jedoch eine spätere Thematik und ein Wechsel des Leitzinses könnte Monate oder gar Jahre zur Umsetzung benötigen – analog war auch das Auslaufen des MLF ein allmählicher Prozess.
Wie entwickeln sich die Finanzierungsbedingungen in Zukunft? Seit dem Lujiazui-Forum bin ich der Meinung, dass die Verengung des Zinskorridors aussagekräftiger ist als neue geldpolitische Instrumente.Der Zinskorridor wurde von [1,2 %, 1,9 %] auf [1,15 %, 1,65 %] verengt, was nicht nur bedeutet, dass die Volatilität am Geldmarkt abnimmt, sondern auch, dass der „Mittelwert“ im Korridor von 1,55 % auf 1,4 % gesenkt wurde.
Im neuen Zinskorridor gehört der aktuelle DR001 (1,35 %) nicht mehr zu den „lockereren“ Werten, sondern ist eher als „neutral“ zu verstehen. Meiner Ansicht nach liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass DR001 künftig eher im Bereich von [1,3 %, 1,5 %] schwankt. Obwohl es derzeit keine umfassende Liquiditätslockerung gibt, ist eine Verschärfung der Finanzierungskonditionen – wie das Zurückfahren großer Bankkredite oder die tighten Bedingungen in den Monaten Mai/Juni – wohl nicht zu erwarten.
Für den Anleihemarkt empfehle ich weiterhin 7- bis 10-jährige Zinsanleihen.Da die Inlandsnachfrage schwach bleibt und unter Berücksichtigung des geldpolitischen Tempos wird erwartet, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal weiterhin unter dem des ersten Quartals liegt. Das fundamentale Umfeld dürfte den Rückgang der langen Laufzeiten stützen; auch in Bezug auf das Anleiheangebot, Zinsdifferenzen und Kuponerträge bleibt der Langfristbereich attraktiver als der kurzfristige.
Für den Devisenmarkt wird erwartet, dass der Renminbi seine Widerstandsfähigkeit beibehält, der Aufwertungsspielraum im Vergleich zum Jahresanfang aber begrenzt ist.Zwei Hauptfaktoren – Energiesicherheit und starke Exporte – stützen weiterhin, aber die Auswirkungen des US-Iran-Konflikts auf die Märkte schwinden, und seit April/Mai ist das hohe Exportwachstum in China vor allem preisbedingt. Die Überzeugungskraft dieser bisherigen Logik schwindet. Sollte sich die Wirtschaftsschwäche im dritten Quartal fortsetzen und die Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Lockerung im Laufe des Jahres steigen, gibt es auch für den Renminbi potenzielle Wendepunkte.
Zusammenfassung des heutigen Beitrags:
1. Am 29. und 30. Juni wurde das lang erwartete „Overnight-OMO“ eingeführt. Die Überschlagsrechnung ergibt, dass unter der Funktion „ergänzende Liquiditätsbereitstellung“ die Gesamtkapitalkosten um etwa 1-3 Basispunkte sinken dürften, was im Wesentlichen bereits am kurzen Ende eingepreist ist. Für die künftigen Finanzierungskonditionen hat die Verengung des Zinskorridors größere Signalwirkung, die Schwankungen von DR001 dürften sich künftig vornehmlich im Bereich von [1,3 %, 1,5 %] bewegen;
2. Für den Anleihemarkt empfehle ich weiterhin Anleihen mit längerer Laufzeit. Für den Devisenmarkt wird erwartet, dass der Renminbi seine Widerstandsfähigkeit beibehält, der Aufwertungsspielraum aber gegenüber dem Jahresbeginn geringer ausfällt. Sollte sich die Wirtschaftsschwäche im dritten Quartal fortsetzen und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung im Laufe des Jahres steigen, könnte der Renminbi einen potenziellen Wendepunkt erreichen.
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